Sars-Cov-2 Weitere hochwirksame Corona-Antikörper entdeckt

Infektionserkrankungen mit Antikörpern zu behandeln - das ist nicht neu. Auch bei Covid-19 wird dieser Ansatz verfolgt. Berliner Forscher sind diesem Ziel offenbar einen gewaltigen Schritt nähergekommen und auf dem Weg, einen Stoff für eine passive Impfung zu entwickeln. Auch ein internationales Forschungsteam hat nun Antikörper gefunden, die verhindern, dass sich die Viren weiter vermehren.

Illustration: Antikörper um einen Covid-19 Erreger herum.
Bildrechte: imago images/Science Photo Library

Das klingt ähnlich vielversprechend wie der Ansatz eines Berliner Forschungsteams, über den wir gestern berichtet haben. Nun hat eine internationale Forschergruppe aus den USA, Italien, Belgien und Frankreich ebenfalls hochwirksame Antikörper aus dem Blut von Menschen nach überstandener Coornaerkrankung identifiziert, die verhindern, dass sich Sars-Cov-2-Viren weiter vermehren können. In einer heute veröffentlichten Studie berichten sie über die Isolierung und Charakterisierung von zwei "ultrapotenten humanen neutralisierenden Sars-CoV-2-Antikörpern" (S2E12 und S2M11) ), die Hamster vor Infektionen mit dem neuen Coronavirus schützen. Die Forscher sagen: Die Ergebnisse ebnen den Weg für die Implementierung von Antikörper-Cocktails zur Prophylaxe oder Therapie. Die prophylaktische Verabreichung dieser Antikörper führte den Forschern zufolge bei allen getesteten Dosen zu einem kompletten Abbruch der Virusreplikation in der Lunge. Die Forscher sprechen von einer "bemerkenswerten Schutzwirkung". Ihre Studie lesen Sie hier.

Ein Berliner Team hatte ebenfalls wirksame Antikörper gefunden

Das Berliner Forschungsteam der Berliner Charité hatte im Blut von Menschen mit Covid-19-Erkrankung Antikörper gefunden, die sich offenbar für eine passive Impfung gegen Sars-Cov-2 eignen. Aus dem Blut der Patienten waren im Labor fast 600 verschiedene Antikörper isoliert worden. Diese sogenannten neutralisierenden Antikörper docken am Virus an und verhindern, dass das Virus in Zellen eindringt und sich vermehrt. Aber nicht alle Antikörper sind gleich effektiv. "Drei gelten für eine klinische Entwicklung als besonders vielversprechend", sagt Prof. Dr. Harald Prüß vom Deutschen Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen e.V., der zur Forschungsgruppe gehört.

Manche Antikörper sind effektiver als andere

Mit den besonders effektiven Exemplaren wurde weiter geforscht, indem sie in der Petrischale künstlich reproduziert wurden. Ob das Prinzip funktioniert, wurde zunächst an Hamstern getestet. Die Rechnung scheint aufzugehen, wie Projektkoordinator Dr. Jakob Kreye verdeutlicht:

Wurden die Antikörper nach einer Infektion verabreicht, entwickelten die Hamster allenfalls milde Krankheitssymptome. Erfolgte die Gabe der Antikörper präventiv – vor einer Infektion –, dann erkrankten die Tiere nicht.

Dr. Jakob Kreye, Projektkoordinator

Warum Hamster? Ihr Immunsystem reagiert ähnlich auf das Virus wie das menschliche.

Syrischer Goldhamster
Bildrechte: imago/blickwinkel

Wie geht es weiter?

Anhand dieser Antikörper hoffen die Forschenden jetzt, einen passiven Impfstoff gegen Sars-CoV-2 entwickeln zu können. Er könnte Leuten prophylaktisch verabreicht werden, die Kontakt zu Infizierten hatten, sagt Harald Prüß:

Im Unterschied zur aktiven Impfung werden bei der passiven Impfung fertige Antikörper verabreicht, die nach einer gewissen Zeit abgebaut werden.

Harald Prüß, Deutsches Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen

Was unterscheidet die passive von der aktiven Impfung? Der Schutz durch eine passive Impfung ist weniger beständig als durch eine aktive. Allerdings greift bei einer passiven Impfung die Schutzwirkung quasi sofort. Bei einer aktiven Impfung muss diese sich erst aufbauen. Gäbe es beide Möglichkeiten der Impfung, könne je nach Situation flexibel reagiert werden, erklärt Prüß. Bis es soweit ist, muss noch ein Industriepartner gefunden werden, damit die von den Berliner entdeckten neutralisierenden Antikörper in großen Mengen produziert werden können. Frühestens Ende des Jahres könnte der Stoff dann in klinischen Studien an Menschen erprobt werden.

Diese Forschung wurde im Fachmagazin Cell veröffentlicht. Hier geht es zur Studie.

Update 25.09.2020

(lfw)

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