Kreuzfahrtschiff Diamond Princess: Alle Coronafälle aus einer Quelle

Forscher haben die Coronaviren auf dem Kreuzfahrtschiff Diamond Princess analysiert, das im Februar im Hafen von Yokohama unter Quarantäne gestellt wurde. Alle Covid-19-Fälle an Bord hatten demnach eine Quelle.

Kreuzfahrtschiff Diamond Princess verlässt den Hafen von Yokohama
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Der Urlaub endete mit 712 Covid-19-Patienten, von denen sechs an der Krankheit starben: Die Kreuzfahrt der Diamond Princess verlief wohl ziemlich anders, als sich das die 2.666 Passagiere und 1.045 Crewmitglieder beim Ablegen vorgestellt hatten. Das Schiff, das im Januar im Indischen und Pazifischen Ozean unterwegs war, stellt eines der ersten großen Corona-Cluster außerhalb Chinas dar. Nun haben japanische Forscher das Erbgut aus den Proben von Bord genauer untersucht. Daraus ziehen sie den Schluss, dass offenbar eine einzige Quelle das Sars-Coronavirus-2 an Bord gebracht hat, wo es sich direkt nach Beginn der Fahrt verbreitete.

Alle Covid-19-Fälle an Bord stammten von einer Quelle ab

Entdeckt wurden die Coronafälle durch einen 88-Jährigen, der am 25. Januar in Hong Kong von Bord gegangen und am 1. Februar positiv auf Corona getestet worden war. Das Kreuzfahrschiff wurde daraufhin am 3. Februar in seinem Heimathafen im japanischen Yokohama unter Quarantäne gestellt. Erst zwei Wochen später durften die ersten Passagiere von Bord, die letzten hatten es am 1. März verlassen. Die Durchführung der Quarantänemaßnahmen wurde anschließend von zahlreichen Medien als chaotisch kritisiert. Wissenschaftler um Tsuyoshi Sekizuka vom nationalen Institut für Infektionskrankheiten in Japan berichten jetzt allerdings, dass die Maßnahmen wohl relativ erfolgreich waren.

In den Proceedings of the National Academy of Sciences (PNAS) berichten die Forscher, dass alle untersuchten Virenproben von der Diamond Princess ein spezifisches genetisches Merkmal aufwiesen. Das legt die Vermutung nahe, dass es für die Coronafälle an Bord nur eine Quelle gab. Allerdings erfolgten nicht alle Ansteckungen zur gleichen Zeit. Anhand kleinerer Mutationen identifizierten die Forscher mehrere Untercluster.

Superspreading begann direkt zu Beginn der Kreuzfahrt

Die japanischen Wissenschaftler analysierten für ihre Studie Proben von insgesamt 869 Personen. Von denen brachte ein PCR-Test auf Sars-CoV-2 148 positive Ergebnisse. Die Infektionsrate lag damit bei 16,4 Prozent, ähnlich der, die die abschließenden PCR-Tests an allen Passagieren am Ende der Quarantäne ergaben.

Laut der Analyse gehörten 29 Proben zum Subcluster DP-A. Die Forscher schreiben, dass dieses Cluster höchstwahrscheinlich den Beginn der Infektionen an Bord darstellt. "Es ist gut möglich, dass das Superspreading direkt begann, als das Virus an Bord gebracht wurde, noch vor Beginn der Quarantäne am 3. Februar", schreiben die Wissenschaftler in ihrer Studie.

Bewegungseinschränkungen reduzierten Ansteckungsrate drastisch

Die Quarantäne habe demnach wahrscheinlich weitere größere Ausbrüche an Bord verhindert. Es hätten sich lediglich ein paar kleinere Folgecluster gezeigt, etwa DP-B (5 Fälle) und DP-C (6 Fälle). Sie seien durch verborgene Verbindungen zustande gekommen. Wahrscheinlich hätten mehrere Personen am gleichen Tisch gegessen. Weitere Ansteckungen gab es bei Passagieren, die sich mit Infizierten eine Kabine teilten. 33 Fälle waren keinem Cluster zuzuordnen.

Offenbar gab es keine örtlich begrenzten Zonen der Covid-19 Ausbreitung an Bord. Alle Patienten seien über die 18 Decks an Bord verteilt gewesen, schreiben die Autoren. Sie vermuten deshalb, dass die Ansteckungen bei Veranstaltungen in den Freizeitbereichen abliefen, etwa beim Tanzabend, beim gemeinsamen Singen, aber auch beim Einkaufen und bei Vorführungen. Die Infektionen hätten ihren Höhepunkt zwischen dem 2. und dem 4. Februar erreicht, also um den Beginn der Quarantäne herum. Alle späteren Fälle betrafen vor allem Besatzungsmitglieder. Das zeigt laut den Autoren, dass die Bewegungsbeschränkungen für die Passagiere erfolgreich waren, um die Ansteckungsrate zu reduzieren.

(ens)

1 Kommentar

Quentin aus Mondragies vor 17 Wochen

Interessant. Die momentanen Regeln zum Ablegen von Mundschutz in geschlossenen Räumen scheint unzureichend. Ich spekuliere Mal, dass beim Sprechen die Viren bis 5 Meter fliegen. Damit gehört ein Lehrer hinter Plexiglas und Kinder haben im Unterricht einfach die Klappe zu halten. Klingt nach einer Win-Win Situation.