Covid-19 Booster Impfung: Geboosterte weniger ansteckend bei Omikron Durchbruch

Dreifach Geimpfte verbreiten laut einer neuen Studie bei einem Omikron-Durchbruch weniger ansteckende Viren. Die Booster-Impfung schützt demnach nicht nur den Einzelnen, sondern auch die Gesellschaft.

Ein Mand trägt eine Corona-Schutzmaske, vor die er sich eine Hand hält, weil er husten muss.
Geboosterte scheiden bei einem Omikron-Durchbruch weniger ansteckende Viren aus als zweifach Geimpfte. (Symbolbild) Bildrechte: imago images/YAY Images

Gegner einer Corona-Impfpflicht argumentieren immer wieder, die Impfstoffe könnten höchstens den Einzelnen vor schweren Krankheitsverläufen schützen. Die Verbreitung des Virus in der Gesellschaft bremsten sie angesichts der vielen Impfdurchbrüche seit Omikron aber nicht. Damit entfalle ein wichtiges Argument für eine Impflicht, denn ein rein individueller Schutz sei zu wenig, um den Eingriff in die Grundrechte zu rechtfertigen.

Doch die Grundlage für diese Argumentation gerät angesichts einer neuen Arbeit des Teams um die Schweizer Virologen und Impfstoffforscher Pauline Vetter, Isabella Eckerle und Benjamin Meyer wieder ins Wanken. Die Forschenden der Universität Genf haben seit Beginn der Pandemie Abstriche von Patienten mit Symptomen gesammelt und mit Hilfe von angezüchteten Viren in Zellkulturen verglichen, welchen Einfluss welche Impfung auf die Ausscheidung infektiöser Viren hat. Und diese in "Nature Medicine" veröffentlichte Studie zeigt nun: Wer dreifach geimpft ist, also den Booster hat, gibt bei einem Omikron-Impfdurchbruch deutlich weniger ansteckende Viren an seine Umgebung ab.

Kaum Unterschiede bei Zahl der Infektionen mit niedriger Viruslast

Das Forscherteam traf für seine Analyse eine Auswahl von insgesamt 565 Abstrichproben, die bei Covid-19-Patienten innerhalb von fünf Tagen nach Beginn der Symptome genommen worden waren. 118 Proben stammten von Infektionen mit einer der ersten Varianten der Pandemie. 293 Patienten waren mit Delta infiziert gewesen, davon waren 127 ungeimpft, währen 166 Patienten einen Impfdurchbruch nach zweifacher Impfung erlebt hatten. Von den 154 Omikron-Infizierten waren 33 ungeimpft, 91 zweifach geimpft und 30 hatten bereits den Booster erhalten.

Die Forschenden hatten diese Proben aus einer noch größeren Stichprobe ausgewählt. Kriterium dafür war, dass ein PCR-Test in der Probe Viruserbgut innerhalb der ersten 27 Durchläufe finden konnte, der sogenannte Ct-Wert damit bei maximal 27 lag. Bei höheren Werten seien die dann folgenden Tests nicht mehr aussagekräftig, schreiben die Autoren. Zudem sei der Anteil von Proben mit Ct-Werten über 27 quer über alle Varianten hinweg relativ konstant geblieben, er lag immer zwischen 17,6 und 21,4 Prozent der Patienten.

Alle Patienten hatten milde Symptome

Bei den mit den Ursprungsvarianten infizierten Personen gab es dabei keine Geimpften, da zu dieser Zeit noch keine Impfstoffe verfügbar waren. Als geimpft beziehungsweise geboostert wiederum wurde nur gezählt, bei wem zwischen letzter Impfdosis und Diagnose mindestens 14 Tage lagen. 274 der 287 Geimpften hatten einen mRNA-Imfpstoff von Moderna oder Biontech erhalten, den Übrigen seien Astrazeneca, russische oder chinesischen Vakzinen geimpft worden. Alle Infizierten hätten zum Zeitpunkt der Probenentnahme nur milde Symptome gehabt. Der spätere Krankheitsverlauf sei nicht erfasst worden.

