Covid-19 Wegen Omikron: Experten fordern, Corona-Quarantäne "nicht blind zu verkürzen"

Die Omikron-Variante ist endgültig in Deutschland angekommen und dürfte bald dominieren. Weil sie sich schnell verbreitet, soll die Quarantäne für Corona-positiv Getestete verkürzt werden. Das könnte aber Probleme machen. Bei einem Pressegespräch diskutierten Experten zum Thema.

Omikron
Bildrechte: IMAGO / Bihlmayerfotografie

Bei der Online-Konferenz des Science Media Centers zu neuen Erkenntnissen zu Omikron waren anerkannte Experten zu Gast: Prof. Andreas Schuppert, Direktor des Joint Research Center for Computational Biomedicine an der RWTH Aachen, Prof. Jörg Timm, Leiter des Instituts für Virologie am Universitätsklinikum Düsseldorf und Prof. Clemens Wendtner, Leiter der Spezialeinheit für hochansteckende lebensbedrohliche Infektionen an der München Klinik Schwabing.

Einige Mutationen schon vor Omikron bekannt

Zu den aktuellen Corona-Zahlen (am Mittwoch lag die Sieben-Tage-Inzidenz laut Robert Koch-Institut deutschlandweit bei 258,6) erklärte Prof. Schuppert, dass man mit einer erheblichen Dunkelziffer rechnen müsse. Denn wegen der Weihnachtsfeiertage gebe es einen größeren Meldeverzug. Immerhin seien die relativ guten deutschen Zahlen im Vergleich zu den Nachbarländern wie Dänemark aber nicht nur darauf zurückzuführen, sondern auch darauf, dass die Omikron-Welle bei uns noch nicht so stark sei. In einigen nördlichen Bundesländern dominiert die Variante allerdings schon, die Bundesregierung erwartet ein ähnliche Entwicklung in Kürze für den Rest des Landes.

Der Grund dafür ist die höhere Infektiosität dieser Variante, die auch zu mehr Impfdurchbrüchen führt. Laut Andreas Schuppert hätten zweifach Geimpfte nur noch einen 25-prozentigen Impfschutz, bei Geboosterten liege dieser Wert bei 75 Prozent. Mittelfristig könnten wir so eine ähnliche Inzidenz wie Dänemark bekommen, die dort derzeit bei über 2.000 liegt. Das Problem in Deutschland: die Impfquote ist hier mit 71,4 Prozent deutlich geringer als beim nördlichen Nachbarn (82,8 Prozent). Denn zumindest gegen schwere Verläufe helfe die Impfung auch bei der Omikron-Variante immer noch sehr gut, so der Experte.

Erste Omikron-Infizierte ins Krankenhaus eingeliefert

Insgesamt führe die Variante auch seltener zu schweren Verläufen, wie Prof. Timm erläuterte. Das liege auch daran, dass Omikron meistens nur die oberen Atemwege angreife und nicht bis zu den Lungen dringe. "Das bedeutet aber nicht, dass Corona als Krankheit wegen Omikron keine Rolle mehr spielen wird", betonte der Virologe. Schließlich seien die Unterschiede zwischen den Varianten letztlich nur graduell.

Dass nun auch an der Omikron-Variante Erkrankte ins Krankenhaus eingeliefert werden müssen, konnte Clemens Wendtner bestätigen. Bei ihm im Haus habe es die ersten Fälle gegeben und das würden wegen der hohen Infektiosität von Omikron demnächst auch eher mehr werden. Und ein weiteres Problem ergibt sich aus der hohen Ansteckungsgefahr: Immer mehr Mitarbeiter etwa in Krankenhäusern oder Pflegeeinrichtungen fallen deswegen aus. Allein an der München Klinik befänden sich aktuell 24 Angestellte wegen einer Omikron-Infektion in Isolation, sagte Prof. Wendtner.

Das Thema ist auch bei der nächsten Ministerpräsidentenkonferenz am Freitag (07.01.2022) auf der Tagesordnung. Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) hatte bereits eine verkürzte Quarantäne-Pflicht angekündigt, um die kritische Infrastruktur zu entlasten. Falls dies komme, müsse das Ende der Quarantäne aber unbedingt mit einer Testung verbunden werden, forderte Wendtner: "Die Quarantäne darf nicht blind verkürzt werden." Denn andernfalls könnten noch infektiöse Ärzte oder Pflegerinnen nach der Isolation ihre Patienten anstecken.

Neue Variante wohl nicht mit Selektionsvorteil

Und auch mit der kürzlich in Frankreich entdeckten neuen Variante B.1.640.2 beschäftigte sich die Runde. Zwar sei noch nicht allzu viel über sie bekannt, aber es gebe wohl gewisse Ähnlichkeiten mit Omikron, erklärte Jörg Timm. Befürchtungen, dass sich B.1.640.2 auch so rasant verbreiten könnte, konnte der Experte leise dämpfen: "Bisher hat sich die Variante in den Gebieten, in denen sie beobachtet wurde, nicht durchgesetzt. Das ist ein Indikator dafür, dass sie keinen Selektionsvorteil gegenüber anderen Varianten hat."

1 Kommentar

Wagner vor 3 Wochen

Wie man aus den zwei Jahren gelernt hat ,wird es immer Mutanten geben.Damit muss man sich auseinandersetzen. Und man muss die Kapazitäten schaffen,dies zu verfolgen. Und nicht im Nebel stochern. Mich verwundert wie viele andere auch ,dass ein Industrieland erster Güte,das sich auch manchmal sehr überheblich gegenüber anderen zeigt ,nicht in der Lage ist ,einfache Strategieüberlegungen anzustellen und die umsetzt. Wahrscheinlich hat uns der Wohlstand die Sinne vernebelt.Wenn man kein Optimist wäre,würde das nichts Gutes für den Standort bedeuten.