Corona Exponenzieller Anstieg von BA.4 und BA.5: Steht Südafrika vor einer neuen Omikron-Welle?

Nach wie vor dominiert die Omikronlinie BA.2 das Infektionsgeschehen in Deutschland. Neue Sublinien wie BA.4, BA.5 und BA.6 und Mischvarianten wie XD, XE, XG und XM werden nur sehr sporadisch registriert. Anders in Südafrika. Das Land steht möglicherweise vor einer neuen Coronawelle.

Symbolbild Covid Variante Omikron
In Südafrika hat offenbar eine neue Omikronwelle begonnen (Symbolbild). Bildrechte: IMAGO / Martin Wagner

Update 13. Juni: Inzwischen ist die fünfte Welle in Südafrika wieder abgeklungen. Nach einem frühen Höhepunkt am 13. Mai gingen die Infektionszahlen rasch wieder zurück. Die offizielle 7-Tage-Inzidenz lag Mitte Juni bei unter 20 neuen Ansteckungen pro Woche und 100.000 Einwohnern. Allerdings ist unklar, wie gut die flächendeckende Erfassung neuer Ansteckungen in dem Land tatsächlich ist.

3.5.2022: In Südafrika hat offenbar eine exponentielle Ausbreitung der neuen Omikron-Unterlinien BA.4 und BA.5 begonnen. Das geht aus einem Newsbeitrag des Nature Magazins hervor, dem Berichte des "Centre of Epidemic Response and Innovations" (Ceri) der Universität Stellenbosch in Südafrika zugrunde liegen. Demnach habe der Anteil von BA.4 und BA.5 an den 500 in der ersten Märzwoche sequenzierten Coronagenomen noch bei 5 Prozent gelegen. Vier Wochen später sei dieser Anteil auf 50 Prozent gestiegen. In einem Tweet stellt der Virologe Christian Drosten fest, dass der R-Wert dieser Varianten derzeit bei 1,5 und damit im Bereich des exponentiellen Wachstums liege.

Mutationen: Bessere Übertragbarkeit und Immunflucht möglich

In Südafrika beginnt aktuell der Herbst und damit steht die Region vor einer möglichen neuen Coronasaison. Professor Tulio de Oliveira von der Universität Stellenbosch, dessen Team die neuen Varianten entdeckt hat, sieht noch keinen Grund wegen der beiden neuen Unterlinien in Panik zu geraten. Noch sei keine Zunahme bei Krankenhauseinweisungen und Todesfällen zu beobachten. Das CERI geht allerdings mit Blick auf den Anstieg positiver Testergebnisse davon aus, dass eine neue Coronawelle begonnen hat.

Es gibt jedoch Hinweise darauf, dass das Spikeprotein der Viren erneut so verändert ist, dass sie bereits aufgebauter menschlicher Immunität ausweichen können. Christian Drosten weist dabei auf die Mutationen L452R und F486V hin. Die erstgenannte hatte bei der Deltavariante zu einer besseren Übertragbarkeit bei Versuchen mit Hamstern geführt. Die zweite stehe mit einem möglichen Immune-Escape in Verbindung.

Nach wie vor kaum BA.4 und BA.5 in Deutschland

Die britische Gesundheitsbehörde UK Health Security Agency hatte bis Anfang April drei BA.4 Fälle in Dänemark und je einen in Schottland und England gezählt. Das Robert Koch-Institut hat für Deutschland bis Ostern keine BA.4 Fälle und nur rund 28 Fälle von BA.5 feststellen können. BA.5 hatte damit lediglich einen Anteil von 0,1 Prozent an den sequenzierten Genomen.

Klar dominierend bleibt hierzulande die Omikron-Variante BA.2, die in der Woche vor Ostern für 96,8 Prozent der Infektionen verantwortlich war. Auf BA.1 entfielen nur noch 2,7 Prozent der Infektionen. Mischlinien, die namentlich mit einem X gekennzeichnet sind, sind laut dem aktuellen RKI-Bericht weiterhin ein Randphänomen. So wurden zwar inzwischen 144 Fälle der XM-Linie gezählt. In der Woche zuvor war die Mischung aus BA.1 und BA.2 noch in 90 Proben aufgetaucht. Andere Rekombinanten wie XE (sieben Proben), XG (drei Proben), XD und XH (je einmal) blieben bislang Einzelfälle.

Forscher warnen vor Reisebeschränkungen für Südafrika

Die Forschenden in Südafrika warnten davor, nun erneute Reisebeschränkungen gegen das Land zu verhängen. Diese hätten in der Vergangenheit enorme wirtschaftliche Schäden angerichtet, die Ausbreitung neuer Varianten aber kaum eingedämmt. Würde Südafrika nun erneut abgeriegelt, müsse sich die dortige Forschung in der Zukunft gut überlegen, ihre Erkenntnisse über neue Coronavarianten mit der Welt zu teilen, heißt es in der Mitteilung von Ceri.

Unklar ist zudem, ob die erstmal in Südafrika festgestellten Varianten überhaupt von dort kommen. Die Virusvariantenüberwachung des Landes gilt als eine der besten weltweit. Damit ist Südafrika möglicherweise nur der Ort der Entdeckung, nicht aber die Quelle der neuen Ausbreitung.

(ens)