Carbonbeton
Bildrechte: DZP/Ansgar Pudenz

Neues vom Carbonbeton Dresdner Forscher bauen eine Brücke aus Kohlenstoff

Er ist leichter, dünner, belastbarer, haltbarer und günstiger als Stahlbeton. Als die TU Dresden Carbonbeton vorstellte, fühlten sich viele an Science-Fiction erinnert. Jetzt wird die erste Auto-Brücke in Sachsen gebaut.

von Claudia Pupo Almaguer

Carbonbeton
Bildrechte: DZP/Ansgar Pudenz

Es war eine Sensation an der TU Dresden: Drei Wissenschaftler um Professor Manfred Curbach erhielten 2016 für die Erfindung von Carbonbeton den Deutschen Zukunftspreis - eine der prestigeträchtigsten Auszeichnungen für technische Innovationen in Deutschland. Und das zu Recht, scheint es. Denn die Eigenschaften von Carbonbeton als Baustoff können sich sehen lassen:

Carbonbeton:

  • - vier Mal leichter als Stahlbeton
  • - bis zu sechs Mal tragfähiger
  • - rostet nicht und hat deswegen eine geschätzte Lebensdauer von bis zu 200 Jahren
  • - bis zu 50 Prozent Materialeinsparung bei der Herstellung (Platten sind wesentlich dünner)
  • - ermöglicht Herstellung von gebogenen und flexiblen Platten
  • - ermöglicht Zusatzfunktionen wie Dämmen oder Heizen von Gebäuden (durch Verbau von leitenden Fasern)
  • - kann für Neubau und Verstärkung von bestehenden Strukturen eingesetzt werden

Bei diesem Potential möchte man meinen, dass Carbonbeton in aller Munde ist. Es gibt zwar Unternehmen, die damit bauen. Aber dass es großflächig eingesetzt wird, das ist noch nicht der Fall, sagt Curbach, Direktor des Instituts für Massivbau an der TU Dresden. Die Anwendungsmöglichkeiten beziehunsgweise sogar die Existenz des Leichtbaustoffs seien immer noch nicht umfassend bekannt.

Gefühlt halte ich pro Woche mehrere Vorträge über das Material und denke, es müssten eigentlich alle kennen. Aber wenn man sich mal umhört, ist es oft unbekannt. Carbonbeton ist immer noch eine Art Geheimtipp.

Prof. Manfred Curbach, TU Dresden
Fußgängerbrücke aus Carbonbeton in Kempten
Bildrechte: TU Dresden/Harald Michler

Das soll sich aber in den kommenden Jahren ändern. Der nächste Schritt laut Curbach: Richtlinien zum Einsatz des Baustoffs erarbeiten. Bisher musste bei jedem einzelnen Einsatz eine Zustimmung von der jeweils zuständigen Bau-Landesbehörde eingeholt werden. Zwar hatte die TU Dresden schon 2005 die weltweit erste Brücke aus Carbonbeton gebaut - für die Landesgartenschau in Oschatz. Es folgten unter anderem eine Fußgängerbrücke in Kempten, ein luftig-leichter Pavillon im thüringischen Kahla und ein verstärktes Zucker-Silo in Uelzen. Um nun zu zeigen, wie belastbar das Material wirklich ist und die Etablierung voranzutreiben, plant die TU Dresden ein Pilotprojekt: die erste Auto-Brücke aus Carbonbeton in Sachsen. An der S111, etwas östlich von Bautzen soll eine vorhandene, zehn Meter lange Brücke mit Platten aus Carbonbeton ersetzt werden.

Anfragen auch aus Übersee

In Sachsen sei man von dem Brücken-Pilotprojekt sehr angetan gewesen, sagt Curbach. Er bekomme auch vermehrt Anfragen von Architekten. Deren Augenmerk liege vor allem auf den Fassadenplatten und - weil Carbonbeton auf Belastung reagiert und danach soweit möglich in seine ursprüngliche Form zurückkehrt - auf schalenförmigen Bauteilen.

Manfred Curbach
Bildrechte: dpa

Architekten sind sehr daran interessiert, weil diese Platten eine sehr schöne Oberfläche haben. Dazu sind sie sehr dünn, nur 2 Zentimeter dick. Dadurch, dass man ein Gebäude außen misst, entsteht damit innen plötzlich mehr Büro- oder Wohnraum.

Neben dem Neubau von Brücken und kleineren Gebäuden wird Carbonbeton derzeit vor allem zur Verstärkung vorhandener Bausubstanz genutzt. Da sind laut Curbach andere Länder hochgradig interessiert. Denn mit rostigem Stahlbeton oder maroden Brücken haben ebenso Italien, Frankreich, die USA oder Israel zu kämpfen. Unter anderem aus diesen Ländern kommen Fachleute an die TU Dresden, um die neue Technologie kennenzulernen. Die Hochschule hat reagiert und einen internationalen Ausschuss gegründet. Das Ziel: Das Wissen um Carbonbeton als leichten, günstigen und belastbaren Baustoff der Zukunft auch in anderen Ländern zu verbreiten.

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Einfach Genial | 15. November 2017 | 19:50 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 14. Februar 2018, 15:06 Uhr