Frau beim Spaziergang mit Hunden im Regen
Bildrechte: IMAGO

Niederschlagsforschung Landregen stammt immer aus Eiswolken

Wettervorhersagen sind heute sehr zuverlässig, verglichen mit dem was uns da vor 20 Jahren geboten wurde. Temperaturen, Sonnenscheindauer, das klappt alles wunderbar. Aber bei einer Sache sind die Vorhersagen immer noch sehr unzuverlässig. Beim Regen. Warum ist das so?

von Annegret Faber

Frau beim Spaziergang mit Hunden im Regen
Bildrechte: IMAGO

Um eine Wolke entstehen zu lassen brauchen wir Luft, Wasser, Sonne, die den Boden erwärmt und viele kleine Teilchen. Ohne Teilchen keine Wolke. An ihnen kondensiert das Wasser. Viele kleine Kondensationskeime bilden dann eine Wolke. Scheint alles ganz einfach. Trotzdem sei es nicht möglich sicher vorher zu sagen, wann es aus der Wolke regnet, sagt die Physikerin in Heike Wex vom TROPOS, dem Leibniz-Institut für Troposphärenforschung in Leipzig.

Und es gibt so viele verschiedene Sorten Wolken, dass es da auch noch ganz viele ungeklärte Prozesse gibt.

Heike Wex, TROPOS Leipzig

Wir wissen, wann und wo eine Wolke entsteht, so die Wolkenexpertin. Aber dann wird es schon schwieriger. Wie verteilen sich die Tropfen? Wieviel Eis ist in der Wolke? Wann wird sie abregnen? "Solche Sachen sind unklar“, so Wex.

Auch Gase können Wolken bilden

Unklar ist auch, welche Teilchen an der Wolkenbildung beteiligt sind. Vor wenigen Jahren fanden Forscher heraus: Nicht nur feste Teilchen, auch Gase können Wolken bilden. Vorher war das kein Thema und wurde in Wettermodellen nicht beachtet. Nun war klar: Wälder sind regelrechte Wolkenmaschinen. Sie emittieren tonnenweise Gase, die durch chemische Prozesse später auch zu Wolken-Kondensationskeimen werden. Meteorologe Johannes Mülmenstädt von der Leipziger Universität machte ebenfalls eine interessante Entdeckung. Vor ziemlich genau zwei Jahren erklärt er in einer Studie:

Über Land, außerhalb der Tropen, entsteht sämtlicher Niederschlag aus Eiswolken.

Johannes Mülmenstädt, Uni Leipzig

Über dem Festland regnet es also aus Eiswolken, über dem Wasser aus Flüssigwasserwolken. Doch was bringt das für die Wettervorhersage? Die Forscher wissen: Eiswolken brauchen länger, bis es aus ihnen regnet als Wasserwolken. Eiskugeln können außerdem größer werden als Wassertropfen. Aber wann gibt es den Impuls zum Abregnen? Und wo ist die Wolke dann? Es gibt jede Menge offene Fragen, sagt TROPOS-Forscher Frank Stratmann. Und dann gibt es auch noch die Dynamik in einer Wolke. Der nächste unberechenbare Prozess.

Das merkt man wenn man im Flugzeug sitzt und durchgeschüttelt wird. Und welche Auswirkungen die Dynamik hat, ist auch noch nicht quantitativ wirklich verstanden und auch nicht qualitativ.

Frank Stratmann, TROPOS Leipzig

Wo zieht eine Wolke hin und vor allem, wann sind die Tropfen oder Eiskugeln so groß, dass sie aus der  Wolke fallen? Physiker und Meteorologen wissen es nicht genau. Deshalb ist es schon gar nicht möglich, Regenvorhersagen für einen Ort oder ähnlich kleine Gebiete zu machen. Sie werden also auch in den kommenden Jahre noch sehr unzuverlässig bleiben.

mehr wetter

BissenWissen: Regen 2 min
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL Radio | 10. August 2018 | 17:50 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 10. August 2018, 16:08 Uhr