Leipziger Langzeitstudie Herausforderung oder Bedrohung: Wie sich die Menschen in der Corona-Krise fühlen

Psychologen der Universität Leipzig untersuchen gemeinsam mit amerikanischen Kollegen über einen langen Zeitraum, wie sich etwa 1.000 Befragte in Deutschland fühlen. Corona hat sich darauf deutlich ausgewirkt.

Eine Frau sitzt nachts auf der Couch und schaut in ihren Laptop.
Einsamkeit, Unsicherheit, Veränderungen des Alltags: Die Coronakrise hat viele Menschen unzufriedener gemacht. (Symbolfoto) Bildrechte: imago images / photothek

Im Dezember 2019 ahnte noch niemand, dass Corona einige Monate später die Welt verändern würde. Der Psychologieprofessor Hannes Zacher von der Universität Leipzig und sein Kollege Cort Rudolph von der Saint Louis University in den USA hatten daher ziemliches Forscherglück. Sie begannen eine Langzeitstudie. Über zwei Jahre hinweg wollten sie beobachten, wie sich die Lebenszufriedenheit und das Erleben positiver wie unangenehmer Gefühle verändert. Dazu befragen sie regelmäßig 979 Teilnehmer aus ganz Deutschland. Sechs Monate später haben sie nun ungeplant ihr erstes wichtiges Ergebnis.

Corona macht unzufrieden

Professor Hannes Zacher
Professor Hannes Zacher Bildrechte: Swen Reichhold/Universität Leipzig

Vier Mal haben sie ihre Teilnehmer seit Dezember befragt. Während sich bei den ersten beiden Durchgängen noch keine Unterschiede zeigten, nahmen Lebenszufriedenheit und das Erleben positiver Gefühle zwischen März und Mai 2020 deutlich ab. Corona hatte die Gefühlslage signifikant verändert. Auf einer Skala von 0 bis 7 Punkten nahm die Lebenszufriedenheit im Durchschnitt um 0,2 Punkte ab. Zur Überraschung der Forscher berichteten die Teilnehmer allerdings auch weniger von Ärger und Ängsten.

Wenig überraschend waren solche Teilnehmer zufriedener, die Corona als Herausforderung und die Folgen der Krise als kontrollierbar bewerteten. Wer umgekehrt die Pandemie als Bedrohung wahrnahm oder komplett leugnete, dass es überhaupt eine Krise gibt, war weniger zufrieden. Ihre Ergebnisse haben die Forscher im Fachjournal American Psychologist veröffentlicht.

Wie verändert Corona die Arbeitswelt?

Die Studie soll nun noch 18 Monate lang fortgesetzt werden. Dabei wollen die Wissenschaftler erforschen, wie Corona die Arbeitswelt verändert. Fragen sind, wie sich die Akzeptanz von Homeoffice verändert und die Einstellung gegenüber virtueller Teamarbeit. Auch Arbeitsplatzunsicherheit soll ein Thema der Untersuchungen werden.

(ens)

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