Medikamenten-Forschung Helmholtz-Forscher weisen Corona-Antikörper nach

Forschende am Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung (HZI) in Braunschweig haben offenbar hunderte mögliche Antikörper gegen das Coronavirus SARS-CoV-2 gefunden. Wenn einige davon wirken, ist das ein großer Schritt in Richtung Medikament.

Die Haupteinfahrt zum Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung in Braunschweig, 2017
Das Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung in Braunschweig Bildrechte: dpa

Ein Forschungsteam des HZI hat einem Bericht der Braunschweiger Zeitung zufolge Antikörper gegen das Coronavirus SARS-CoV-2 gefunden, die das Virus am Eindringen in Zellen hindern können. Dafür hätten sie 6.000 künstlich hergestellte menschliche Antikörper analysiert, sagte HZI-Virologe Luka Cicin-Sain. Darunter seien mehr als 750 Antikörper gewesen, die an das Coronavirus andocken können. Das ist die Grundlage dafür, dass sie das Virus bekämpfen können. Der Virologe sprach der Zeitung gegenüber von einem wichtigen Schritt in Richtung eines Medikaments gegen das Virus.

In wiederholten Versuchen konnten wir zeigen, dass dieses Ergebnis tragfähig ist. Das ist eindeutig ein Durchbruch, der zeigt: Wir sind auf dem richtigen Weg für die Entwicklung eines Medikaments gegen Covid-19.

Prof. Luka Cicin-Sain, Helmlholtz-Zentrum für Infektionsforschung

Das Forschungsteam will die Antikörper nun an Zellkulturen auf ihre Wirksamkeit testen. Ziel sei es, ein Medikament herzustellen, um schwer erkrankte Corona-Patienten behandeln zu können. Man spricht bei diesem Wirk-Prinzip von einer Passiv-Immunisierung.

Medikament im Herbst?

Bis Mitte Juni wollen die Braunschweiger die aussichtsreichsten Antikörper-Kandidaten aussuchen, erklärte Thomas Schirrmann von dem an dem Projekt beteiligten Biotech-Unternehmen Yumab. Dann werde der Favorit "auf Herz und Nieren geprüft" und die Entwicklung für die klinische Praxis vorbereitet. Im Herbst will der Yumab-Chef dann schon die ersten Patienten mit dem Medikament behandeln.

Auch Hepatitis-Medikament könnte helfen

Auch mehrere Medikamente, die bisher bereits gegen die Viruserkrankung Hepatitis C verwendet werden, können möglicherweise gegen Covid-19 helfen.

Japanisches Geißblatt
Auch ein Stoff aus dem Japanischen Geißblatt soll "sehr stark" gegen SARS-CoV-2 wirken. Bildrechte: imago images / Leemage

Das ist das Ergebnis einer Untersuchung von Forschenden der Johannes Gutenberg-Universität Mainz (JGU). Sie sind den Medikamenten durch aufwendige Berechnungen mit dem Supercomputer MOGON II auf die Spur gekommen. In ihrer auf der Website der Weltgesundheitsorganisation (WHO) veröffentlichten Studie beschreiben sie, dass sie simuliert haben, wie rund 42.000 Substanzen an bestimmte Proteine des Coronavirus SARS-CoV-2 binden und dessen Eindringen in menschliche Zellen verhindern oder aber die Vermehrung des Virus hemmen.

Unseres Wissens sind wir die Ersten, die molekulares Docking im Zusammenhang mit SARS-CoV-2 angewendet haben. Dass wir dadurch auf mehrere zugelassene Hepatitis-C-Medikamente als besonders erfolgversprechende Kandidaten gestoßen sind, ist sensationell.

Prof. Dr. Thomas Efferth vom Institut für Pharmazeutische und Biomedizinische Wissenschaften der JGU

Mithilfe von 30 Milliarden einzelner Berechnungen innerhalb von zwei Monaten haben sie herausgefunden, dass die Substanzen aus den vier Hepatitis-C-Medikamenten Simeprevir, Paritaprevir, Grazoprevir und Velpatasvir mit hoher Wahrscheinlichkeit sehr stark an SARS-CoV-2 binden und damit womöglich Ansteckungen verhindern. Dafür spreche auch, dass das Coronavirus genauso wie das Hepatitis-C-Virus ein "einzelsträngiges RNA-Virus" sei - also derselbe Virustyp.

Außerdem könnte ein Naturstoff "sehr stark" wirken, so die Forschenden: ein Stoff aus dem Japanischen Geißblatt (Lonicera japonica). Ihre Ergebnisse müssen die Mainzer jetzt aber noch durch Laborexperimente und klinische Studien überprüfen.

(kie)

2 Kommentare

MDR-Team vor 28 Wochen

Lieber part,
so einfach ist es aber leider nicht. Wenn eine Pflanze antiviral wirkt, heißt das nicht, dass alle Viren von dieser Pflanze in Windeseile
abgetötet werden. Ingwer, Knoblauch und Co. können das Immunsystem stärken, eine Ansteckung aber nicht verhindern. Die antivirale Wirkung von Zistrose ist zwar bekannt und es wird an einer Verwendung von Extrakten der Heilpflanze als Mittel gegen Grippe, HIV und Ebola geforscht, doch hier geht es um das Corona-Virus. Wissenschaftliche Studien, die die Wirksamkeit von bestimmten Pflanzen, Vitaminen oder Mineralstoffen belegen, gibt es nicht. Die Verbraucherzentrale warnt gar vor Tipps wie den Ihrigen: https://www.verbraucherzentrale-sachsen-anhalt.de/pressemeldungen/lebensmittel/warnung-vor-nahrungsergaenzungsmittel-gegen-coronainfektion-46362
Freundliche Grüße aus der MDR-Wissen-Redaktion

part vor 28 Wochen

Unsere Flora ist voll mit Pflanzen und Wirkstoffen, die nicht nur antibakteriell sondern auch antiviral wirken. Leider hatten es schon die römischen Eroberer auf die Druiden abgesehen und später die Kirche auf die kräuterkundigen Weiber. In China und Ostasien verliert die TCM immer mehr an Stellenwert gegenüber der Schulmedizin. Für Pharmakonzerne dagegen sind natürliche Heilmittel das reinste Gift für die Bilanzen und das Wettgeschäft an den Börsen, es sei denn man kann den Wirkstoff künstlich nachbauen und vermarkten. Ich persönlche setze auf Artemisin und die Wirkstoffe aus der Zistrose sowie des Salbei.