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Jede Reinfektion mit Sars-CoV-2 erhöht unter anderem das Risiko von Schäden an den Atemorganen wie der Lunge. Bildrechte: imago images/kirstypargeter

CoronaCovid-19: Jede weitere Reinfektion steigert Risiko von Folgeerkrankungen

30. Juni 2022, 16:22 Uhr

Viele Experten erwarten, dass wiederholte Reinfektionen mit Sars-CoV-2 immer milder verlaufen. Eine noch nicht begutachtete Studie zeigt jetzt aber: Auch das Risiko von Folge-Erkrankungen wie Long Covid steigt.

Spätestens seit Auftauchen der Omikron-Welle ist klar: Man kann Corona trotz Impfung bekommen und zwar auch durchaus mehrfach. Aber ist das der normale Gang der Dinge bei einem Virus, das die Atemwege befällt und kein Grund zur Besorgnis, weil die Infektion von Mal zu Mal harmloser wird, wie manche Experten glauben? Oder ist das steigende Reinfektionsrisiko doch ein Grund zur Besorgnis?

Die zweite Meinung erhält jetzt Unterstützung von einer noch nicht begutachteten Studie, bei der sich Forscher das Risiko diverser Folgeerkrankungen angesehen haben, je nachdem, wie oft Betroffene mit Sars-CoV-2 infiziert waren. Klares Ergebnis der Untersuchung: Das Risiko, Schäden an Herz und Lunge zu erleiden oder Long Covid-Symptome wie Fatigue zu bekommen, steigt mit jeder weiteren Ansteckung.

Covie-19: Rund 12 Prozent der Untersuchten waren bereits zwei Mal angesteckt

Das Team um Ziyad Al-Aly von der Washington University hat Daten der Krankenkasse der Veteranen der US-Armee ausgewertet. Dabei handelt es sich nach Angaben der Autoren um das größte US-Gesundheitssystem. Allerdings sind 90 Prozent der in den Datensätzen enthaltenen Versicherten Männer, Frauen daher deutlich unterrepräsentiert.

Die Wissenschaftler filterten schließlich 257.427 Personen heraus, die eine bestätigte Corona-Infektion hatten. Davon hatten 36.417 (12 Prozent) zwei Mal Covid-19 gehabt, 2.263 (0,76 Prozent) drei Mal und 246 (0,08 Prozent) sogar vier Mal oder noch öfter. Dann untersuchten die Forscher die Zahlen verschiedener Folgeerkrankungen in den sechs Monaten nach der Diagnose und verglichen sie mit der jeweiligen Häufigkeit in einer Gruppe von 5,4 Millionen nicht infizierten Personen.

Mehrfach Infizierte haben ein doppelt so hohes allgemeines Sterberisiko

Gegenüber den nur einmal Infizierten verdoppelte sich demnach das allgemeine Sterberisiko und betraf in der Gruppe der mindestens zwei Mal Angesteckten rund 23,8 von 1.000 Personen. Das Risiko, in ein Krankenhaus eingewiesen zu werden, stieg um das Dreifache (95,5 Personen pro 1.000). Auch Schäden an Atemorganen oder dem Herz-Kreislauf-System traten doppelt so häufig bei den Reinfizierten auf, ebenso kam es häufiger zu Diabetes-Diagnosen oder Fatigue, psychischen Problemen, Verdauungsstörungen oder anderen Symptomen von Long Covid.

Am stärksten seien diese Probleme während der akuten Krankheitsphase aufgetreten. In vielen Fällen seien sie aber auch noch sechs Monate nach der Reinfektion feststellbar gewesen. Das Risiko stieg mit jeder Reinfektion. "Es gab einen graduellen Zusammenhang, das bedeutet, das Risiko nachteiliger gesundheitlicher Folgen nahm mit der Zahl der Infektionen zu", schreiben die Autoren.

Long Covid Risiken steigen mit Reininfektionen auch bei Geimpften

Eine Impfung kann laut den Autoren indes nicht das Risiko von Folgeerkrankungen bei Reinfektion verringern. Das steigende Risiko zeigte sich sowohl bei Ungeimpften, als auch bei Geimpften und sogar Geboosterten.

Links/Studien

(ens)