Covid-19 Impfungen: Anfang Juli könnte Deutschland Herdenimmunität erreichen

Wann werden Corona-Beschränkungen in Deutschland aufgehoben? Werden wir die Masken fortwerfen und zusammen auf den Straßen feiern? Das Robert Koch-Insitut rechnet vor, wann Herdenimmunität erreicht werden könnte.

Jetzt laufen wir als Gesellschaft schon seit über einem Jahr im Pandemie-Modus. Wir werden überflutet von Meldungen, die oft nicht leicht einzuordnen sind und manchmal scheint es, als würde man vor lauter Wald die Bäume nicht mehr sehen. Heben wir also mal ab, fliegen wir mal in einen Abstand, in dem aktuelle Inzidenzwerte, Impfstoff-Zulassungen und Bettenbelegungen nur eine untergeordnete Rolle spielen. An welchem Punkt standen wir überhaupt vor einem Jahr? Welche Prognosen hatten wir im April 2020 für den Pandemieverlauf?

60 Prozent Immunität in der Bevölkerung reichen nicht mehr, jetzt sind es 80 Prozent

Vor einem Jahr haben wir vor allem darüber diskutiert, dass Männer offenbar doppelt so häufig sterben wie Frauen und dass es im Herbst schon Impfstoffe geben könnte. Und die gab es. Und es gab erste Berichte darüber, dass man sich wiederholt mit Corona anstecken könnte. Auch das wissen wir mittlerweile zur Genüge. Im Gegenteil, jetzt stellt sich die Frage, ob wir uns auch trotz Impfung wieder anstecken können. Ja, können wir.

Und das ist einer der Knackpunkte, der die Prognosen für den weiteren Verlauf so schwierig macht. Denn: was wir alle wollen, ist Herdenimmunität. Dann könnte das Gesundheitssystem mit den Erkrankten umgehen und die Einschränkungen müssten nicht länger bestehen bleiben. Aber wann ist die Herdenimmunität endlich erreicht? Vor einem Jahr gingen Wissenschaftler davon aus, dass etwa 60 Prozent der Bevölkerung einen Immunschutz gegen Corona haben müssten. Und jetzt?

Das Robert-Koch-Institut teilt schriftlich mit: "Durch die ansteckendere britische Mutante, die inzwischen auch in Deutschland dominiert, ist der Anteil der Immunität, die man fürs Stoppen braucht, gestiegen, die anfangs vermuteten etwa 60 Prozent reichen nicht mehr, vermutlich sind es jetzt 70-80 Prozent."

Und wo liegen wir jetzt? Das RKI hat hier keine aktuellen Zahlen, rechnet aber vor: 21,6 Prozent der Deutschen haben die erste Impfung, 6,9 bereits die zweite. Nehmen wir die 6,9 Prozent und addieren die Quote der natürlichen Infektionen, also der Menschen, die eine Covid-19 durchgemacht haben.

Zweitimpfungen plus durchgemachte Infektionen: Zwei Monate noch

Hier gibt es mehrere Schwierigkeiten: Einerseits ist nicht ganz klar, wie viel Immunität eine durchgemachte Infektion vermittelt. Und es ist nicht klar, wie viele Menschen erkrankt waren. Die laufenden Antikörperstudien seien laut RKI nicht alle so aussagekräftig, dass sie für einen Bundesdurchschnitt herhalten könnten. Nehmen wir also die Zahl der Genesenen, also derjenigen mit bestätigter Infektion und bestätigter Genesung. Das sind etwa 3 Millionen in Deutschland, entspricht also einem Anteil an der Gesamtbevölkerung von etwa 3,6 Prozent.

Das Robert Koch-Institut zählt hier noch eine Dunkelziffer hinzu, die davon ausgeht, dass jede zweite Infektion unentdeckt geblieben ist. 3,6 Prozent Genesene mal 2 plus 6,9 Prozent vollständig Geimpfte ergibt 14,1 Prozent Immunisierte. Täglich kommt etwa ein Prozent dazu, wenn man sich die aktuellen Impfquoten ansieht. Das bedeutet, es dauert noch etwa 86 Tage, bis wir theoretisch bei 100 Prozent liegen, aber nur noch 66 Tage bis wir bei die angepeilten 80 Prozent für die Herdenimmunität erreichen.

Noch zwei Monate, also etwa Anfang Juli. Das klingt machbar. Also dann, kehre ich wieder zurück auf den Boden in den Coronawald und hoffe, dass uns die Mutanten keinen Strich durch die Rechnung machen.

In einer früheren Version dieses Artikels hieß es, dass die Pandemie Anfang Juli vorbei sein könnte. Das war missverständlich, denn die Aussage bezieht sich nur auf Deutschland. Wann die Sars-CoV-2-Pandemie wirklich beendet werden kann, hängt davon ab, bis wann die gesamte Weltbevölkerung ausreichend immunisiert ist.

156 Kommentare

DermbacherIn vor 2 Wochen

Aber auch wenn ihre Ziele vernünftig und nachvollziehbar sind, nimmt die Absolutheit der Argumentation ähnlich religiöse Züge an wie die
die Hysterie, mit der aus der #nocovid-Blase auf alles reagiert wird, dass nicht ihrer Linie entspricht, würde jeder K-Gruppe der 70er gefallen.

Ritter Runkel vor 2 Wochen

@goffman
Das stimmt so nicht, jeder Provinzfürst bastelt sich seine Statistik selber! In der Stadt Jena wurden zur Berechnung die Einwohnerzahl nur die Einwohner in die Berechnung einbezogen, die am 09.11.2020 ihren Hauptwohnsitz in Jena hatten. Dies waren immerhin ca. 3000 Menschen weniger, als das vom Landestatistikamt angeben!

Querdenker vor 2 Wochen

Es gibt eine interessante Studie, welche sich auch an den Lieferprognosen und den täglichen Impfungen festmacht.

Die Studie hält den 31.07.2021 für machbar bzgl. alle Impfwillige Erwachsene (angenommene Impfbereitschaft von 75 Prozent). Die Prognose halte ich für realistisch.

siehe „ZDF Studie: Bis Ende Juli könnten alle gegen Corona geimpft sein“

Die derzeitige Impfgeschwindigkeit muss meiner Meinung nach aber deutlich erhöht werden. Alle sinnvollen Möglichkeiten müssen ausgeschöpft werden (z.B. auch „Drive-In-Impfen“). Die Vorbereitungen müssen schon jetzt dazu beginnen.

Es wäre gut, wenn die Presse den 7-Tagesdurchschnitt bei Impfungen ausweisen könnte und auch noch ggf. als Prognose die Tage bis zu einem möglichen Impfziel in dem Zusammenhang.

Ich gehe davon aus, dass wir aber schon vorher gute positive Effekte sehen werden. Sieht man ja auch an zum Beispiel Israel, wo schon viele geimpft sind.