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Bildrechte: IMAGO / Martin Wagner

Covid-19Novavax und Curevac: Erfolg und Misserfolg bei Impfstoffen

von Clemens Haug

Stand: 23. Juni 2021, 14:20 Uhr

Die US-Firma Novavax wird in Kürze einen leicht zu lagernden, auch gegen Mutationen zu über 90 Prozent wirksamen Impfstoff auf den Markt bringen. Curevac dagegen ist mit seinem mRNa-Vakzin praktisch gescheitert.

Viele Mediziner glauben, dass mit NVX-CoV2373 von Novavax demnächst ein Impfstoff auf den Markt kommt, der viele Probleme der bisherigen Vakzine löst: Er gilt als gut verträglich, kann bei 2 bis 8 Grad Celsius stabil gelagert werden und zeigt laut Mitteilung des US-Biotechunternehmens eine Wirksamkeit von über 90 Prozent gegen besorgniserregende und unter Beobachtung stehende Virusvarianten – auch bei der Hochrisikogruppe der über 65-Jährigen und Menschen mit einschlägigen Vorerkrankungen. Novavax will bis Ende Juli die Zulassung in den USA und der EU beantragen. Europa hat bereits 200 Millionen Dosen des Impfstoffs bestellt.

Woraus besteht der Impfstoff?

Novavax hat aus Nanobausteinen ein Eiweiß gebaut, das das Spikeprotein des Coronavirus nachempfindet. Diese Virusähnlichen Eiweißpartikel werden in zwei Dosen gemeinsam mit einem von Novavax entwickelten Wirkstoffverstärker (Adjuvanz) auf der Basis von Saponin gespritzt. Saponine sind rein pflanzliche Substanzen, die in wässriger Lösung Schaum bilden und die Oberflächenspannung herabsetzen.

An wem wurde der Impfstoff getestet?

Eine Phase-3 Studie im Vereinigten Königreich hatte laut Novavax bereits eine Wirksamkeit von insgesamt 89,7 Prozent gegen verschiedene Virusvarianten gezeigt. Jetzt kommen die Ergebnisse einer zweiten Phase-3 Studie aus den USA und Mexiko dazu. Daran haben 29.960 Versuchspersonen über 18 Jahre teilgenommen. Zwei Drittel (rund 19.500 Personen) bekamen den Impfstoff, ein Drittel (etwa 10.000 Personen) ein Placebo.

Wie viele Personen sind trotz Impfung erkrankt?

Insgesamt erkrankten 77 Versuchspersonen an Covid-19. Davon waren 63 Teil der Placebogruppe. 62 davon gehörten der Risikogruppe der über 65-Jährigen an oder hatten schwere Vorerkrankungen. In zehn Fällen waren die Verläufe moderat, in vier Fällen schwer.

Unter den doppelt Geimpften hingegen gab es 14 Erkrankungen, wobei 13 Personen der Hochrisikogruppe angehörten. In allen Fällen seien die Verläufe mild gewesen. Laut Novavax ergibt sich aus diesen Daten eine Wirksamkeit von insgesamt 90,4 Prozent gegen eine Erkrankung und 100 Prozent gegen einen schweren Verlauf.

Wie gut wirkt Novavax gegen Virusvarianten?

Laut Mittelung wurde bei 54 der insgesamt 77 infizierten Versuchspersonen das Viruserbgut sequenziert. In 35 Fällen (65 Prozent) habe es sich um "besorgniserregende Varianten" gehandelt. Dazu zählen in den USA die Alpha-, Beta-, Delta-, Gamma- und die Epsilon-Variante. Die Mitteilung schlüsselt allerdings nicht näher auf, welche Varianten bei welchen Versuchspersonen welchen Covid-Verlauf ausgelöst haben. Novavax teilte lediglich mit, dass vor allem Alpha (B.1.1.7) zur Zeit der Studie die vorherrschende Variante in den USA gewesen sei. In 9 Fällen (17 Prozent) handelte es sich um unter Beobachtung stehende Varianten, zehn Personen erkrankten an sonstigen Stämmen von Sars-CoV-2. Gegen besorgniserregende und beobachtete Varianten schützt die Impfung laut Novavax zu 93,2 Prozent.

Wie stark sind die Nebenwirkungen

Auch hierzu liefert die Mitteilung noch keine Daten. Lediglich hieß es, die häufigsten lokalen Reaktionen seien Schmerzen an der Einstichstelle und empfindliche Stellen auf der Haut gewesen. Bei den systemischen Nebenwirkungen sei es vor allem zu Abgeschlagenheit, Kopfschmerzen und Muskelschmerzen gekommen, die maximal zwei Tage angehalten hätten.

Wie geht es mit Novavax weiter?

Das Unternehmen untersucht seinen Impfstoff weiterhin an Jugendlichen im Alter von 12 bis 18 Jahren und hat hierfür aktuell 2.300 Versuchspersonen rekrutiert. Bis Ende September will Novavax die Produktion von 100 Millionen Impfdosen pro Monat schaffen, bis Ende des Jahres soll der Output auf 150 Millionen Impfdosen monatlich gesteigert werden.

Was ist mit Curevac?

Der mRNA-Impfstoff von Curevac galt neben Biontech als große Hoffnung aus Deutschland. Er hat bei der klinischen Phase-3 Studie laut dem Unternehmen aber nur eine Wirksamkeit von 47 Prozent erreicht und damit das definierte Ziel verfehlt. Die Firma selbst macht in der Mitteilung die neu aufgetretenen Varianten für den Misserfolg verantwortlich. Verschiedene Wissenschaftler äußern in Medien wie Science und dem Deutschlandfunk allerdings andere Vermutungen. So könnte einerseits ein Unterschied bei der Impf-mRNA Grund für eine schwächere Immunreaktion sein. Curevac hat hier Uridin verwendet (ein Bestandteil der RNA), wo Moderna und Biontech auf Pseudouridin gesetzt haben (ein Isomer von Uridin, das die gleiche Formel aber eine andere Struktur hat). Pseudouridin verursacht wahrscheinlich stärkere Impfreaktionen wie Kopfschmerzen und Fieber, provoziert möglicherweise aber auch die bessere Immunantwort. Ein weiterer Unterschied betrifft die Dosis. In der Moderna-Impfung sind 100 Mikrogramm mRNA enthalten, bei Biontech sind es 30 Mikrogramm, bei Curevac aber nur 12.

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