Impfstoff-Forschung Corona-Impfstoff: Nasenspray statt Spritze

In Israel wurde ein Nasenspray zugelassen, das bis 99 Prozent aller Viren – und damit auch Coronaviren – abtöten soll. Nasensprays werden nicht nur als Virenblocker entwickelt, sondern auch für dauerhafte Impfungen gegen das Coronavirus. Auch in Deutschland wird dazu geforscht. Wie weit ist die Forschung hier und wie wirken die Stoffe?

Ein Mädchen bekommt Nasespray verabreicht 3 min
Bildrechte: imago/ZUMA Press

Beim Stichwort Impfung denken wir meist an einen Piks in den Arm oder Oberschenkel. Aber es gibt auch Impfungen, die über Nasensprays verabreicht werden. Seit 2012 ist zum Beispiel eine Grippeimpfung für Kinder und Jugendliche zugelassen, die so verabreicht wird. Das spart nicht nur Tränen, denn nasale Impfstoffe haben viele Vorteile. Auch bei Covid-19 könnten sie daher eine wichtige Rolle spielen.

Die Handhabung ist wesentlich einfacher – und damit wären die Nasensprays auch gerade in weniger entwickelten Gegenden flächendeckend einsetzbar. Aber nicht nur die Anwendung, auch die Wirkungsweise unterscheidet sich. Professor Ulrich Lauer von der Uniklinik in Tübingen entwickelt zusammen mit einer Forschungsgruppe rund um die Uni Tübingen und dem Max-Planck-Institut in Martinsried den nasalen Covid19-Impfstoff "vir4vac". Er sagt:

Die bisher zugelassenen Impfstoffe werden intramuskulär verabreicht. Die bauen einen Schutz in erster Linie im Körperinneren. Das Sars-Cov-2-Virus dringt über die Atemwege in uns ein. Das ist ein sogenanntes respiratorisches Virus. Was man zuerst schützen muss, sind eigentlich unsere Atemwege.

Prof. Ulrich Lauer, Uni Tübingen

Ihr Impfstoff wirkt also genau dort, wo auch das Coronavirus als erstes angreifen würde, so Lauer. Das macht die Impfung viel effektiver und sicherer. Aber der entscheidende Vorteil liegt darin, dass bereits geimpfte Menschen nicht mehr ansteckend wären. Die Forschungen in Tübingen laufen gut – aber das Mittel kommt den Forschern zufolge wahrscheinlich erst in zwei bis drei Jahren auf den Markt.

In Dresden wird auch an einem Spray-Impfstoff geforscht

Auch in Dresden wird an einem nasalen Covid-19-Impfstoff gearbeitet. Hier ist man schon einen Schritt weiter. Es fehle noch das Geld, aber dann könnte die klinische Studie bereits beginnen, sagt Prof. Jacques Rohayem. Das heißt, im nächsten Jahr könnte das Vakzin zugelassen werden. Professor Rohayem ist Geschäftsführer des Unternehmens riboxx und Virologe aus Dresden. Der Impfstoff wird hier zusammen mit der Tudag-Holding der TU Dresden, einem Unternehmen aus Konstanz und einem Professor für Vakzinologie aus den USA entwickelt, und er soll nach einem bislang weltweit einzigartigen Prinzip funktionieren, das auf zwei Komponenten basiert: Die eine ist ein Eiweiß vom Virus und die zweite ein Impfstoffverstärker. Durch den Impfstoffverstärker wird die sogenannte angeborene Immunität aktiviert, erklärt Professor Rohayem. Dabei werden ihm zufolge Immunzellen unabhängig von einem Virus aktiviert.

Ein freundlicher Mann mittleren Alters blickt in die Kamera. Es ist der Medzin-Professor, Virologe und Unternehmensgründer Prof. Dr. Jacques Rohayem, der an einem Corona-Impfstoff als Nasenspray forscht.
Medizin-Professor, Virologe und Unternehmensgründer Prof. Dr. Jacques Rohayem forscht an einem Corona-Impfstoff als Nasenspray. Bildrechte: ribboxx GmbH

So genau, dass sie eine Wirksamkeit haben ohne Nebenwirkungen. Im zweiten Schritt fängt die Immunantwort gegen diese viralen Bestandteile des Eiweißes an. Dann hat man die sogenannte angepasste Immunität, die Antikörper bildet. Das Neuartige an unserem Impfstoff ist, dass man einen sofortigen Schutz hat. Das haben alle anderen Impfstoffe nicht.

Prof. Jacques Rohaye, riboxx

Die Impfung aus Dresden wäre damit wesentlich weniger anfällig gegen Mutationen. Und der Wirkverstärker könnte auch endlich die jährliche Grippeimpfung überflüssig machen, da es dann eine für alle geben könnte. Etliche tränenreiche Impfpikse weniger – klingt doch eigentlich gut.

3 Kommentare

Niel Puesch vor 15 Wochen

Es ist wäre ungemein schrecklich und eine über das Gewöhnliche hinausgehend entsetzliche Vorstellung, daß bei Auftauchen eines solchen Sprays, etwa in der BRD, die hohe Bedeutung wichtigtuerischer Impfstoffbeschaffer leiden könnte. Wie es mich graut, wenn ich nur in die geistige Nähe eines solchen Gedankens gerate. Ich leide unsäglich.

Senator vor 17 Wochen

Seit kurzem in Großbritannien erhältlich ist ein antivirales Nasenspray (https://viraleze.co/) der australischen Firma Starpharma, welches SARS-CoV-2 laut Studien zu 99,9% inaktiviert. So lange wir den Impfstoffen in Deutschland hinterherrennen und noch viele Monate damit zu tun haben, wäre das Spray sicher eine gute Ergänzung zu Masken und Co.
Wo ist der Weitblick und die Offenheit für vorhandene Alternativprodukte in dieser schwierigen Zeit?

adler123 vor 17 Wochen

Ja, in den fortschrittlichen Ländern wird das Spray erfolgreich benutzt. Aber in dem Entwicklungsland Deutschland dauert es eben noch einige Jahre.