Biontech und Moderna - seltene Nebenwirkung Neue Daten verstärken Verdacht von Myokarditis durch Corona-mRNA-Impfung

Neue Daten aus den USA liefern weitere Hinweise, dass es bei jungen Männern nach einer Impfung mit einem mRNA-Impfstoff in sehr seltenen Fällen zu einer Herzmuskelentzündung (Myokarditis) kommen kann.

Junger Mann hat Brustschmerzen
Starke Schmerzen in der Brust in den ersten vier Tagen nach der zweiten Dosis eines mRNA-Impfstoffs können Hinweise auf eine Myokarditis sein. (Symbolbild) Bildrechte: imago/emil umdorf

Update 30.6.: Die amerikanische Infektionsschutzbehörde CDC hat Zahlen zu Myokarditis-Fällen nach einer mRNA-Impfung für die gesamten USA gesammelt. Demnach kam es zu 393 Fällen bei Geimpften unter 30 Jahren. Alle Patienten sind bereits wieder genesen oder auf dem Weg der Besserung. Todesfälle nach Herzmuskelentzündungen durch die Impfung sind bislang nicht bekannt gewirden. Gemessen an den über 177 Millionen US-Amerikanern, die mindestens eine Impfdosis bekommen haben, kommt diese Nebenwirkung zudem nur sehr selten vor.

Das Fachblatt JAMA Cardiology hat zwei neue Berichte über Myokarditisfälle bei Geimpften veröffentlicht, die einen mRNA-Impfstoff gegen Covid-19 erhalten hatten. Die beiden Reports liefern weitere Daten und erhärten den Verdacht, dass es durch die Impfung in seltenen Fällen vor allem bei jungen Männern zu einer Herzmuskelentzündung kommen kann.

Myokarditis vor allem nach zweiter Impfung

Laut dem Bericht von Montgomery und weiteren trat bei 23 Angehörigen der US-Streitkräfte zwischen Januar und April eine Myokarditis nach der Impfung auf, alle waren Männer. Das Durchschnittsalter der Betroffenen lag bei 25 Jahren, der älteste war 51. Die ersten Symptome traten zwischen zwölf Stunden und vier Tagen nach der Impfung auf.

Sieben von ihnen hatten den Biontech/Pfizer Impfstoff erhalten, 16 den von Moderna. Bei 20 kam es erst nach der zweiten Dosis zu der Nebenwirkung. Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung der Daten hatten sich die meisten voll erholt oder waren auf dem Weg zur Genesung.

Nahezu alle Fälle bei jungen Männern

Weniger Fälle beschreiben Han Kim und seine Kollegen von der Universitätsmedizin der Duke University. Hier wurden zwischen Februar und April 2021 insgesamt sieben Patienten wegen einer akuten Myokarditis behandelt. Vier von ihnen hatten kurz zuvor die zweite Dosis eines mRNA-Impfstoffs bekommen.

Drei der Betroffenen waren junge Männer im Alter von 23 bis 36 Jahren, die vierte Patientin war eine 70-jährige Frau. Bei allen zeigten sich starke Schmerzen in der Brust als deutlichstes Symptom. Aber auch Biomarker ließen die eindeutige Diagnose akute Myokarditis zu, die zudem durch Magnetresonanztomografie (MRT) bestätigt wurde. Da Covid-19-Tests bei allen Patienten negativ ausfielen, scheidet eine Infektion als Ursache aus. Zudem hatte keiner der vier eine Vorgeschichte mit Herzproblemen. Lediglich die 70-Jährige war laut dem Report Raucherin und hatte Bluthochdruck.

Myokarditis nur bei einem Bruchteil der Geimpften

Eine Mykoarditis in Verbindung mit einer Impfung sei sehr selten und bislang nur für Pocken-Impfung bekannt, schreiben die Autoren in dem Fachartikel. Auch bei der Covid-19-Impfung seien die Fälle sehr selten. Alle vier Fälle der Duke-University stammten aus dem US-Bundesstaat North Carolina. Dort ist die Priorisierung seit dem 7. April aufgehoben, seitdem können sich alle über 16-Jährigen impfen lassen. Bis zum 30. April haben rund 560.000 Menschen den vollen Impfschutz erhalten, das entspricht etwa 33 Prozent der Bevölkerung. Die Myokarditis scheine nur einen sehr kleinen Bruchteil zu betreffen, schreiben die Mediziner.

Die Daten liefern zunächst nur eine statistische Wahrscheinlichkeit, dass es einen Zusammenhang zwischen Impfung und Herzmuskelentzündung gibt. Wie die Impfung die Nebenwirkung auslöst, sei völlig offen, schreiben die Forscher. Seit Beginn der Impfkampagne seien aber deutlich mehr Fälle aufgetreten als in den vergleichbaren Zeiträumen in den fünf Jahren zuvor. Daher sei die Impfung als Ursache wahrscheinlich.

Keine Daten ob Myokarditis auf mRNA Impfstoffe beschränkt ist

Offen ist auch, ob die Nebenwirkung nur die mRNA-Impfungen betrifft oder auch bei den Vektorimpfstoffen von Johnson&Johnson und Astrazeneca auftreten kann. Bisher traten alle Fälle nur in Ländern auf, wo nahezu ausschließlich die Vakzine von Biontech und Moderna verimpft wurden.

(ens)

27 Kommentare

SteffenHoffmann vor 10 Wochen

Liebes MDR-Team,

ich bin mit 26 Jahren im oben genannten Altersbereich und habe mir zur besseren Risikoabschätzung bzgl. meiner Zweitimpfung Ihren Beitrag, die Quellen und Ihre sehr geduldigen Kommentare durchgelesen. In solchen Momenten bin ich sehr froh Rundfunkgebühren zu zahlen und möchte mich für die quellenbezogene und sache Berichterstattung bedanken.

Reuter4774 vor 11 Wochen

Ihre legitime Entscheidung! Nur warum kann man dann nicht einfach dazu stehen und sagen ich bin gegen ( oder pro) Impfung? Diese Ausredensuche und Rechtfertigungen braucht es dann doch nicht?

Reuter4774 vor 11 Wochen

??? Jeder Mensch besitzt/ hat ein funktionierendes Immunsystem ( ausser sehr selten erkrankte Ausnahmen). Also ist natürlich ein Immunsystem VOR jeder Impfung vorhanden. Sonst würden Sie ja weder eine Impfung noch überhaupt einen Tag überstehen (das Immunsystem wehrt wesentlich mehr Keime/ Infektionen ab pro Tag unbemerkt von uns). Und es geht nicht nur um einen Antikörper- Vorrat, wichtiger ist die " Erinnerung " die geschaffen wird. Wenn der Körper/ Immunsystem etwas (er)kennt kann er wesentlich schneller und effektiv darauf reagieren. Und das Immunsystem allgemein und Antikörper im Einzelnen bezeichnen nicht dasselbe sondern definieren etwas völlig Verschiedenes.
Und auch ihre weißen Blutkörperchen sind nie ganz weg oder ausser Dienst. Und hier wollen Sie keinen dauerhaft zu hohen Wert ( Leukämie...), das ist immer ein gefährliches Symptom und NICHT erstrebenswert.