Covid-19 BA.5-Booster zugelassen - Probleme bei der Auslieferung der BA.1-Booster

Seit Montag (12.9.) sind in Europa die Booster gegen die Omikron BA.5 Variante zugelassen. In Deutschland läuft derweil noch die Auslieferung der BA.1 Booster an die Arztpraxen. Allerdings kommt es zu Verzögerungen-

Eine Frau mit Mundschutz zieht eine Impfspritze auf.
Die an die Omikron-Variante angepassten Impfstoffe sollen ab Montag (5. September) in Deutschland ausgeliefert werden. Bildrechte: IMAGO/Koen van Weel

Nach Empfehlung des Expertenausschusses der Europäischen Arzneimittelagentur EMA hat die EU Kommission den Weg einen weiteren an die Omikron-Variante angepassten Corona-Impfstoff freigemacht. Am Montag (12. September) ließ sie das an die BA.5 Variante angepasste, bivalente Vakzin von Biontech/Pfizer zu. Wann diese Impfstoff-Version in Deutschland eintrifft, ist aber noch nicht bekannt.

Schon Anfang September waren die ersten beiden an Omikron BA.1 angepassten bivalenten mRNA-Impfstoffe von Moderna und Biontech/Pfizer genehmigt worden. Beide Impfstoffe enthalten dann neben der bereits bisher verabreichten Erbinformation für das Spikeprotein der Ursprungsvariante noch eine RNA für das mutierte Spike der Omikron BA.1 Variante.

Auslieferung der Omikron BA.1 Impfstoffe stockt

Seit dem 5. September können Hausarztpraxen in Deutschland den BA.1 Booster bestellen. Allerdings kommt es laut der Kassenärztlichen Vereinigung zu Lieferproblemen. So erhalten Arztpraxen in der laufenden Woche wohl weniger Impfdosen als ursprünglich geplant. Demnach sollen erst ab 19. September ausreichend Dosen bereitstehen.

Seit dem sechsten September können die Hausärzte auch den Totimpfstoff von Valneva bestellen. Die Auslieferung habe bereits begonnen, teilte der österreichisch-französische Hersteller mit. Der Impfstoff, der auf in Zellkulturen gezüchteten und abgetöteten Viren der Ursprungsvariante von Sars-CoV-2 beruht, ist für Erwachsene im Alter von 18 bis 50 Jahren zugelassen. Den klinischen Studien zufolge ist er in etwa so wirksam wie der Impfstoff von Astrazeneca, soll aber besser verträglich sein als der Vektorimpfstoff. Die mRNA-Impfstoffe haben eine nachgewiesen stärkere Wirkung.

Omikron-Booster in UK zugelassen

Als weltweit erste Zulassungsbehörde hat die britische MHRA den BA.1-Impfstoff von Moderna bereits zugelassen. Wie das Gesundheitsministerium in London mitteilte, schützt das Präparat mit dem Namen "Spikevax bivalent Original/Omicron" sowohl gegen die ursprüngliche Corona-Variante als auch gegen Omikron. Der Impfstoff biete eine gute Immunreaktion sowohl gegen die Omikron-Subvariante BA.1 als auch gegen das Virus, wie es 2020 im Umlauf war, hieß es in der Mitteilung. Zudem habe eine Forschungsanalyse gezeigt, dass der Impfstoff auch gegen die Omikron-Subvarianten BA.4 und BA.5 Wirkung zeige. Die Nebenwirkungen seien mild, so wie bei dem ersten Moderna-Impfstoff. Ernste Sicherheitsbedenken gebe es keine.

Der Impfstoff soll in UK im Herbst als Booster zur Verfügung stehen. Alle über 50-Jährigen und bestimmte Risikogruppen sollen in Großbritannien von September an eine Auffrischungsimpfung in der einen oder anderen Form erhalten.

Biontech und Moderna: BA.1 Booster wurden bereits produziert

Ursprünglich sollten bereits im Frühjahr Booster-Impfstoffe gegen die Omikron-Variante von Sars-CoV-2 ausgeliefert werden. Allerdings nahm die Abstimmung zwischen den Herstellern der Impfstoffe und den Zulassungsbehörden in den USA und Europa mehr Zeit als geplant in Anspruch. Das inzwischen weiter zu BA.4 und BA.5 mutierte Virus hat dadurch einen kleinen Vorsprung gewonnen. Diesen wollen die Entwickler der Impfstoffe nun wieder einholen.

Bietet ein BA.1 Booster genug Schutz gegen aktuelle Omikron-Varianten wie BA.5?

