Immunreaktionen auf Impfungen Corona, Masern und Co.: Thüringer Forscher entwickeln Schnelltest auf 21 verschiedene Antikörper

Hat die Corona-Impfung wirklich gewirkt? Und besitzt jemand auch Antikörper gegen das Virus, die nur bei einer Infektion gebildet werden? Ein neuer Schnelltest aus Thüringen kann solche Fragen beantworten, und so schnell und effektiv Impflücken entdecken, nicht nur bei Corona.

Blutprobe
Ein Tropfen Blut reicht aus, um verschiedenste Antikörper prüfen zu können. (Symbolfoto) Bildrechte: Colourbox.de

Menschen reagieren unterschiedlich auf die Corona-Impfung, nicht bei allen ist die Immunantwort gleich stark. Und schwächere Immunantworten gehen mit einem höheren Risiko auf einen Impfdurchbruch einher. Daher steigt der Bedarf nach schnellen Antikörpertests. Eine neue Testplattform haben nun Forschende einer privat-öffentlichen Kooperation aus Jena fertiggestellt.

Zwar kann diese Plattform lediglich feststellen, ob Antikörper gegen Sars-CoV-2 vorhanden sind oder nicht. Doch der Mikrochip kann dabei nach einer Vielzahl verschiedener Antikörper suchen und so Auskunft geben, ob jemand nur die durch Impfung erzeugten Antikörper hat oder auch solche, die nur eine Infektion hervorruft.

Thüringer Test kann 18 verschiedene Corona-Antikörper erkennen

Das sogenannte Microarray ist eine Art Chip, der nur einige Millimeter groß ist. Er enthält eine ganze Reihe von Bindungsstellen (sogenannte Antigene), an die Antikörper aus einer Blutprobe andocken können. Die Wissenschaftler des InfectoGnostics Forschungscampus Jena haben auf ihrem neuen Testsystem insgesamt 18 Bindungsstellen für Corona-Antikörper aufgebracht und drei weitere für Antikörper gegen Diphtherie, Masern und Tetanus.

"Wir konnten so zeigen, dass wir den Test flexibel erweitern und verschiedene Antikörper während einer einzigen Testung im Patientenblut nachweisen können. In Zukunft könnte man also einen Mikroarray für alle von der STIKO empfohlenen Impfungen zusammenstellen, mit dem man schnell und günstig auf mögliche Impflücken screenen könnte", erklärt Sindy Burgold-Voigt, die die jetzt in Scientific Reports veröffentlichte Studie geleitet hat.

Glasschalen mit schwarzen und blauen Punkten darin.
Das Testsystem aus Thüringen kann aktuell 21 verschiedene Antikörper auf einmal nachweisen. Bildrechte: fzmb GmbH

Test kann schnellen Überblick über Immunreaktionen nach Impfungen verschaffen

Neben dem Forschungscampus InfectoGnostics sind auch das Leibniz-Institut für Photonische Technologien (Leibniz-IPHT) und die Jenaer Uniklinik an der Entwicklung beteiligt. Der Test könnte zum Einsatz kommen, wenn Forschende im weiteren Pandemie-Verlauf einen schnellen Überblick gewinnen wollen, über welche Antikörper jemand verfügt – ob nur solche aus Impfungen oder solche, die auf eine Infektion mit spezifischen Varianten hinweisen wie Omikron.

"Für die Weiterentwicklung und Effizienzanalysen von Impfungen ist es extrem wichtig, dass die Forschung ein diagnostisches Werkzeug hat, mit dem man sich einen schnellen Überblick über die Immunreaktion verschaffen kann", so Burgold-Voigt, die am Leibniz-IPHT promoviert.

Eine Weiterentwicklung könnte auch dafür sorgen, dass der Test erst anschlägt, wenn bestimmte Schwellwerte bei den Antikörpern erreicht werden. So könnte die Plattform dazu genutzt werden, zu zeigen, ob jemand ausreichend Antikörper gegen das Virus gebildet hat.

(ens)