Raubfliege mit Piratenflagge
Eine Raubfliege der Gattung "Machimus arthriticus", grafisch von uns leicht ergänzt, um den wahren Charakter der Bestie bessr zur Geltung zu bringen. Bildrechte: Collage: Dr. Björn Marcus von Reumont/Universität Leipzig / Colourbox.de

Von wegen harmlos Das tödliche Gift der Raubfliegen

Nervig ja, aber gefährlich? Fliegen gelten als ausgesprochen harmlose Geschöpfe. Kaum bekannt ist, dass es auch einige Arten gibt, die über derart effektive Gifte verfügen, dass sie damit Wespen und sogar Libellen in Angst und Schrecken versetzen.

von Clemens Haug

Raubfliege mit Piratenflagge
Eine Raubfliege der Gattung "Machimus arthriticus", grafisch von uns leicht ergänzt, um den wahren Charakter der Bestie bessr zur Geltung zu bringen. Bildrechte: Collage: Dr. Björn Marcus von Reumont/Universität Leipzig / Colourbox.de

"Der kann keiner Fliege etwas zuleide tun", lautet ein Sprichwort, mit dem man ausgesprochen friedliche Zeitgenossen beschreibt. Die Rolle der Fliege in diesem Sprachbild ist klar: Vielleicht ist ihr Summen nervig, aber wehren kann sie sich nicht. Fliegen gelten als noch harmloser, als selbst die friedfertigsten Menschen. Diese landläufige Vorstellung der Spezies Fliege ist allerdings nicht in allen Fällen wahr. Darauf macht eine neue Studie Leipziger Wissenschaftler aufmerksam, an der auch britische, australische und französische Forscher mitgewirkt haben.

Das internationale Team um den Leipziger Biologen Björn Marcus von Reumont untersuchte die kaum bekannte Gruppe der Raubfliegen. Diese winzigen Tiere verfügen über starke Gifte und hocheffiziente Stechapparate. Mit diesen Werkzeugen können sie große und wehrhafte Räuber wie Libellen oder Wespen jagen. Die Forscher haben dazu die Gliedmaßen der winzigen Tiere mit hochauflösenden Computertomografen sichtbar gemacht. Hierbei kam auch die Strahlung eines Teilchenbeschleunigers des Paul Scherrer Instituts in der Schweiz zum Einsatz.

Verwendung als Biospritzmittel möglich

In der Studie, die nun im Fachjournal "Toxine" erschienen ist, geht es vor allem um das eingesetzte Gift. Bei dessen Analyse fanden die Forscher zehn ihnen bislang unbekannte Eiweißverbindungen. "Spannend ist für uns natürlich zu untersuchen, wie sich diese offensichtlich nur in Raubfliegen einzigartigen Proteine entwickelt haben", sagt von Reumont.

Die Zeit drängt: Viele Arten diese Gruppe seien inzwischen vom Aussterben bedroht, zugleich sei über die Gifte dieser Insekten wenig bekannt, so die Leipziger Forscher. Sie schätzen, dass die nun entdeckten Substanzen auch Potenzial in der Arzneiherstellung oder für die Landwirtschaft haben, wo sie als biologische Mittel gegen Schädlingsbefall eingesetzt werden könnten.

Giftig wie Skorpione

Die Wirkung des entdeckten Giftes sei ähnlich stark, wie die Substanz, die die hochgiftige Tunnelnetzspinne einsetzt, schätzt Stephan Holger Drukewitz von der Universität Leipzig. Es ähnele in seiner Struktur den Giften von anderen Spinnen, Skorpionen, Kegelschnecken und Raubwanzen.

Die Studie ist Teil der Arbeit einer Forschungsgruppe, die neben der Leipziger Universität auch vom Naturhistorischen Museum London und der Deutschen Forschungsgemeinschaft finanziert wird. Auch Forscher aus Köln, Montpellier (Frankreich) und Brisbane (Australien) nehmen daran teil.

Dieses Thema im Programm: MDR JUMP | Radio | 10. Januar 2018 | 15:25 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 10. Januar 2018, 09:43 Uhr