Aktuell hat Europa den Kauf von 15 Millionen zusätzlichen Dosen zu den bisher bereits bestellten Impfstoff-Mengen beschlossen. Sie sollen angepasste Booster-Dosen sein. Zudem wurde vereinbart, dass noch nicht ausgelieferte Dosen des ursprünglichen Impfstoffs mRNA-1273 nun ebenfalls umgewandelt werden in mRNA.1273.214, einen bivalenten Impfstoff, der sich gegen das Ursprungsvirus und die BA.1 Variante gleichzeitig richtet. Laut Gesundheitsminister Lauterbach habe Deutschland beide Impfstoffe in auskömmlicher Menge besorgt. "Wir werden dadurch auch relativ früh beliefert werden", sagte er bei der Pressekonferenz. Die Impfkampagne könne dann zeitnah stattfinden.

Die erste Welle der Omikronvariante hat vor mehr als neun Monaten begonnen. Inzwischen ist die Virusevolution weiter vorangeschritten. Aktuell dominiert vor allem die Variante BA.5, die ein Abkömmling der zuvor dominierenden BA.2 Variante ist. Diese unterscheidet sich offenbar so stark von BA.1, dass ein Impfdurchbruch mit BA.1 wohl nicht ausreichend vor der Ansteckung mit BA.5 schützt. Zu diesem Ergebnis kommen mehrere Studien aus der Forschungsabteilung von Biontech. Ein Impfdurchbruch mit der enger verwandten BA.2 Variante dagegen bietet wohl schon einigen Schutz vor Ansteckung.

Anpassung der Impfungen: Auf den BA.5 Booster warten?

Moderna Spikevax Impfstoff wird aus einem Kühlschrank entnommen.
Der Corona-Impfstoff von Moderna wird unter dem Namen "Spikevax" vertrieben. Bildrechte: IMAGO / ANP

Allerdings können diese Ergebnisse nicht eins zu eins auf Impfstoffe übertragen werden. Verschiedene Untersuchungen haben bereits gezeigt, dass die Immunreaktion auf die Impfung mitunter stärker ausfällt, als beispielsweise nach einer Infektion ohne oder nur mit schwachen Symptomen. Auch haben die Drittimpfungen mit dem Ursprungs-Impfstoff die Bildung von Antikörpern ausgelöst, die auch gegen spätere Varianten wie Omikron wirksam waren. Ein BA.1 Booster könnte also sehr wohl auch gegen BA.5 einen Gewinn bringen.

Andere Forscher dämpfen die Hoffnungen in die Anpassung der Impfstoffe grundsätzlich ein bisschen. So hatte ein Team verglichen, inwiefern sich die Wirkung der angepassten Impfung im Vergleich zu einer vierten Impfung mit dem ursprünglichen Impfstoff unterschied. In der Studie fielen die verschiedenen Immunantworten nur geringfügig anders aus, wie das Magazin Nature unter Berufung auf die bislang als nicht begutachteter Preprint erschienene Studie berichtet.

Bei den angepassten Impfstoffen handele es sich nicht um eine neue Art von Superschild, vergleiche man sie mit den Impfungen, die man schon hatte, zitiert das Magazin den Impfstoff-Experten John Moore von Weill Cornell Medicine in New York.

Valneva, Sanofi, Novavax: Was ist der Stand bei den anderen Impfstoffen?

Neben den beiden angepassten mRNA-Vakzinen werden im Herbst voraussichtlich weitere Impfstoffe zur Verfügung stehen. Dass Valneva nur für die Altersgruppe 18 bis 50 Jahre zugelassen ist, liegt laut EMA an fehlenden Daten über die Immunreaktion der über 50-Jährigen auf den Impfstoff. Er ist zudem nicht an Omikron angepasst worden.

Sanofi und GSK haben dagegen ihren Proteinimpfstoff bereits an die Beta-Variante angepasst. Beta war die erste Virusmutation, die der Immunantwort etwas ausweichen konnte. Laut den beiden Herstellen ruft ein an Beta angepasster bivalenter Impfstoff auch eine gute Immunreaktion gegen Omikron hervor. Hier gibt es allerdings seit Ende Juni keine Mitteilungen über den Stand von Zulassung und Markteinführung.

Neue Daten dagegen gibt es zum Protein-Impfstoff von Novavax. Eine kleine Untersuchung der Universität des Saarlands zeigte dem Deutschlandfunk zufolge, dass die Novavax-Impfung nur in geringem Umfang die Bildung von wichtigen Killer-T-Zellen anregt. Diese Zellen, die vom Virus infizierte Zellen abtöten, spielen allerdings eine zentrale Rolle beim Schutz vor einem schweren Verlauf. Die Gefahr ist also groß, das Novavax-Geimpfte bei einem Impfdurchbruch viel schwerer erkranken als diejenigen, die eine mRNA-Impfung erhalten haben. Die Studie deckt sich laut DLF mit Ergebnissen aus den USA. Für Novavax bedeuten die Daten einen weiteren Rückschlag. In Deutschland wurde der Impfstoff bislang kaum nachgefragt.

(mit dpa)