Mikrobiom Mikrobielle Signatur: Darmbakterien können Depressionen beeinflussen

In zwei verschiedenen niederländischen Studien erforschten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler welchen Einfluss das menschlich Darmmikrobiom auf die Ausprägung von Depressionen habt. Sie stellten fest, dass es eine mikrobielle Signatur gibt, die über unterschiedliche ethnische Gruppen hinweg mit der Ausprägung depressiver Symptome im Zusammenhang steht. Außerdem fanden sie heraus, dass Darmbakterien bestimmte chemische Stoffe produzieren, die mit Depressionen in Verbindung gebracht werden.

Darm Bakterien grafisch dargestellt
Bildrechte: IMAGO / Science Photo Library

Die genauen Ursachen für Depressionen sind nach wie vor weitgehend unbekannt und damit auch die Behandlungsmöglichkeiten begrenzt. Doch es gibt Ansätze und Vermutungen, denen nachgegangen wird. Gleich zwei niederländische Studien, die im Fachmagazin Nature Communications veröffentlicht wurden, haben sich mit der Frage beschäftigt, ob Darmbakterien, wie vermutet, Einfluss auf die Ausprägung depressiver Symptome haben. Die kurze Antwort lautet: Ja.

Mikrobielle Signatur identifiziert

Die lange Antwort ist natürlich etwas komplexer. In der ersten Studie untersuchten Jos Bosch, Anja Lok, Susanne de Rooij und Kollegen das Mikrobiom von 3.211 Menschen aus sechs unterschiedlichen ethnischen Gruppen, die alle in Amsterdam leben. Interessant war das für die Forschenden, weil sowohl das Mikrobiom, also alle auf und im Menschen lebenden Mikroorganismen, und auch die Ausprägung depressiver Symptome in verschiedenen ethnischen Gruppen stark variieren. Nach Auswertung aller Daten stellten die Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen fest, dass es eine mikrobielle Signatur gibt, die auf depressive Symptome hinweist. Diese Signatur veränderte sich über die untersuchten ethnischen Gruppen weitgehend nicht.

Synthese chemischer Botenstoffe

In der zweiten Studie verglichen Najaf Amin, Robert Kraaij, Djawad Radjabzadeh und Kollegen die Merkmale der Darmmikrobiota von 1.054 Teilnehmern einer anderen Kohorte. Dabei fanden sie 13 verschiedene mikrobielle Einheiten (Taxa), die mit depressiven Symptomen in Zusammenhang gebracht werden. Die Forschenden stellten fest, dass diese Darmbakterien an der Synthese chemischer Botenstoffe beteiligt sind, die mit Depressionen in Verbindung gebracht werden. Dazu zählen zum Beispiel Glutamat, Butyrat, Serotonin und Gamma-Aminobuttersäure (GABA).

Ansatz für neue Therapien

Beide Studien zeigen, dass unser Darm Einfluss auf die Entwicklung depressiver Symptome haben kann. Hier könnte ein wichtiger Ansatzpunkt für zukünftige Therapien gegen Depressionen liegen. Die klinischen Auswirkungen dieser Studienergebnisse müssen noch experimentell bestätigt werden.

JeS

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Hauptsache Gesund | 03. November 2022 | 21:00 Uhr

0 Kommentare