Mit den ausgewählten Proben führten die Forschenden anschließend eine Virusanzucht in Zellkultur durch. Der Verlauf dieser Anzucht könne bessere Aussagen liefern zur Frage, wie ansteckend Infizierte in Wirklichkeit seien. Die Daten aus diesen Tests nutzte das Team für den Vergleich der Viruslast zwischen verschiedenen Virusvarianten und unterschiedlichen Impfstadien.

Omikron: Booster-Impfung senkt Menge ansteckender Viren deutlich

Die Beobachtungen lieferten teilweise überraschende Ergebnisse: Die Infizierten der ersten beiden Coronawellen, die sich mit den ersten Varianten angesteckt hatten, gaben deutlich weniger ansteckende Viren ab als Ungeimpfte, die sich mit Delta infiziert hatten. Allerdings konnte eine zweifache Impfung die Menge ansteckender Viren bei Delta erheblich reduzieren und deutlich unter das Level von ungeimpften Infizierten senken.

Bei Omikron war das Bild anders. Hier konnten die Forscher zwischen Ungeimpften und zweifach Geimpften praktisch keine Unterschiede in Bezug auf die Menge infektiöser Viren feststellen. Erst eine Booster-Impfung reduzierte die Menge ansteckender Viren bei einem Omikrondurchbruch deutlich.

Interessanterweise waren die gemessenen Mengen ansteckender Viren bei Omikron niedriger als bei Delta, obwohl die Ergebnisse der PCR-Tests bei beiden Varianten ähnlich waren. Auch nahmen die Infektiosität der Omikron-Viruspartikel in der Zellkultur innerhalb der ersten fünf Tage nach Symptombeginn relativ rasch ab, während das im PCR-Tests gemessene Viruserbgut aber hoch blieb. Die Forscher vermuten, dass diese Daten darauf hinweisen, dass Omikron Zellen auf einem anderen Weg infiziert als Delta.

Keine Unterschiede zwischen Männern und Frauen

Die Autoren schließen aus der Untersuchung: "Unsere Ergebnisse deuten darauf hin, dass Impfstoffe das Übertragungsrisiko senken können und daher einen Nutzen für die öffentliche Gesundheit haben, der über den individuellen Schutz vor schwerer Krankheit hinausgeht." Außerdem seien in dieser Stichprobe kaum Unterschiede in Bezug auf das Geschlecht der Infizierten festgestellt worden, Männer und Frauen waren demnach etwa gleich ansteckend.

(ens)

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88 Kommentare

DermbacherIn vor 15 Wochen

Da es keine Kontaktverfolgung mehr gibt, meldet man seine Infektion doch nur noch, wenn man eine Krankschreibung braucht. Schüler werden nun auch nicht mehr getestet. Natürlich sinken da die Zahlen. Immer noch hört man quasi nichts zu Long-Covid nach Omikron. Gibt es das nicht?

DermbacherIn vor 15 Wochen

Der "Hof Virologe" der Bundesregierung tritt ab, weil ihm die Berichterstattung mancher Medien nicht gefällt. Der Bundesgesundheitsminister springt ihm sofort zur Seite und spricht bei Phoenix von "Bösartigkeit" der Berichterstattung. Ich meine eher, das Ergebnis der Evaluierung der Maßnahmen, die auch von Drosten immer vehement verteidigt wurden, wäre sehr negativ ausgefallen.
Auch in Anbetracht der Tatsache, dass der Professor hier von anderen Mitgliedern höchst wahrscheinlich massiv "Gegenwind" erhalten hat.

DermbacherIn vor 15 Wochen

Eine wissenschaftliche Initiative in Österreich warnt demnach davor, dass mit dem Abkommen „die WHO nicht mehr wie bisher Empfehlungen für die Regierungen der Mitgliedsländer abgibt, sondern Entscheidungen trifft, die als Gesetze gelten“ würden. Das „Abkommen zur Pandemievorsorge“ würde eine Umgehung von demokratischen Institutionen bedeuten, denn die WHO selbst sei nicht demokratisch legitimiert. Letzterem kann man zustimmen, wenn Häring schreibt, dass laut wissenschaftlichem Dienst des Bundestags nur etwa 20 Prozent der Mittel der WHO-Pflichtbeiträge seien – 80 Prozent seien dagegen meist zweckgebundene Spenden von Stiftungen, Konzernen, Regierungen und anderen.