Antikörper-Studie Deutlich mehr Kinder in 2. Welle mit Corona infiziert als bekannt

Ob Schulen und Kitas auch bei höheren Inzidenzen offen bleiben sollen, ist eine der großen Fragen der Corona-Pandemie. Denn die Rolle von Kindern im Infektionsgeschehen ist noch immer recht umstritten. Doch neue Daten bringen jetzt ein wenig mehr Licht ins Dunkel zwischen PCR-Test und Antikörper-Nachweis.

Eine Lehrerin mit Maske erklärt Schülern etwas. 3 min
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In der zweiten Welle der Corona-Pandemie im Herbst und Winter waren erneut deutlich mehr Kinder mit dem Coronavirus infiziert, als über einen PCR-Test gemeldet wurden. Einer Studie des Helmholtz Zentrums München zufolge waren in Bayern drei- bis viermal mehr Kinder im Alter von einem bis zu zehn Jahren mit SARS-CoV-2 infiziert.

Mehr Infektionen bei Schulkindern

In Zahlen bedeutet das demzufolge, dass von den 11.400 Kindern im Alter von einem bis zu zehn Jahren, die das Team in der zweiten Welle untersucht hat, 446 Antikörper gegen SARS-CoV-2 in ihrem Blut hatten – also umgerechnet etwa 3,9 Prozent.

Also man kann schon sagen, dass eben wirklich alle Kinder in den Altersklassen von eins bis zehn Jahren eine SARS-CoV-2-Infektion durchmachen können.

Dr. Markus Hippich, Helmholtz Zentrum München

Allerdings sind zwischen den einzelnen Altersklassen durchaus Unterschiede zu erkennen. Hippich zufolge lag die Infiziertenquote im Testzeitraum zwischen November vergangenen Jahres und Februar diesen Jahres bei den Vorschulkindern bei 5,6 Prozent. Bei den Schulkindern waren es dagegen sogar 8,4 Prozent.

Die Hälfte ohne Symptome

Insgesamt waren den Forschenden zufolge in der zweiten Welle deutlich mehr Kinder infiziert: Es hatten achtmal mehr Kinder Antikörper gegen das Coronavirus im Blut als nach der ersten Welle. Auch in der hatten die Forscher bereits Kinder auf Antikörper gegen das Coronavirus SARS-CoV-2 untersucht. "Was nach wie vor gleich ist, dass mindestens die Hälfte der Kinder keine Symptome zeigt", erläutert Hippich.

Eine Lehrerin sitzt mit ihren drei Kindern im Wohnzimmer, unterrichtet ihre Schüler einer Berufsschule im Distanzunterricht und hilft ihren Kindern bei ihren Aufgaben für die Schule.
Schüler und Schülerinnen waren häufiger infiziert. Bildrechte: dpa

Der Helmholtz-Forscher sieht darin auch einen Grund für die hohe Dunkelziffer. Außerdem hätten die generell größere Verbreitung der Viren, die offenen Schulen und die infektiöseren Virus-Varianten dazu beigetragen. Das Forschungsteam hat sich zusätzlich angeschaut, wie sich die Konzentration der speziellen Antikörper, auf die sie testen, entwickelt. Sie bilden sich Hippich zufolge zwar erst eine bis vier Wochen nach Erkrankung, blieben aber länger im Körper. Nach etwa drei Monaten hatten die Kinder überraschenderweise mehr statt weniger von diesen Antikörpern im Blut.

Das Interessante für uns ist natürlich auch, das weiter nachzuverfolgen, wie sich das nach sechs, neun, zwölf Monaten dann noch verhält.

Dr. Markus Hippich, Helmholtz Zentrum München

Studie sucht eigentlich nach Diabetes-Antikörpern

Denn die Studie wird fortgeführt: Eigentlich ist sie nämlich eine Langzeit-Studie zur Früherkennung von Diabetes-Typ-1 anhand bestimmter Antikörper im Blut der Kinder. Bei den Untersuchungen werden ihnen deshalb ein paar Tropfen Blut abgenommen, die die Forschenden seit Anfang vergangenen Jahres neben den Diabetes- auch auf die Corona-Antikörper untersuchen.

Wir haben aber jetzt in unseren Proben keinen Zusammenhang zwischen dem Auftreten von Typ-1-Diabetes bzw. den Antikörpern, die spezifisch sind für Typ-1-Diabetes und Antikörpern für SARS-CoV-2 gefunden. Da gibt es keinen Zusammenhang.

Dr. Markus Hippich, Helmholtz Zentrum München

Helmholtz-Forscher Hippich betont, dass die Daten nur zeigen, wie viele Infektionen es gegeben hat, nicht aber, wie infektiös die Kinder waren oder wo sie sich angesteckt haben. Sie zeigen trotzdem deutlich, dass sowohl Kinder im Vorschul- als auch im Schulalter für eine Corona-Infektion durchaus empfänglich sind.

4 Kommentare

MDR-Team vor 3 Wochen

@wolldrache,
der von Ihnen geschilderte Fall ist laut unserem Kenntnisstand nicht das pauschale Standardvorgehen. Offenbar gehen die Gesundheitsämter hier unterschiedlich vor. Vor allem für die Ermittlung der Kontaktpersonen ist es ja durchaus von Bedeutung welche Familienmitglieder sich ebenfalls infiziert haben. Davon abgesehen, sind die momentan steigenden Zahlen auf steigende Infektionen zurückzuführen und nicht auf die steigende Anzahl von Tests.

wolldrache vor 3 Wochen

@mdr,
ich habe nicht behauptet, dass die Statistiken Personen erfassen, die nicht getestet wurden. sondern eben das Problem benannt, dass Personen, die nicht getestet wurden, nicht in der Statistik auftauchen.
Wenn aber eben nur der Familienvater mit Symptomen getestet wird (und der Test postiv ausfällt), der Rest der Familie mit gleichen Symptomen eben gar nicht erst getestet wird, dann ...
... dann ist es eben nicht verwunderlich, dass tatsächlich mehr Personen (in diesem Fall Kinder) auch schon in der ersten od. zweiten Welle erkrankt sind, die nicht in den Statisitken erfasst wurden.
Es ist mir unverständlich, weshalb bei einem positiven Test nicht das familiäre Umfeld mitgetestet wird und wurde.
Und wenn schon nicht getestet, dann sollten dennoch zumindest die Zahlen erfasst werden, was nicht geschehen ist.
Also: 1 Person positiv getestet, 3 Personen im Umfeld mit gleichen Smyptomen, ungetestet. Dann würde sich jetzt niemand über erhöhte Zahlen wundern können.

MDR-Team vor 3 Wochen

@wolldrache,
die Zahlen, die das RKI täglich veröffentlicht, beziehen sich selbstverständlich auf die durchgeführten Tests. Wie kommen Sie darauf, dass in den Statistiken Personen erfasst werden, die gar nicht getestet wurden?