Covid-19 50 Prozent weniger Überfälle aber nur 15 Prozent weniger Morde im Lockdown

Forscher haben Kriminalitätsstatistiken für 27 Großstädte weltweit auf die Effekte von Lockdown-Maßnahmen gegen Corona untersucht. Ergebnis: Raubüberfälle haben stark abgenommen, Morde dagegen weniger.

Symbolfoto: Festnahme, Handschellen werden anlegen
Hier klicken die Handschellen (symbolbild): Polizeibehörden weltweit haben einen starken Rückgang der Straftaten während der Lockdown-Anordnungen im Frühjahr 2020 registriert. Bildrechte: IMAGO / Sven Simon

Die von verschiedenen Staaten im März und April 2020 angeordneten Lockdown-Maßnahmen haben nicht nur dem Coronavirus die Verbreitung erschwert. Auch Einbrechern, Dieben und Schlägern hat die Anordnung an alle Menschen, so gut es geht zuhause zu bleiben, die Arbeit erheblich erschwert. Entsprechend sank die Zahl der Delikte in den Kriminalitätsstatistiken. Das zeigt jetzt eine neue Studie im Magazin "Nature Human Behaviour".

Weniger Einbrüche und Fahrzeugdiebstähle

Die Forscher haben insgesamt 27 Großstädte in 23 Ländern untersucht. In Deutschland war Hannover dabei, Europa war außerdem unter anderem mit London, Barcelona und Amsterdam vertreten, daneben Millionen-Metropolen wie Mexiko-City, Chicago und die peruanische Hauptstadt Lima. Bei den Straftaten betrachteten die Wissenschaftler Körperverletzung, Diebstahl, Einbruch, Raub, Autodiebstahl und Mord.

Obwohl es Unterschiede von Stadt zu Stadt und Land zu Land gebe, sei insgesamt ein Rückgang von etwa 37 Prozent bei allen Straftaten feststellbar, schreiben die Autoren der Studie. Am größten waren demnach die Rückgänge bei Raubüberfällen und Diebstählen, hier fielen die Zahlen während des ersten Lockdowns um 46 beziehungsweise 47 Prozent. Fahrzeugdiebstähle nahmen um 37 Prozent, Einbrüche um 28 Prozent ab. Am geringsten war der Rückgang bei Mord, hier gingen die Taten nur um 14 Prozent zurück.

Organisiertes Verbrechen weniger stark von Lockdown betroffen

Insgesamt sei der Rückgang der Straftaten eng verknüpft damit, wie stark die Bewegungsfreiheit in öffentlichen Räumen eingeschränkt worden sei, schreiben die Autoren. Die geringeren Rückgänge bei Morden seien durch mehrere Faktoren erklärbar. So passierten die meisten Morde im häuslichen Kontext von Beziehungen und Familien und seien somit durch die Anordnung zuhause zu bleiben nicht berührt. Andererseits seien Morde häufig mit organisiertem Verbrechen, etwa Gang-Konflikten oder Drogenschmuggel verknüpft. Diese Aktivitäten seien möglicherweise durch den Lockdown weniger stark eingeschränkt worden, vermuten die Forscher.

(ens)

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