Covid-19 Impfung US-Forscher: Arbeitsbedingungen bei Impfreihenfolge berücksichtigen

Lässt sich ein Job von zuhause aus erledigen, oder bringt er unvermeidbare Ansteckungsrisiken mit sich? Wird dieses Kriterium bei der Impfreihenfolge berücksichtigt, können viele Lebensjahre gerettet werden.

Ampulle und Sritze mit Johnson & Johnson Impfstoff
Bildrechte: imago images/Aviation-Stock

Auch wenn Länder wie Israel, Großbritannien oder die USA schon weiter vorangeschritten sind in ihren Impfkampagnen gegen die Corona-Pandemie – die derzeitige Knappheit von Impfstoff trifft am Ende doch alle und macht überall Überlegungen notwendig, wer zuerst geimpft werden sollte, um vorzeitige Todesfälle zu verhindern, aber auch Ansteckungszahlen zu minimieren.

US-Forscher haben nun in einem neuen Modell durchgerechnet, welche Impfregeln den Schutz der öffentlichen Gesundheit am besten erreichen. Ergebnis: Ältere Arbeitnehmer, die bei ihren Jobs hohen Ansteckungsrisiken ausgesetzt sind, sollten ihre Impfdosen als nächstes erhalten. Im Lauf der Impfkampagne sollte die Reihenfolge aber flexibler gehandhabt und immer wieder angepasst werden.

Arbeitsplatzsituation und epidemiologische Lage vor Ort sollten Impfreihenfolge beeinflussen

Das Team Jack Buckner und Michael Springborn von der University of California in Davis will mit der Simulation eine Gruppe berücksichtigen, die bisher bei Optimierungsmodellen für die Impfkampagnen immer wieder übersehen wurden, die sogenannten "Essential Workers". Gemeint sind hier all diejenigen systemrelevanten Berufe, die nicht im Homeoffice ausgeübt werden können.

Grundsätzlich können durch eine geschickte Priorisierung deutlich mehr Lebensjahre gerettet werden, als ohne eine Impfreihenfolge, schreiben Buckner und Springborn und zwar zwischen 17 und 44 Prozent. In der Simulation konnten die meisten Todesfälle vermieden und die meisten Lebensjahre gerettet werden, wenn Menschen über 60 Jahre mit essenziell wichtigen Jobs zu den ersten 30 Prozent der Bevölkerung gehörten, die eine Impfung erhielten. Wurde das Risiko am Arbeitsplatz in der Rechnung berücksichtigt, verbesserten sich die Ergebnisse deutlich gegenüber Szenarien, die nur das Alter berücksichtigten.

Zudem konnten die Ergebnisse weiter verbessert werden, wenn die Impfreihenfolge zu späteren Zeitpunkten in der Kampagne flexibel angepasst wurde, also wenn der Anteil der Geimpften in der Bevölkerung deutlich gestiegen war. Dann verliere die Einhaltung der Priorisierung ihre Wichtigkeit. Dann sollten Behörden und Ärzte vor Ort entscheiden können, welche Reihenfolge am besten dem jeweiligen Ansteckungsgeschehen einer Region entgegenwirken könne.

Alter, Arbeitsbedingungen und Kontakte

In der Simulation habe sich außerdem gezeigt, dass auch die frühzeitige Impfung von bestimmten jüngeren Arbeitnehmern mit essenziell wichtigen Jobs sinnvoll sei, schreiben die Forscher. Sie haben ihrer Berechnung zu Grunde gelegt, wie stark die Ansteckungsgefahr in bestimmten Berufen ist, wie häufig die Kontakte zu anderen Menschen und wie schwer eine Covid-19 je nach Alter, Geschlecht und sozialem Status verläuft. Zudem berücksichtigten sie die Daten zur Effektivität der Impfstoffe, soweit sie bisher vorliegen.

Außer Acht ließen sie bei der Berechnung die Auswirkungen der Öffnungen oder Schließungen von Schulen, Geschäften und anderen Versammlungsorten bei bestimmten Ansteckungsraten. Das sei nötig, um die Komplexität der Berechnungen überschaubar zu halten. Am Ergebnis dürften diese Faktoren aber nichts Grundsätzliches ändern: Eine dynamisch angepasste Strategie, die die Impfreihenfolge an der epidemiologischen Lage orientiere, optimiere die Ergebnisse für die öffentliche Gesundheit erheblich, so das Fazit der Wissenschaftler.

(ens)

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