Covid-19 Corona-Impfung für Schwangere und Stillende: Wahrscheinlich sinnvoll

US-Medizinerinnen argumentieren im Fachblatt JAMA für eine Impfung für Schwangere und stillende Mütter. Dass die Impfstoffe nicht an ihnen getestet wurden, hat vor allem rechtliche Gründe.

Schwangere bekommt eine Corona Impfung
Pharmaunternehmen fürchten in den Studien an neuen Medikamenten und Impfstoffen verklagt zu werden, wenn es bei un- oder neugeborenen Kindern zu Nebenwirkungen kommt. Deshalb werden Schwangere meist aus den klinischen Versuchen ausgeschlossen. (Symbolfoto) Bildrechte: IMAGO / Panthermedia

Corona kann durchaus zur Gefahr für werdende Mütter und ihre ungeborenen Kinder werden. Studien mit Frauen, die wegen Covid-19 in Kliniken behandelt werden, zeigen: Bei einer schweren Erkrankung ist das Risiko einer Früh- oder Fehlgeburt um bis zu 60 Prozent erhöht. Die US-Medizinerinnen Emily Adhikari und Catherine Spong argumentieren im Journal der amerikanischen Vereinigung für Medizin (JAMA) deshalb dafür, dass sich auch Schwangere und stillende Frauen gegen Corona impfen lassen.

Schutz durch Impfung für Mütter und Babys bei Grippe und Keuchhusten

Emily H. Adhikari, M.D.
Emily H. Adhikari Bildrechte: UT Southwestern Medical Center

Grundsätzlich sind Impfungen auch während einer Schwangerschaft sinnvoll, schreiben die Autorinnen und verweisen auf Grippe- und Keuchhusten-Vakzine. In beiden Fällen seien die nützlichen Effekte gut belegt. So konnte eine Studie mit rund 3.700 Schwangeren in Nepal zeigen: Die Grippe-Schutzimpfung reduzierte die grippeartigen Erkrankungen um 19 Prozent. Zudem brachten geimpfte Mütter 15 Prozent seltener Kinder mit Untergewicht auf die Welt. Auch die Säuglinge erkrankten zu 30 Prozent seltener an Influenza.

Noch deutlicher seien die Effekte beim Keuchhusten. Dort zeigte eine Studie mit 75.000 Eltern-Kind-Paaren: Eine Impfung in der Schwangerschaft reduzierte einen Keuchhusten bei den Babys um 85 Prozent. Seit 2012 wird diese Impfung daher empfohlen.

Problem vor allem rechtlicher Natur

Grundsätzlich gehe auch von dem neuen Impfprinzip mRNA wenig Gefahr für Schwangere und ihre Föten aus. Auch schon vor den Corona-Impfstoffen sei die Sicherheit dieser Plattformen bereits in klinischen Studien gegen Krebs oder gegen das Zika-Virus belegt werden. Unklar sei lediglich, wie gefährlich die Hülle um die Impf-mRNA für die Kinder werden könne. Diese besteht aus Nanofettpartikeln und löst bei etwa einem von 100.000 Geimpften schwere allergische Reaktionen aus. Nach bisheriger Datenlage sind davon vor allem Frauen betroffen. Adhikarie und Spong halten es aber für wenig wahrscheinlich, dass diese Moleküle das Kind im Mutterleib erreichen, da die Impfstoffe meist bereits im Muskelgewebe abgebaut würden.

Das Hauptproblem liege vielmehr darin, dass Schwangere und Stillende nicht in die klinischen Studien eingeschlossen worden seien. Dadurch gebe es keine belastbaren Daten zu theoretisch vorhandenen Risiken, weshalb sich große medizinische Vereinigungen scheuten, Empfehlungen für eine Impfung von Schwangeren auszusprechen. Der Ausschluss aus den klinischen Studien wiederum liege an einem ungeklärten Rechtsproblem: Wer haftet für eventuelle Schäden bei den Neugeborenen? So lange hier die Risiken von Klagen nicht klar abgesichert seien, würden Impfstoffhersteller weiter zurückweichen, glauben die Autorinnen. Das sei für viele neue Pharmaprodukte gut belegt.

Catherine Y. Spong
Catherine Y. Spong Bildrechte: UT Southwestern Medical Center

Empfehlungen dafür und dagegen

Die Weltgesundheitsorganisation WHO riet aufgrund der fehlenden Daten zunächst explizit von einer Impfung für Schwangere ab. Inzwischen wurde das relativiert: Wer ein hohes Risiko durch Vorerkrankungen trage und sich aufgrund seines Berufs leicht anstecken könne, solle Nutzen und Risiken der Impfung mit seinem Hausarzt besprechen. In Deutschland hat die Gesellschaft für Perinatale Medizin eine Stellungnahme veröffentlicht, in der sie Schwangeren und Frauen mit Kinderwunsch die Impfung gegen Sars-CoV-2 empfiehlt. "Insbesondere Schwangeren mit Vorerkrankungen, einem hohen Risiko für einen schweren Verlauf von COVID-19 oder hohem Expositionsrisiko gegenüber einer Sars-CoV-2-Infektion kann die Impfung angeboten werden", heißt es in der Erklärung.

Emily Adhikari und Catherin Spong wiederum raten behandelnden Hausärzten, ihre Patientinnen über Nutzen und theoretische Risiken einer Impfung aufzuklären und den Frauen so eine informierte Entscheidung zu ermöglichen.

(ens)

1 Kommentar

Wachtmeister Dimpfelmoser vor 31 Wochen

Die Anzahl der Schwangeren in der Gruppe der über Achtzigjährigen dürfte sich in Grenzen halten.