Covid-19 Britische Mutation B.1.1.7: Wir stehen am Scheitelpunkt

Wir sehnen uns nach dem Ende des Lockdowns. Und die Infektionszahlen gehen doch auch seit Januar tendenziell zurück. Aber es hängt ein Damoklesschwert über uns: Die Britische Corona-Mutation.

Eine ansteckendere Virusvariante ist auf dem Vormarsch und trotzdem scheinen die Corona-Zahlen eher zurückzugehen. Ist das ein Widerspruch?

Nein, sagt der Epidemiologe Ralf Reintjes von der Hochschule für angewandte Wissenschaften Hamburg (HAW). Kein Widerspruch. Man muss eben die Corona-Maßnahmen mit einberechnen.

Solange wir fast nur Virusvariante 1 hatten, nahmen die Zahlen richtig gut ab unter den Bedingungen, die wir durchgeführt haben. Jetzt nimmt leider immer mehr die Variante 2 zu. Wie berichtet, ist es jetzt etwa Hälfte/Hälfte. Demnächst wahrscheinlich 70, 80, 90 Prozent. Und unter denselben Bedingungen mit einem Virus, das sich viel besser verbreitet, dann werden die Zahlen halt wieder ansteigen.

Prof. Ralf Reintjes, HAW Hamburg

Aktuell halten sich Wildtyp und britische Mutation die Waage. Das Abfallen der ursprünglichen Variante wird aufgehoben durch das Ansteigen der neuen Variante. Deswegen bleiben die Zahlen der Neuinfektionen in Deutschland gerade in etwa gleich.

Der große Ausbruch aufgrund der britischen Mutation blieb also in Deutschland bisher noch aus. Das überrascht nicht, sondern stimmt mit Berechnungen überein, die zum Beispiel Peter Möller, Professor für Mathematik und Physik an der Hochschule für angewandte Wissenschaften Hamburg gemacht hat.

Diese Messpunkte liegen exakt auf unseren Vorhersagen, bis auf eine gewisse Streuung, die immer drin ist.

Prof. Peter Möller, HAW

Möller sagt: Bis Ende April könnte die britische Mutation komplett die alte Variante in Deutschland verdrängt haben. Aber wir werden wohl schon früher etwas merken. Aktuell stehen wir an einem Scheitelpunkt:

Wenn wir uns nicht klug an diese Regeln halten, dann wird schon in den nächsten Wochen die Neuinfizierten-Zahl immer mehr zunehmen. Wir sind dann voll in einer Dritten Welle. Und um diese wieder zu brechen, müssten wir dann wieder mit sehr harten Maßnahmen dagegen vorgehen.

Prof. Peter Möller

Die Maßnahmen könnten dann aber weniger effektiv greifen. Schließlich gilt die britische Variante als ansteckender.

Peter Möller dazu: "Wir wissen aus unserer Analyse der Daten aus England und Portugal, dass der neue Virustyp um den Faktor 1,35 ansteckender ist. Der effektive R-Wert von Virustyp 1 ist 0,88. Von Virustyp 2 ist es 1,19."

Den höheren Ansteckungsgrad bestätigt auch Virologe Alexander Kekulé von der Uni Halle.
Aber ist die britische Mutante auch tödlicher? Das legen einige Studien aus dem Vereinigten Königreich nahe.

Da ist immer noch ein dickes Fragezeichen dahinter, ob das jetzt biologisch eine Eigenschaft des Virus ist, nach dem Motto 'Wenn ich wirklich damit infiziert werde, habe ich ein höheres Risiko, daran zu sterben.' Das sehe ich noch nicht. Vor allem deshalb, weil in England eben nach wie vor, obwohl diese Variante sich so ausbreitet, die Sterblichkeit an dieser Erkrankung nicht zugenommen hat.

Prof. Alexander Kekulé, Uni Halle

Dennoch ist weiterhin Vorsicht geboten, mahnen die Experten. Wie sich die Zahlen weiter entwickeln, hängt eben auch wieder von Maßnahmen ab.

Eine Hoffnung: Schnelltests. Wenn Menschen früh eine Infektion erkennen, dann können sie sich schneller isolieren.

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