Cyber-Opas und Chat-Bots Reden wir bald nur noch mit Maschinen?

Verstorbene virtuell weiterleben lassen, als digitale Klone, die jederzeit mit uns kommunizieren können. Daran arbeiten US-Forscher am Massachusetts Institute of Technology (MIT) in Boston. Und damit sind sie mitten im Top-Trend des Jahres. Denn auch für die großen Internetriesen Facebook, Google und Microsoft ist die digitale Kommunikation, also das Gespräch zwischen Mensch und Maschine, eines der wichtigsten Themen der Zukunft.

Spielzeugroboter
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Der digitale Klon

Chatten wie bei WhatsApp, reden wie mit Siri, oder einem 3-D-Hologramm gegenüber stehen – so stellt sich Professor Hossein Rahnama die Kommunikation mit dem digitalen Klon vor. "Alles eine Frage von Daten-Input und möglichst genauen Algorithmen", so der Forscher vom Bostoner MIT im ARD-Interview. Je mehr digitale Spuren der Verstorbene hinterlassen hat, desto genauer soll sein Abbild werden.  Und Rahnama glaubt an seine Idee. Er hat auch schon eine Firma gegründet, die seine digitalen Klone vermarkten soll. Ab 2017 können sich Interessierte anmelden und alle Daten sammeln lassen. Für 9,99 Dollar im Monat gibt es dann von ihm die Garantie auf digitale Unsterblichkeit als Cyper-Opa, den die Enkel jederzeit um Rat fragen können. Mit diesem Geschäftsmodell ist Professor Rahnama dort, wo Facebook, Google und Microsoft in diesem Jahr Milliarden investieren.

Ständige Begleiter

Finger weist auf ein WhatsApp-Icon auf einem Smartphone-Display
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Facebook hat in diesem Frühjahr Chatbots vorgestellt, die den Nutzern automatisch Nachrichten bringen, Wetter und Verkehr kennen, oder Rechnungen zustellen. Anders als bisherige Assistenten wie Siri von Apple oder Cortana von Microsoft sollen diese Bots agieren, aktiv Angebote machen. Facebook nutzt dafür eigene Entwicklungen im Bereich Künstliche Intelligenz. Microsoft entwickelt dagegen ein Bot-Framework, eine Art Gerüst, das es anderen Firmen und Entwicklern möglich machen soll, eigene Bots zu programmieren, die dann mit ihren Kunden in Kontakt treten. Damit sollen Messenger wie Telegram, Kik oder WhatsApp zu unseren ständigen Begleitern werden, die uns alle Frage beantworten, möglichst noch, bevor wir sie stellen, die uns Informationen liefern und kleine Helfer für alle Probleme im Alltag werden. China ist dabei schon einen Schritt weiter. Dort nutzen über eine halbe Milliarde Menschen WeChat, einen Messenger, mit dem man nicht nur chatten, sondern auch shoppen kann.

Wenn ein User in deinem Netzwerk tausende Follower zu haben scheint, aber selbst nur einer Person folgt, dann ist es wahrscheinlich ein Bot.

Professor Phil Howard

Niemand weiß genau, wieviel Bots heute in den sozialen Netzwerken z.B. bei Twitter oder Facebook bereits aktiv sind. Aber sie sind da. Sie sorgen für Verwirrung, können Fehlinformationen streuen, Debatten beeinflussen. Aber man kann sie erkennen, so Professor Phil Howard vom Oxford Internet Institute in einer Einschätzung für die Deutsche Welle. Daran, dass sie sich sprachlich noch verheddern, so der Wissenschaftler. Aber auch an einfacheren Dingen. "Wenn ein User in deinem Netzwerk tausende Follower zu haben scheint, aber selbst nur einer Person folgt, dann ist es wahrscheinlich ein Bot." Mexiko, Russland oder die Türkei zählen zu den Staaten, die besonders häufig Bots einsetzen. Aber auch im US-Wahlkampf werden sie genutzt. Es gibt Schätzungen, dass Bots durch ihre Aktivitäten heute 50 Prozent des Internetverkehrs verursachen.

Botivisten

Saiph Savage, Computerwissenschaftlerin an der West Virginia University in Morgantown/USA forscht seit Jahren zum Thema Interaktion von Mensch und Computer. Sie hat Botivist entwickelt, einen Bot, der Menschen helfen kann, sich gesellschaftlich oder politisch zu engagieren, der Bürger mobilisieren und gesellschaftlich Kampagnen initiieren kann. “Durch die Nutzung von verschiedenen Twitter-Accounts, kann Botivist unterschiedliche Strategien zur Beteiligung zu fördern“, schreibt Savage auf der Seite des Projekts. Damit könnten ohne großen Aufwand schnell viele Menschen erreicht werden, so die Wissenschaftlerin. Die dann Gutes tun, so die Hoffnung, zum Beispiel im Kampf gegen Korruption und Machtmissbrauch.