Studie aus den USA Wie lautes Reden das Corona-Virus verbreitet

Sars-CoV-2 verbreitet sich auch durchs Sprechen. US-Forscher haben das genauer untersucht. Ihr Ergebnis: Allein eine Minute lautes Reden kann 1.000 virushaltige Tröpfchen erzeugen, die acht Minuten in der Luft bleiben. Das Sprichwort "Reden ist Silber, Schweigen ist Gold" bekommt so in Corona-Zeiten eine ganz neue Bedeutung.

Eine Person trägt eine Mund- und Nasenschutzmaske mit Aufdruck eines lachenden Schimpansen.
Bildrechte: imago images/Ralph Peters

Ein bisschen wirkt es wie ein Sternenhimmel, fast unwirklich schön, wenn sich die Tröpfchen - vom hochempfindlichen Laserlicht in der Dunkelheit sichtbar gemacht - vor der Kamera bewegen. Doch sie könnten ein potenziell tödliches Virus in sich tragen: Sars-CoV-2.

Wissenschaftler vom Nationalen Institut für Diabetes, Verdauungs- und Nierenkrankheiten (NIDDK) in Bethesda im US-Bundesstaat Maryland und der University of Pennsylvania haben untersucht, wie viele Tröpfchen beim Sprechen ausgestoßen werden und wie sich diese dann bewegen. Dabei ging es neben anderen Krankheiten auch um die Übertragbarkeit von COVID-19. Ihre Ergebnisse veröffentlichen sie im Fachmagazin "PNAS".

Viren verbreiten sich auch über die Luft

Und die haben es in sich. Denn bei nur einer Minute lautem Sprechen werden bis zu 1.000 Tröpfchen ausgestoßen, die acht Minuten oder noch länger in der Luft verweilen können.

"Diese Beobachtung verdeutlicht die hohe Wahrscheinlichkeit, dass sich Viren in geschlossenen Umgebungen über die Luft übertragen können", heißt es in der Studie. Damit würde auch die Annahme bekräftigt, dass sich Viren nicht nur übers Husten und Niesen sondern auch per Sprechen verbreiten.

Weimarer Wissenschaftler machen Husten sichtbar

Wie sich Luftströme beim Husten ausbreiten, hatten zuvor Forscher der Bauhaus-Uni Weimar untersucht. Dazu wurde auf Video aufgenommen, wie ein Mann erst normal und dann stark hustet - erst ohne Schutzvorkehrungen, dann mit vorgehaltener Hand, in die Armbeuge und mit verschiedenen Atemschutzmasken.

"Besonders beim Husten ohne Schutz vor dem Mund wird deutlich, wie stark sich die Atemluft im Raum ausbreitet", erklärt Prof. Conrad Völker, Leiter der Professur Bauphysik. Auch der Einsatz von Atemschutzmasken zeigte bei dem Experiment keinen hundertprozentigen Schutz, zumindest aber eine Verbesserung.

Wichtigkeit von "Social Distancing" verdeutlicht

Für die US-Untersuchung wiederum wurden Probanden gebeten, 25 Sekunden lang die Wörter "stay healthy" laut auszusprechen - auch, weil durch den "th"-Laut in "healthy" besonders viele Tröpfchen generiert werden. Eine Kamera nahm die Ausbreitung des vom Laserlich angestrahlten Sekrets über 80 Minuten lang auf, hinterher wurde das Ganze Bild für Bild analysiert, um die jeweilige Anzahl an Tröpfchen zu messen.

Darstellung der Tröpfchenbildung in dem Experiment der US-Forscher.  Abbildung A zeigt die Anzahl der gemessenen Lichtteilchen im Verhältnis zur Zeit, wobei die rote Kurve die hellsten 25 Prozent darstellt und die grüne den Rest.  In Abbildung B sind 144 aufeinanderfolgende Frames kurz nach einem 25-sekündigen Aussprechen von „stay healthy“ zusammengefasst.
Darstellung der Tröpfchenbildung in dem Experiment der US-Forscher.
Abbildung A zeigt die Anzahl der gemessenen Lichtteilchen im Verhältnis zur Zeit, wobei die rote Kurve die hellsten 25 Prozent darstellt und die grüne den Rest.
In Abbildung B sind 144 aufeinanderfolgende Frames kurz nach einem 25-sekündigen Aussprechen von „stay healthy“ zusammengefasst.
Bildrechte: V. Stadnytskyi, C. Bax, A. Bax, P. Anfinrud

"Unsere Laser-basierte Methode bietet nicht nur eine Möglichkeit, in Echtzeit die Ausbreitung von Tröpfchen beim Sprechen zu analysieren", resümieren die US-Forscher, "man kann durch sie auch die Zeit der Tröpfchen in der Luft berechnen." Damit dürfte auch die Wichtigkeit von "Social Distancing" in der Corona-Pandemie noch einmal deutlich geworden sein.

cdi

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Animation - Frau mit Mundschutz 2 min
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