Sars-CoV-2 Forschende aus Jena zeigen, wo Corona den Körper angreift

Corona greift die Lunge an – das wissen wir bereits. Aber es ist nicht der einzige Ort, an dem das Virus zuschlägt. Aktuelle Forschung aus Jena hat sich jetzt genauer damit beschäftigt, wo Sars-CoV-2 im Körper auftaucht und was es zurücklässt

Blaue, hügelige Fläche, die an Stoff erinnert mit kleinen rosafarbenen Kügelchen drauf.
Coronaviren (Durchmesser: 83 Nanometer) auf der Oberfläche einer im Laborexperiment untersuchten Lungenzelle. (Elektronenmikroskopische Aufnahme, nachkoloriert) Bildrechte: Sandor Nietzsche, Elektronenmikroskopisches Zentrum, UKJ

Eine Covid-19-Erkrankung ist nie auf die leichte Schulter zu nehmen – und man sollte es wirklich tunlichst vermeiden, sich mit Corona zu infizieren. Gerade vor dem Hintergrund immer präziser werdender Berichte über Folge- und Spätschäden einer Infektion und Erkrankung, ist das nach wie vor das Gebot der Stunde. Forschende vom Uniklinikum in Jena haben jetzt dazu beigetragen, die Mechanismen von Covid-19 besser zu verstehen.

Erstmals umfassende Kartierung von Erbgut und Schäden

Dazu hat sich ein bereichsübergreifendes Team aus Virologie, Mikrobiologie, Rechtsmedizin, Pathologie und Intensivmedizin zusammengetan und die Körper von elf mit Covid-19 verstorbener Personen untersucht. Die Forschungsgruppe hat zum einen die Verteilung der Viruslast in einer Vielzahl an Geweben und Organen untersucht. Zum anderen hat sie die Verteilung des Coronavirus mit festgestellten Gewebeschäden in Verbindung gebracht. Die Untersuchungen fanden nur wenige Stunden nach dem Tod der Personen statt, um Abbauprozesse des Gewebes und des Virus-Erbguts zu verhindern. Pro Patientin oder Patient wurden sechzig Proben dokumentiert. Viruslast und Gewebeschäden im Zusammenhang mit Covid-19 wurden damit erstmals umfassend kartiert.

Stefanie Deinhardt-Emmer, Autorin der Studie, begründet das Engagement der Forschenden damit, dass es vermehrt Hinweise darauf gibt, dass Covid-19 eben nicht nur die Lunge betrifft, sondern den ganzen Körper – insbesondere im Hinblick auf Spätfolgen.

Virus überall im Körper, Gewebeschäden nur in der Lunge

Wenig überraschend: Virus-Erbgut ist bei den Untersuchungen vor allem in der Lunge aufgetaucht, dort fanden die Forschenden auch die meisten Gewebeschäden. "Interessanterweise haben wir Sars-CoV-2-RNA auch in verschiedenen anderen Geweben und Organen, wie Verdauungsorganen, Nieren oder den Herzgefäßen nachgewiesen. Aber nur in der Lunge hatte das Virus das Gewebe angegriffen“, so der Rechtsmediziner Daniel Wittschieber, der Co-Autor der Studie ist.

Seine Kollegin Stefanie Deinhardt-Emmer ergänzt: "Dass nur das Lungengewebe geschädigt, aber im gesamten Körper Virus-RNA verteilt ist, stützt die Vermutung, dass unser Immunsystem nicht angemessen auf das Vorhandensein des Virus im Blut reagieren kann." Das, so die Wissenschaftlerin, sei das eigentliche Problem an Corona.

flo

Link zur Studie

Die Studie Early postmortem mapping of SARS-CoV-2 RNA in patients with COVID-19 and the correlation with tissue damage erschien am 30. März 2021 im Fachjournal eLife:

DOI: 10.7554/eLife.60361

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