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Studie Uniklinik Halle

RESTART-19: Menschen sind bereit bei Konzert Maske zu tragen

von Annegret Faber

Stand: 29. Oktober 2020, 05:00 Uhr

Die Studie "Restart 19" soll Richtlinien vorgeben, wie auch während einer Pandemie Großveranstaltungen in einer Halle stattfinden können. Die Daten basieren auf einer Konzertsimulation von Forschern der Uniklinik Halle, die im August in Leipzig stattfand. Am Mittag werden die Ergebnisse bekannt gegeben. Ein Ergebnis hat MDR Wissen exklusiv erfahren.

Konzerte, Theaterbesuche, Sport in der Halle – das sind alles Veranstaltungen, die wir momentan nur begrenzt oder gar nicht besuchen können. Ab wann das wieder möglich wird, kann derzeit niemand sagen. Vielleicht im Frühjahr? Der Musiker Tim Bendzko hofft, dass es schon vorher möglich sein wird: "Das ist so ein Feld, das erstaunlicherweise bei all den Förderprogrammen, die gerade starten, ignoriert wurde." So als sei Kultur nicht systemrelevant. Doch der Sänger und Songwriter glaubt, dass die Geschichte gezeigt habe, dass in schweren Zeiten Kultur umso wichtiger werde für die Menschen.

So sieht das auch die Medizinische Fakultät der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg. Über den Inhalt der Studie "Restart 19" schreiben die Wissenschaftler aus Sachsen-Anhalt: "Dieses Projekt ist von Nutzen für Sportler, Künstler, Kulturschaffende und Veranstalter von Sport-und Kulturveranstaltungen" Es gehe dabei auch um Zulieferer und Servicekräfte. Denn "diese sind durch das Verbot von Großveranstaltungen in ihrer Existenz bedroht".

Weltweit einzigartiges Experiment in Leipzig

Stefan Moritz ist Leiter der Klinischen Infektiologie an der Uni-Klinik Halle. Bildrechte: Universitätsmedizin Halle/S.

Die Forscher des Uniklinikums Halle wollten Lösungen anbieten und starteten Ende August ein weltweit einmaliges Experiment. Sie simulierten ein Konzert. Tim Bendzko spielte seine Musik. 1.600 Konzertbesucher kamen. 4.000 hatten sich die Forscher gewünscht. Aber auch 1.600 "sind genug", sagte damals Studienleiter Dr. Stefan Moritz. "Wir haben, als wir die Studie geplant haben, natürlich auch diskutiert, was machen wir, wenn weniger kommen."

Die Räume wurden verkleinert, die Wege eingeschränkt, so dass der Abstand zwischen den Gästen proportional derselbe blieb. Die Probanden bekamen Masken, Desinfektionsmittel und Messtechnik und der Forscher Moritz wurde zum Showmaster. Auf der Bühne der Arena Leipzig erklärte er, was das Publikum tun soll: "Ihr geht jetzt mal da rüber. Es ist immer ein Sitzplatz frei, einer besetzt. Zusätzlich werden wir euch in der Mitte teilen."

Auswertung der Daten abgeschlossen

Musiker Bendzko spielte an diesem Abend dreimal in der Arena: Einmal ein Konzert ohne jegliche Vorgaben. Dann eines mit einem Hygienekonzept und das dritte mit weniger Gästen. Währenddessen wurde der Abstand zwischen den Personen gemessen, ihre Wege erfasst, welche Flächen sie berührten. Parallel starteten die Forscher eine Computersimulation, um zu erfahren, wie sich die Aerosole in der Halle verteilen.

Nun ist nach zwei Monaten die Auswertung der Daten abgeschlossen. Die MDR Wissen Redaktion erfuhr im Vorfeld von Studienleiter Moritz, dass die wenigsten Probanden mit der Maske ein Problem gehabt hätten: "Der überwiegende Teil der Menschen ist wirklich bereit, während einer Veranstaltung eine Maske zu tragen." Knapp 90 Prozent hätten angegeben, dass sie bei einer Veranstaltung die ganze Zeit einen Mund-Nasen-Schutz tragen würden.

Das hätte den Leiter der Klinischen Infektiologie an der Uni-Klinik Halle nicht überrascht. Schließlich seien zu diesem Konzert vor allem Gäste gekommen, die gerne wieder Großveranstaltungen erleben möchten. Eine Maske nehmen sie dann gerne in Kauf. Die kompletten Ergebnisse der Studie werden am Donnerstagmittag veröffentlicht.

MDR Aktuell

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