Covid-19 Corona: Wie weit ist Omikron schon in Deutschland verbreitet?

Es ist möglich, dass Omikron jetzt schon für ein Drittel oder die Hälfte aller Coronavirus-Neuinfektionen in Deutschland verantwortlich ist. Darauf deuten erste Daten eines internationalen Netzwerks hin. Aber erfahren werden wir's erst später.

Genomsequenzierungen dauern ihre Zeit. Das ist keine Kritik, sondern eine Feststellung. Aber es ist schade. Denn gerade in einer Phase wie der jetzigen wüsste man doch gern, wie stark sich Omikron schon in Deutschland ausgebreitet hat.
Der letzte vom RKI offiziell verkündete Wert lautet 0,6 Prozent. Das geht aus Tausenden zufälligen Stichproben positiver Tests hervor. Und es klingt wenig furchteinflößend.

Aber dazu muss man wissen, dass sich dieser Wert auf Kalenderwoche 48 bezieht, die Woche vom 29. November bis 5. Dezember. Die frischsten Zahlen sind im Moment also mehr als zwei Wochen alt. Am Donnerstag kommen die neuen Werte, aber die schauen dann auch "nur" auf die Woche bis zum 12. Dezember.

Aktueller Stand unklar

Ist es möglich, dass Omikron schon jetzt für ein Drittel oder die Hälfte aller Neuinfektionen verantwortlich ist? Ja, ist es. Keineswegs sicher, aber möglich. Dazu muss man sich zuerst vor Augen führen, in welcher (Kurven-)Form sich dominante Virusvarianten durchsetzen. Es ist immer eine Art S-Kurve: Flacher Anstieg zu Beginn, dann rasantes Wachstum bis zur Dominanz, dann wieder Abflachen.

Zu sehen ist, dass Deltas Verbreitung schon viel schneller verlief als die von Alpha. Omikron könnte sich nun noch rasanter ausbreiten. Dafür gibt es mehrere Anzeichen.

Ländervergleich

Eines dieser Anzeichen ist der Blick auf andere Länder.
In Großbritannien hat man eine dreifache Geschwindigkeit verglichen mit Delta festgestellt. Aus den USA wird gerade vermeldet, dass Omikron momentan schon für 73 Prozent der neuen Fälle verantwortlich ist, was auf ein ähnliches Wachstum hindeutet.

Und auch verschiedene EU-Staaten haben Verlaufskurven, die auf ein bislang nie dagewesenes Tempo deuten lassen.
Im Gegensatz zu Deutschland liegen in diesen Staaten zumindest schon erste Daten für Kalenderwoche 49 vor. Zur Erinnerung: Wir befinden uns aktuell (21. Dezember) aber schon in KW 51.

Ein weiteres Anzeichen, dass es in Deutschland ähnlich schnell gehen könnte wie in anderen Ländern, liefert GISAID, die globale Initiative zur gemeinsamen Nutzung aller Influenza- und Corona-Daten. Viele Labore und Wissenschaftler beteiligen sich daran.
Und dort sind auch schon die ersten Zahlen für Deutschland und Kalenderwoche 49 erfasst. Noch sind es nicht allzu viele ausgewertete Proben jener Woche (bei einem Klick auf die Balken im folgenden Diagramm wird die jeweilige Anzahl angezeigt), aber eine klare Tendenz für einen deutlichen Anstieg ist erkennbar.

Falls sich dieser Wert von elf Prozent in Kalenderwoche 49 bestätigt, wenn mehr Proben ausgewertet sind, dürften wir wegen des oben gezeigten typischen S-Kurven-Verlaufs rechnerisch schon jetzt (Stand 21. Dezember) bei 30 bis 50 Prozent Omikron in Deutschland liegen.

Viele Fragezeichen

Die aktuellen Fallzahlen (Neuinfektionen) sprechen mit ihrem Rückgang eigentlich gegen einen schon sehr hohen Omikron-Anteil.
Oder haben die aktuellen kontaktreduzierenden Maßnahmen so starke Auswirkungen, dass man den Omikron-Effekt noch gar nicht bemerkt, sprich: Hätten wir ohne Omikron gerade noch viel niedrigere Fallzahlen?
Oder ist Omikron doch schon mitten unter uns, aber die Dunkelziffer der Infektionen ist viel größer, weil viele die Infektion gar nicht bemerken, sich nicht testen lassen und in den Fallzahlen nicht auftauchen?

All diese Fragen können im Moment noch nicht beantwortet werden. Aber sie werden nach und nach Erkenntnissen weichen, auch wenn das wohl noch einige Zeit dauert.
Ein kleines Stückchen schlauer sind wir am Donnerstagabend, wenn die RKI-Zahlen für Kalenderwoche 49 erscheinen.

rr

4 Kommentare

Holger65 vor 4 Wochen

man sollte ben selber entsprechend vorsichtig sein, mein umfeld macht das, wenn wir freuden treffen, dann machen wir einen spaziergang an der frischen luft, schade dass wir nicht mehr zusammen feiern, aber lieber so, als sich nie wieder sehen zu können!

joni54 vor 4 Wochen

Ich stimme Anni22 zu. Seit etwa einem Monat ist von der Omikron-Variante die und ihrem Infektionspotential die Rede. Also hätte umgehend getestet werden müssen. Und so aufwändig sind Sequenzierungen auch wieder nicht. Bei den Unmengen an täglichen PCR- Test ist es seit Wochen geboten, eine repräsentative Stichprobenanzahl und zwar in jedem Bundesland zu untersuchen. Stattdessen wird immer nur vermutet und der Satz ‚’wir wissen das jetzt noch nicht’, ist unerträglich, weil man es nämlich wissen könnte. Sollten sich die Zahlen bewahrheiten, dass sich die Omikron-Fälle alle 2-3 Tage verdoppeln, erbibt sich eine Verzehnfachung in 8 Tagen. Also eine Woche nichts zu tun, bedeutet die Epidemie auf einem viel höheren Level bekämpfen zu müssen. Diese behördentypische Trägheit ist unverständlich. Es sei noch gesagt, dass ich mich hier als Mikrobiologe äußere.

nasowasaberauch vor 4 Wochen

Sequenzierung ist aufwendig und teuer. Entsprechend der geringen Stichprobendichte in Deutschland ist die Datenlage dünn. In England passiert diesbezüglich mehr. Warum das so ist, verstehe wer kann. Die Medien weiden sich mit Blick auf GB lieber an leeren Regalen und am Benzinmangel als Brexitfolge.