Covid-19 Aerosole: Warum das Ansteckungsrisiko draußen kleiner ist und was wir von Rauchern lernen

Wie kleinste Staubpartikelchen können infektiöse Coronaviren in der Luft schweben. Diese inzwischen gut belegte Erkenntnis war zu Beginn der Pandemie neu. Und noch immer handeln nicht alle danach.

Eine Frau atmet in einem Wald aus.
Dampfender Atem an einem kalten Wintertag: Das einfache Experiment zeigt, wie lange potenziell krankmachende Aerosole in der Luft stehen können. (Archivbild) Bildrechte: IMAGO / Action Pictures

Der Dampf von Vapern bietet eine gute, allerdings auch begrenzte Möglichkeit, sich das Verhalten von Coronaviren in der Raumluft zu veranschaulichen. Stößt ein Vaper seinen Dampf aus, so fällt er nicht zu Boden sondern bleibt einige Zeit vor dem Dampfer in der Luft stehen. Den Geruch können wir oft noch wahrnehmen, nachdem der Dampf selbst schon nicht mehr sichtbar ist.

In einem schlecht belüfteten Raum können sich die Rückstände in der Luft ansammeln. Nur ein kleiner Teil wird als Staub zu Boden sinken, der größte Teil wird in der Luft stehen bleiben, bis jemand ein Fenster aufmacht. Mit Coronaviren verhält es sich ähnlich, wie Aerosolforscher inzwischen in einer Reihe von Studien nachgewiesen haben. Nur dass sie – anders als der Dampf von Vapern – in FFP2-Masken hängen bleiben.

Aerosole sind kleiner als Tröpfchen und können länger in der Luft verharren

Die Grafik zeigt den Unterschied zwischen Tröpfchen (größer als 100 Mikrometer) und Aerosolen (kleiner als 50 Mikrometer). Aerosole bleiben deutlich länger in der Luft und können daher über größere Distanzen von einem Menschen zum anderen fliegen. Wenn sie Viren enthalten, kann es so zur Infektion kommen.
Bildrechte: MDR Wissen

Zu Beginn der Pandemie glaubten viele Mediziner, dass sich Viren vor allem in kleinen Tröpfchen übertragen würden. Angenommen wurde, dass sie eine Größe von mindestens fünf Mikrometern haben und sich wie kleine Geschosse verhalten, die ein Infizierter ausstößt. Nach wenigen Metern sollten sie zu Boden fallen. Dort könnten die Viren auf Oberflächen verharren und so zur Quelle von Schmierinfektionen werden, wenn Menschen hineinfassen und sich anschließend im Gesicht berühren, so die Theorie weiter. Die WHO empfahl daher zunächst, streng auf Händewaschen und Desinfektion von Oberflächen zu achten.

Physiker kamen allerdings rasch zu einem anderen Schluss. Sie gingen nach Experimenten davon aus, dass die Partikel mit infektiösen Viren in der Luft viel kleiner sind, kleiner als fünf Mikrometer und dass sie wie Staub in der Luft stehen bleiben oder quer durch Räume fliegen und weit entfernt stehende ungeschützte Menschen infizieren können. Das würde mehrere beobachtete Ausbrüche von Covid-19 erklären, bei denen Überträger und infizierte Person weit voneinander entfernt oder voneinander abgewandt waren, als es zur Ansteckung kam.

Ansteckungsrisiko draußen geringer aber trotzdem vorhanden

Die Experimente der Aerosolforscher zeigen zugleich, dass FFP2-Masken einen guten Schutz bieten können, weil sie relativ viele Viruspartikel aus der ausgeatmeten Luft von Infizierten herausfiltern können. Am wichtigsten aber ist eine gute Durchmischung der Luft, um Aerosole möglichst rasch zu verdünnen. Deshalb wird empfohlen, Räume regelmäßig zu lüften, wenn sich mehrere Menschen darin aufhalten.

Im Freien ist das Risiko einer Übertragung aber deutlich geringer, weil der Wind die Luft um Menschen schnell austauscht. Viele Aerosolforscher haben daher die nächtlichen Ausgangssperren scharf kritisiert, weil diese zu Treffen in Häusern animiert hätten.

Trotzdem ist es nicht so, dass es draußen gar kein Ansteckungsrisiko gibt. Sitzen etwa mehrere Personen an relativ windstillen Stellen eng beieinander und unterhalten sich ohne Masken, dann können hierbei genügend Viren übertragen werden.

