Immunreaktion Sinusvenenthrombose nur durch Vektorimpfung – keine Autoantikörper durch Covid-19

Die mitunter tödlich verlaufenden Thrombosen nach einer Coronaimpfung wurden allein durch Vektorimpfstoffe von Astrazeneca und Johnson & Johnson verursacht. Infektionen oder mRNA-Impfungen können ausgeschlossen werden.

Durch Blutplättchen verklumptes Blut (Illustration)
Weiß dargestellte Blutplättchen binden rote Blutkörperchen, dadurch entsteht ein Blutklumpen. (Computergrafik). Bildrechte: IMAGO / Science Photo Library

Im Frühjahr 2021 hat eine schwere Nebenwirkung nach einer Covid-19-Impfung für große Verunsicherung gesorgt. Rund 70 Menschen in Deutschland erlitten eine schwere Thrombose, oft in der Sinusvene, einem Blutgefäß, das für die Versorgung des Gehirns zuständig ist. Mediziner der Universitätsklinik in Greifswald konnten zeigen, dass diese Blutgerinnsel durch sogenannte Autoantikörper entstanden waren, weil das Immunsystem falsch auf die Impfungen reagiert hatte. Diese Autoantikörper banden sich an PF4 Blutplättchen.

Das gleiche Forscherteam konnte jetzt belegen, dass es nur bei den Vektorimpfstoffen von Astrazeneca und Johnson & Johnson zu dieser Nebenwirkung kam, nicht aber durch Spikeproteine, die nach einer Impfung mit einem mRNA-Impfstoff gebildet wurden und auch nicht durch eine Infektion mit dem echten Sars-Coronavirus-2. Darüber berichten die Mediziner um Andreas Greinacher und Linda Schönborn im renommierten New England Journal of Medicine.

Keine Thrombose-Autoantikörper nach Covid-19

Ein Mann und eine Frau in weißen Kitteln.
Prof. Andreas Greinacher und Dr. Linda Schönborn von der Universität Greifswald Bildrechte: Marten Kählert

Schönborn und Greinacher hatten 69 betroffene Patientinnen und Patienten seit dem Auftreten der Thrombosen begleitet. Das Durchschnittsalter der Gruppe betrug 48 Jahre (Alterspanne: 18 bis 80 Jahre), etwa 60 Prozent waren Patientinnen. Elf Personen erlitten später einen Impfdurchbruch. Bei keinem davon kam es zu einer erneuten Bildung der gefährlichen Autoantikörper. "Niemand entwickelte erneut eine Thrombozytopenie oder eine neue Thrombose", sagte Schönborn.

Die Forschenden schließen daraus, dass sich die Immunreaktionen auf die Infektion und die auf den Impfstoff voneinander unterscheiden. "Wenn beide Immunantworten miteinander verbunden wären, müssten Überlebende der Thrombosen mit einer Covid-19-Erkrankung einen Anstieg der Antikörper zeigen, der möglicherweise sogar eine Thrombozytopenie und Thrombose erneut auslöst. Das geschieht jedoch nicht", sagt Schönborn.

Modifizierung der Vektroimpfstoffe könnte Thrombosen verhindern

Ausgeschlossen ist damit auch, dass diese Immunreaktion durch das Coronaspikeprotein selbst ausgelöst wird. Dieses Spikeprotein wird auch nach einer Impfung mit einem mRNA-Impfstoff gebildet. Die Greifswalder Forscher vermuten jedoch, dass die Zusammensetzung der Impfstoffe auf Adenovirus-Vektorbasis verantwortlich ist. Das Problem lasse sich wahrscheinlich durch eine Modifizierung der Impfstoffe lösen. Die Erkenntnisse könnten aber auch erleichtern, sich bei weiteren Booster-Impfungen für einen mRNA-Impfstoff zu entscheiden, sagte Andreas Greinacher.

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(ens)