Covid-19 Totimpfstoffe: Impfung mit Coronaviren zu 75 Prozent effektiv

Chinas Impfstoffhersteller Sinopharm veröffentlicht finale Testergebnisse zu zwei Totimpfstoffen: 75 Prozent Schutz vor symptomatischer Covid-19 und keine schweren Verläufe. Die Vakzine, die ähnlich wie die meisten Grippeimpfstoffe aufgebaut sind, haben vor allem bei der Lagerung einige entscheidende Vorteile. Dadurch könnten sie helfen, die Pandemie in armen Ländern zu stoppen.

Mitarbeiterin im Gesundheitswesen bereitet Spritze mit dem Impfstoffs Sinopharm vor.
Impfärztin in Bangladesch bereitet eine Spritze mit einem chinesischen Impfstoff vor: Chinesische Wissenschaftler legen jetzt die Daten ihrer Phase-3 Studie vor. Bildrechte: IMAGO / ZUMA Wire

Sogenannte Totimpfstoffe basieren auf einem lang bekannten und vielfach angewendeten Prinzip: Viren, die eine Krankheit auslösen, werden in Zellkulturen vermehrt und anschließend mit technischen Verfahren teilweise zerstört. Danach können sie Menschen nicht mehr infizieren. Aber sie können dem Immunsystem noch die feindlichen Eiweiße zeigen, gegen die unser Abwehrsystem dann Antikörper und T-Zellen aufbaut, die dann wiederum vor ansteckenden Viren schützen. Solche Totimpfstoffe sind beispielsweise bei der Grippe-Impfung möglich. Jetzt hat das Nationale Biotech-Institut Chinas Daten aus seiner Phase-3 Studie an zwei Corona-Totimpfstoffen im renommierten Journal JAMA veröffentlicht. Die von Sinopharm vertriebenen Impfungsstoffe könnten entscheidend dazu beitragen, die Pandemie überall auf der Welt zu stoppen.

Viruslinien von ersten Corona-Patienten

Ein zentraler Vorteil der Totimpfstoffe ist ihre Lagerfähigkeit. Sie können bis zu mehrere Jahre bei Kühlschranktemperaturen von 2 bis 8 Grad Celsius aufbewahrt werden und behalten ihre Wirksamkeit noch, wenn sie rund 24 Stunden bei Raumtemperatur gelagert wurden. Das macht sie deutlich leichter in entlegene Weltgegenden transportierbar als die mRNA Impfstoffe von Moderna und Biontech/Pfizer, die stark gekühlt bei -8 bis -70 Grad aufbewahrt werden müssen.

Für ihren Totimpfstoff haben die chinesischen Forscher zwei Viruslinien genutzt, die sie zu Beginn der Pandemie von zwei Patienten in einem Krankenhaus in Wuhan isoliert hatten. Die Impfstoffe tragen jetzt die Bezeichnungen WIV04 und HB02. Sie werden jeweils mit einem Verstärker versehen, in diesem Fall Aluminiumhydroxid, genannt Alum.

Die nun vorgelegten Ergebnisse basieren auf der klinischen Phase-3 Studie, die ab Juli 2020 in den Vereinten Arabischen Emiraten und in Bahrein durchgeführt wurden. Die Mediziner rekrutierten insgesamt rund 40.500 Versuchsteilnehmer und teilten sie in drei Gruppen zu jeweils 13.500 Teilnehmern. Gruppe A erhielt zwei Dosen mit jeweils 5 Mikrogramm von WIV04, Gruppe B bekam zwei Mal 0,45 Mikrogramm HB02 und Gruppe C lediglich den Impfstoffverstärker Alum.

Zwei Fälle von schweren Nebenwirkungen

Die Effizienz der Impfstoffe wurde anhand von Infektionen gemessen, die frühestens 14 Tage nach der zweiten Dosis auftraten. Bei WIV04 (Gruppe A) kam es zu 26 symptomatischen Infektionen, zu 21 bei HB02 (Gruppe B) und in der Kontrollgruppe waren es 95 Infektionen. Daraus errechneten die Mediziner eine Effektivität für WIV04 von 72,8 Prozent und 78,1 Prozent für HB02. Unter keinem der geimpften Versuchsteilnehmer kam es zu schweren Covid-Verläufen. Diese traten lediglich zwei Mal in der Kontrollgruppe auf.

Unerwünschte Nebenwirkungen traten bei allen drei Gruppen relativ gleichmäßig auf. In der WIV04 Gruppe berichteten 44,2 Prozent der Teilnehmer (5.957 Personen) von solchen Effekten. Bei HB02 waren es 41,7 Prozent (5.623 Personen) und bei reinem Alum 46,5 Prozent (6.250 Personen). Am häufigsten traten Schmerzen an der Einstichstelle auf (je nach Gruppe bei 20 bis 28 Prozent der Teilnehmer), gefolgt von Kopfschmerzen (in allen drei Gruppen jeweils rund 13 Prozent). In 201 Fällen kam es zu schweren Nebenwirkungen (in allen drei Gruppen jeweils rund 0,5 Prozent).

In zwei Fällen stellten die Mediziner einen direkten Zusammenhang zur Impfung fest, beide traten in der HB02-Gruppe auf. Ein Mann erkrankte an einer demyelinisierenden Myelitis, also einer Entzündung seines Nervensystems. Eine ähnliche Nebenwirkung war bereits bei den Versuchen von Astrazeneca aufgetreten und wurde dort damit erklärt, dass der Impfstoff Viren nutzt. Beim zweiten Fall erbrach sich eine Frau heftig nach der ersten Impfung, konnte aber mit einem Medikament behandelt werden.

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Nahaufnahme einer Ampulle mit einem mRNA-Impfsoff beim Herausziehen mit der Spritze. Grüner Hintergrund, schematische Blätterillustrationen auf Hintergrund verteilt.
Bisher wird für die Herstellung von mRNA-Impfstoffen tierisches statt pflanzliches Cholesterol verwendet. Doch das könnte sich bald ändern. Bildrechte: imago images/Fotostand (M, mit Pixabay/Clker-Free-Vector-Images)