Astrazeneca Studie: Wie viel Antikörper eine Covid-19 verhindern

Wissenschaftler der Uni Oxford haben Daten zum Immunkorrelat veröffentlicht. Die Forscher bestimmten die Menge der Antikörper, die Geimpfte haben müssen, um gegen eine Infektion geschützt zu sein.

3d-Illustration von Antikörper gegen das Coronavirus
Antikörper und ein Virus zwischen Blutkörperchen (Grafik). Bildrechte: IMAGO / Alexander Limbach

Welche Menge an Antikörpern im Blut schützt nach der Corona-Impfung noch vor einer Ansteckung mit SARS-CoV-2? Überall auf der Welt suchen Forscher aktuell nach diesem sogenannten Immun-Korrelat dem Wert, der ablesbar macht, wann Auffrischungsimpfungen gegen Covid-19 sinnvoll wären. Bereits im Juli hatten Forscher aus dem Impfstoffteam der Universität Oxford erste Daten vorgelegt. Das Team steht hinter der Entwicklung des Astrazeneca-Impfstoffs. Jetzt ist die Studie begutachtet worden und im Fachblatt nature medicine erschienen. Damit gibt es jetzt erste Hinweise, trotzdem sind noch sehr viele Fragen offen.

Immunkorrelate bei Astrazeneca-Studie ähnlich wie bei moderna

Bei der jetzt vorgelegten Studie hatte das Wissenschaftlerteam bei insgesamt 1575 Teilnehmern der klinischen Zulassungsstudie Antikörperwerte 28 Tage nach der zweiten Impfung untersucht. 171 der Versuchspersonen infizierten sich innerhalb der anschließenden 90 Tage mit dem SARS-Coronavirus-2. Allerdings hatten nur 74 Teilnehmer auch Symptome. Aus den erhobenen Werten errechneten die Wissenschaftler nun, wie viele bindende Antikörper nach der Impfung vorhanden sein mussten, um danach gegen das Virus geschützt zu sein.

Demnach waren Menschen zu 80 Prozent geschützt, wenn sie 28 Tage nach der Impfung 264 bindende Antikörpereinheiten pro Milliliter Blut (BAU/ml) von den IgG-Antikörpern gegen das Corona-Spikeprotein hatten. Bei Antikörpern gegen die Rezeptorbindungsdomäne lag der Wert bei 506 BA/ml. In einer anderen, bislang nur als preprint vorliegenden Studie hatten Forscher ähnliche Werte für den Impfstoff von moderna gemessen.

Werte können nicht in medizinische Praxis übersetzt werden

"Antikörpertiter sind in der Praxis relativ einfach und genau zu messen, insofern ist das eine wichtige Studie", kommentierte Bern Salzberger die Ergebnisse. Salzberger ist Leiter der Infektiologie am Uniklinikum in Regensburg und Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Infektiologie. Zwar spielen bei der Immunität gegen das Virus auch B- und T-Zellen eine große Rolle. Die sind aber schwerer zu messen.

Salzberger hält allerdings die statistische Zuverlässigkeit der vorgelegten Daten noch für zu gering, da die beobachtete Teilnehmermenge nicht groß genug gewesen sei. Daher könnten die Werte nicht herangezogen werden, um bei einzelnen Patienten zu beurteilen, wie gut sie gegen eine Ansteckung geschützt seien. "Mit diesen Einschränkungen können die Ergebnisse keinesfalls in die klinische Praxis übersetzt werden: Es ist nicht möglich, aus einem tagesaktuellen Titerwert auf den in der Studie benutzten Parameter zurückzuschließen", sagte Salzberger dem Sciencemediacenter. Eine Entscheidung über die Notwendigkeit einer weiteren Booster-Impfung muss also vorerst anders getroffen werden.

Viele Jahre Impfschutz möglich

Carsten Watzl, Leiter des Forschungsbereichs Immunologie an der TU Dortmund, wiederum glaubt, dass die vorgelegten Daten einen wichtigen Baustein liefern, die richtigen Werte für Korrelate herauszufinden. Da die Tests standardisiert seien, seien die Daten gut mit den Ergebnissen anderer Studien vergleichbar. "Es wird allerdings noch mehrere solcher Studien benötigen, um wirklich einen Wert final festlegen zu können."

Watzl betonte, dass es nicht möglich sei, Korrelate für einen Schutz gegen eine asymptomatische Infektion zu berechnen. "Das schaffen die Impfstoffe nicht." Zudem verändere sich der Wert durch die jeweils zirkulierende Virusvariante. Die vorgelegten Werde gelten für Alpha. "Aktuell bräuchten wir allerdings einen Wert für den Schutz gegen die Delta-Variante. Diese ist etwa 50 Prozent ansteckender, also müsste man den Grenzwert in etwa mit 0,5 multiplizieren." Wie sich der Schutz der Impfung über die Zeit entwickelt, sei wiederum eine andere Frage. "Die Antikörpertiter haben nach der Impfung einen zweiphasigen Abfall und stabilisieren sich irgendwann." Später würden dann Gedächtniszellen wichtiger, die bei Bedarf neue Antikörper herstellen. "So ist es dann eventuell möglich, dass ein Impfschutz auch mehrere Jahre hält. Ein Leben lang wird er eher nicht halten", sagt Watzl.

(ens/smc)

1 Kommentar

Matthi vor 1 Wochen

Ist zwar ein Interessanter Artikel aber die Frage ist doch macht es Sinn sich vorher auf Antikörper Testen zu lassen um zu wissen ob eine 3. Impfung notwendig ist oder nicht. Leider sind sich Experten nicht einig über eine 3. Corona Impfung flächendeckend.