Wie groß das Ansteckungsrisiko durch Aerosole in verschiedenen Situationen ist, kann sich jeder Nutzer mit Hilfe eines einfachen Rechners im Internet jetzt selbst ausrechnen. Physiker von der deutschen Gesellschaft für Anlagen- und Reaktorsicherheit haben Modelle, mit denen sie die Ausbreitung radioaktiver Strahlung nach einem Unfall berechnen können, angewendet, um die Ausbreitung von Corona in verschiedenen Räumen darzustellen. Hier können Nutzer angeben, wie nah sie einer anderen Person kommen, ob sie flüstern oder laut sprechen, ob dabei Masken getragen werden und ob der Raum ein Auto, ein Zug, ein Klassenzimmer oder ein Büro ist.

Kann man Rauch riechen, gibt es auch ein Ansteckungsrisiko

Um zum Vergleich mit den Vapern zurückzukommen: Kann man den Rauch eines Vapers riechen, kann man daraus ableiten, dass genügend Aerosole von dieser Person zur einatmenden Person gelangen, und im Zweifelsfall auch das Coronavirus übertragen.

5 Kommentare

Rolo am 27.05.2021

Aerosole wieder aufzugreifen finde ich wichtig, auch wenn die meisten Fakten nun schon fast ein Jahr alt sind (Juni 2020 offener Brief der 230 Wissenschaftler, dann TU-Berlin CO2, Prof. Kähler Luftfilter im Aug-Okt 2020, etc.). Passiert ist leider bislang nichts - keine Luftfilter in Altenheim von Okt.2020 bis Feb.2021- 50.000 tote alte Menschen in diesem Zeitraum - atmet ein infizierter Pfleger 20 min. lang seine Aerosole in einem Zimmer aus, so atmet der alte Mensch danach stundenlang so viel davon ein, dass er infiziert ist. In Schulen, Arztpraxen, Bussen, etc. ebenfalls keine sicheren Innenräume. Da klar ist, dass die Ansteckung Innen passiert, habe ich mal die Wetterdaten der gesamten Pandemiezeit in Abschnitte eingeteilt, wo Leute raus- oder reingehen - in Deutschland ca. 14 Abschnitte seit Beginn. Vergleicht man hierzu die 7 Tage Inzidenz gibt es mit 6 Tage Verzug eine fast 100%ige Übereinstimmung. Info: Gilt für uns. In Texas oder Portugal gehen Leute bei Hitze aber eher rein.

pepe79 am 26.05.2021

Dem ist nuchts hinzuzufügen. In Jena sind die Außenbereiche der Gastro wieder voll, am Tisch verweilen die Menschen lange ohne das sie da Maske tragen brauchen aber auf die Maskenpflicht in der Innenstadt wird weiter bestanden...da wo die Leute nicht ewig am engen Tisch verweilen. Gera hat schon lange keine Maskenpflicht mehr im Freien und das da die Inzidenz relevant höher ist kann ich nicht erkennen. So erfolgt also die regelmäßige rechtlich vorgeschriebene Überprüfung auf die Angemessenheit vo
Grundrechtseinschränkungen, auch in der Hinsicht das nur 1 von 1000 Infektionen im Freien erfolgt (wie Aerosolforscher belegen konnten und was auch durch die Medien ging)!

wo geht es hin am 23.05.2021

Na dann mal Butter bei die Fische, was ganz konkret in meinem 1. Beitrag nicht der Nettiquette entsprochen hat.
Ausserdem gibt es nicht nur Texas, schauen Sie sich Florida oder Kalifornien oder Schweden an - alles deutet darauf hin, dass, egal ob Massnahmen oder nicht der Verlauf immer wieder saisonal bedingt hoch oder runter geht. Nun aber mit dem Unterschied das, dass man früher einfach so gut wie nicht auf irgendwas getestet und nur die tatsächlichen Fälle registriert hat und heute alles getestet wird, was bei 3 nicht auf dem Baum ist. Und wer "postiv" ist, wird völlig sinnfrei gleich als "infiziert" oder gar "erkrankt" geführt. Das hat mit wissenschaftlicher Evidenz nicht das geringste mehr zu tun ist rein ideologiebasiert. Und das wissen Sie auch.