Covid-19-Impfstoffe Astrazeneca: Biomarker zeigen, wie die Corona-Impfung wirkt

Ab wann sind Menschen durch die Impfung sicher geschützt vor einer Infektion mit Sars-CoV-2? Forscher der Uni Oxford legen nun Daten vor, die Antikörperlevel und Infektionsgefahr in Bezug zueinander setzen sollen.

Ein organge gefärbtes Coronavirus wird von weißen Antikörpern angegriffen.
Illustration die zeigt, wie Antikörper an der Oberfläche eines Coronavirus binden. Bildrechte: IMAGO / Science Photo Library

Forscher aus dem Entwicklungsteam des Astrazeneca-Impfstoffs haben erstmals Daten veröffentlicht, die zeigen sollen, welche Level an Antikörpern mit einem Schutz vor einer symptomatischen Infektion korrelieren. Damit ließen sich wichtige Fragen zur Wirksamkeit der Impfung beantworten: Wann ist ein mit Astrazeneca Geimpfter sicher vor Sars-CoV-2 geschützt, beziehungsweise wann ist die Gefahr einer Ansteckung mit Symptomen wieder größer? Die Forscher um Marryn Voysey und Andrew Pollard von der Universität Oxford haben die Ergebnisse vorab als Preprint-Studie veröffentlicht. Eine Begutachtung und kritische Einordnung der Werte steht also noch aus.

Daten von erkrankten Geimpften

Voysey und ihre Kollegen analysierten die Serum-Proben von 171 Breakthrough-Infektionen, also von Geimpften, die sich mit dem Virus ansteckten. Dann verglichen sie die Daten mit 1.404 Geimpften, die keine symptomatische Infektion entwickelt hatten. Die Daten bestätigten einen Zusammenhang, von dem schon andere Forschungsteams zuvor ausgegangen waren: Dass das Schutzniveau einer Impfung von der Menge der sogenannten neutralisierenden Antikörper abhängt.

Als neutralisierend werden Antikörper bezeichnet, wenn sie bei Labortests in der Lage sind, die Infektion von Zellen mit dem Virus vollständig zu verhindern. Das passiert dann, wenn sie beispielsweise die Stelle des Virus blockieren, mit der es an der Wirtszelle andocken will.

Studienteilnehmer, die mehr neutralisierende Antikörper hatten, sowie solche, die sich an das Spikeprotein des Coronavirus binden konnten, seien besser gegen eine symptomatische Infektion geschützt gewesen, wenngleich auch nicht absolut, berichtet das Magazin nature.

Wirksamkeit könnte schneller bestimmt werden

Die in der Studie vorgestellten Cut-Off-Werte, also die Schwelle zwischen Schutz und keinem Schutz, müssten aber noch gründlich geprüft werden, schreiben Forscher, die nicht an der Studie beteiligt waren. David Goldblatt, Impfstoffforscher am Universitätscollege in London, zweifelt auch daran, ob die vom Uni-Oxford-Team ausgemachten Schwellen auch für andere Impfstoffe gelten. "Wir brauchen diese Werte nicht nur für einen Impfstoff oder einen bestimmten Typ von Impfstoff, sondern für alle möglichen Hersteller und verschiedene Plattformen", sagte er dem Magazin nature.

Die Hoffnung der Wissenschaftler: Können die Schutzschwellen durch Antikörper oder andere durch Impfungen ausgelöste Immunantworten im Labor genau bestimmt werden, dann könnten klinische Testverfahren für neue Impfstoffe erheblich beschleunigt werden. Notwendig wären dann keine zeitaufwendigen Wirksamkeitsstudien mehr, die auf viele zufällige Infektionen von Kontrollpersonen angewiesen sind. Stattdessen könnten die klinischen Studien sich auf das Risiko von Nebenwirkungen und auf die Labortests konzentrieren.

Studien für andere Impfungen laufen

Forscher, die an der Entwicklung des Biontech/Pfizer mRNA-Impfstoffs beteiligt waren, bezweifeln zudem, dass neutralisierende Antikörper zuverlässig die Wirksamkeit eines Impfstoffs voraussagen könnten. So seien nach einer Dosis des Biontech-Vakzins zwar kaum neutralisierende Antikörper nachweisbar, das bei den Geimpften beobachtete Schutzniveau aber durchaus hoch.

Auch andere Teams arbeiten laut nature an ähnlichen Studien, die Korrelationen zwischen Biomarkern wie Antikörperwerten und dem Schutzniveau von Impfstoffen zeigen sollen. Für den Impfstoff von Moderna werden die Daten demnächst erwartet. Ein weiteres Team arbeitet auch an Daten für den Impfstoff von Johnson & Johnson.

(ens)

Quellen

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