Blutgruppen und Corona Ansteckung Blutgruppe 0 überträgt Corona häufiger an Blutgruppe A als umgekehrt

Die Übertragung von Corona hängt offenbar davon ab, ob die Blutgruppen von Infiziertem und Empfänger zueinander passen. Infizierte der Blutgruppe 0 stecken Empfänger der Blutgruppe A viel häufiger an als umgekehrt.

Blutkonserven
Blutkonserven mit der Blutgruppe A und B sind nicht miteinander kompatibel. (Archivbild) Bildrechte: IMAGO / CHROMORANGE

Die Zahl der Corona-Neuinfektionen erreicht derzeit noch jeden Tag einen neuen Rekord. Doch unter eng zusammenlebenden Menschen – etwa Familien oder Wohngemeinschaften – lässt sich dabei ein seltsames Phänomen beobachten: während einige Menschen bereits ihren zweiten Impfdurchbruch hinter sich haben, scheinen andere sich nie mit dem Virus zu infizieren.

Eine Studie französischer Mediziner erhärtet nun, was verschiedene frühere Studien bereits nahegelegt hatten: Die Übertragung des Virus verläuft offenbar eng entlang der Kompatibilität, also der Passfähigkeit der menschlichen Blutgruppen. Infizierte der Blutgruppe 0 können das Virus demnach leicht an alle anderen Blutgruppen weitergeben und sind damit potenziell eher gefährliche Superspreader. Personen der Blutgruppe AB wiederum haben das höchste Risiko, sich selbst anzustecken, aber das geringste, die Infektion weiterzugeben. Das erklärt, warum Angehörige der Blutgruppe A bislang bei den Infektionen überstark vertreten sind, während Angehörige der Blutgruppe 0 unterdurchschnittlich oft infiziert sind.

Wahrscheinlichkeit der Infektion und Blutgruppenzugehörigkeit

Die sogenannte sekundäre Attackrate bezeichnet statistisch die Wahrscheinlichkeit, dass ein erkrankter Mensch andere Menschen im gleichen Haushalt ansteckt. Diese liegt laut einer Studie aus Nordwegen im Fall der Omikronvariante bei etwa 25 Prozent. Das bedeutet, dass in einer fünfköpfigen Familie ein infiziertes Familienmitglied im Durchschnitt höchstens eine weitere Person im Haushalt ansteckt.

Sekundäre Attackrate Indexfälle sind die in einem Haushalt zuerst infizierten Personen, also diejenigen, die die Infektion von außerhalb mitbringen. Die sekundäre Befallsrate ist definiert als die Anzahl der Nicht-Index-Haushaltsmitglieder mit einem positiven Testergebnis innerhalb von 7 Tagen nach dem Probentermin des Indexfalls, geteilt durch die Gesamtzahl der Nicht-Index-Haushaltsmitglieder.

Ein Team im Rachida Boukhari und Adrien Breiman von der Universität Nantes hatte mit Corona infizierte Klinikmitarbeiter sowie deren im gemeinsamen Haushalt lebende Partner befragt. Dabei erhoben sie die Blutgruppe und sortierten solche Paare aus, bei denen sich beide Partner ungefähr gleichzeitig mit dem Virus angesteckt hatten. Insgesamt konnten sie so bei über 300 Paaren mit mehr als 600 Personen beobachten, wie die Wahrscheinlichkeit der Virusweitergabe in Abhängigkeit von der Blutgruppenzugehörigkeit war.

Inkompatible Blutgruppen: 40 Prozent geringeres Ansteckungsrisiko

Im Fachjournal Frontiers in Microbiology bestätigen die Forscher, was der britische Forscher Peter J.J. Ellis, Universität Kent, mit Blick auf Daten des Infektionsgeschehens in der ersten Coronawelle bereits im Sommer 2020 mathematisch modelliert hatte: Die Wahrscheinlichkeit, einen Partner anzustecken, verlief entlang der Übertragbarkeit von Blutgruppen.

Waren die Blutgruppen miteinander kompatibel – etwa, wenn der Indexfall die Blutgruppe 0 hatte, und der Empfänger A, B oder AB – dann lag die sekundäre Attackrate bei 47,2 Prozent. Es steckte sich also etwa jeder zweite Partner an. War sie hingegen inkompatibel, hatte also der Empfänger die Blutgruppe 0 und der Indexfall A, B oder AB, dann lag die Wahrscheinlichkeit einer Ansteckung nur bei 27,9 Prozent. Damit war das Ansteckungsrisiko satte 41 Prozent geringer, wenn die Blutgruppen nicht zueinander passten.

Kompatibilität von Blutgruppen Es gibt vier Hauptblutgruppen und dazu den sogenannten Rhesusfaktor. Menschen, deren Blutkörperchen das Antigen A tragen gehören zur Blutgruppe A, die mit dem Antigen B zur Blutgruppe B, diejenigen mit beiden Antigenen zur Gruppe AB und diejenigen ohne diese Antigene zur Blutgruppe 0. (Positiv und negativ geben jeweils die An- beziehungsweise Abwesenheit des Rhesusfaktors an). Grundsätzlich sind Blutgruppen kompatibel, wenn das eigene Antigen übereinstimmt oder nicht vorhanden ist. Wer Blutgruppe A+ hat kann sein Blut an Menschen der Blutgruppe A+ und AB+ übertragen. Menschen mit Blutgruppe 0- können ihr Blut an alle anderen Blutgruppen übertragen, Menschen mit AB+ ausschließlich an andere Menschen mit AB+.

Ursache wahrscheinlich Antikörper gegen Blutgruppen Antigene

Die Ursache für dieses stark unterschiedliche Risiko könnte laut den Autoren der Studie mit Antikörpern zu tun haben, die gegen die A und B Antigene gerichtet sind. "Insgesamt können unsere Beobachtungen erklären, warum bei Personen der Blutgruppe 0 häufiger ein partieller Schutz auftritt, als bei Personen der Blutgruppen A und B." Der Schutz basiere offenbar auf den Häufigkeiten von Anti-A- und Anti-B-Antikörpern. "Da die Blutgruppe A häufiger vorkommt als die Blutgruppen B und AB, treffen Personen der Blutgruppe A in einer Bevölkerung westeuropäischer Herkunft seltener auf inkompatible Infizierte. Dies erklärt wahrscheinlich, warum in früheren Kohorten- und Fall-Kontroll-Studien Personen der Blutgruppe A ein höheres Risiko und Personen der Blutgruppe 0 ein geringeres Risiko für Covid-19 hatten."

Zugleich weisen die Forscher eine These von Shang-Chuen Wu und Kollegen zurück. Dieses Team hatte vermutet, dass die Viren besser an Antigene der Blutgruppe A binden könnten. Boukari und Breimann konnten in Experimenten allerdings keine innerhalb der Blutgruppen liegenden Eigenschaften ausmachen, die eine Infektion hätten erklären können. Ein Mensch mit Blutgruppe 0 habe ein ebenso hohes Risiko sich bei einem Blutgruppe-0-Indexfall anzustecken, wie alle anderen Blutgruppen.

AB positiv: Die Corona Superempfänger

Nach dem vorliegenden Modell müssten Menschen der Blutgruppe AB+ im Endeffekt das höchste Ansteckungsrisiko von allen haben. Das sei in Europa noch nicht bemerkt worden, da diese Blutgruppe hier sehr selten sei. Allerdings hätten Forscher in anderen Staaten, darunter Indien, Pakistan, Saudi-Arabien oder Iran durchaus ein solches Muster bemerkt.

Die französische Studie hat übrigens nicht den Schweregrad der Erkrankung erfasst. Gut möglich ist also, dass Blutgruppenkompatibilität auch den Schweregrad einer Infektion vorhersagen kann. Dann würden inkompatible Infektionen zu tendenziell eher milden Ansteckungen führen.

Eine Ärztin hält einen Beutel mit Erythrozyten-Konzentrat. 1 min
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#MDRklärt: Diese Blutgruppen retten viele Menschen

Di 28.05.2019 15:00Uhr 01:00 min

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2 Kommentare

Steffen Kunstmann vor 25 Wochen

Blutgruppenmerkmale (BG) A, B,AB und 0 sind Antigene (AG) auf den Oberflächen der Zellen. Bzw. hat BG 0 keine AGs. Gegen sie AGs werden Antikörper (AK) gebildet: Gegen 0 gibt es keine AKs. 0 hat AK gegen A, B und AB. A hat AKs gegen B, und B gegen A. AB ist ähnlich 0.
Viren dringen in Zellen ein und vermehren sich. Beim Ausschleusen aus den Zellen nehmen Viren Zellmembrananteile der Wirtszelle mit und tragen die auf ihrer Oberfläche. D.h. der Virus, der sich in einem Träger mit BG A entwickelt, trägt auf seiner Oberfläche BG A (Anteile). Dann hat et es schwere bei BG 0 zu landen, weil die vorhandenen AK gegen BG A wirken. Und so weiter. Der Effekt dürfte aber nicht so strak ausgeprägt sein, dass er einen protektiven Effekt hat. Zudem kommt noch die Verteilung der BG in der Bevölkerung hinzu (ca. / %): A 43, 0 41, B 11, AB 5.

Germinator aus dem schoenen Erzgebirge vor 26 Wochen

Dann sollte die Blutgruppe auch im Impfpass eingetragen werden und auf Verlangen vorzuzeigen.