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Eine junge Mutter mit ihrem Kleinkind im Homeoffice. Bildrechte: IMAGO / Winfried Rothermel

Corona-Datenprojekt

Homeoffice oder nicht? Wie das Einkommen entscheidet

von Michael Schönherr

Stand: 30. April 2021, 13:15 Uhr

Kontaktbeschränkungen, Kurzarbeit und geschlossene Geschäfte – die Maßnahmen gegen die Corona-Pandemie haben die gesamte Arbeitswelt verändert. Vor allem Homeoffice, also das Arbeiten von zu Hause aus, erlebte einen Boom. Doch eine Datenanalyse zeigt, dass diese neue Form des Arbeitens nicht überall gleich umgesetzt werden kann.

Durch die Corona-Verordnungen waren viele Menschen plötzlich auf ihre eigenen vier Wände beschränkt. Gegenseitige Besuche wurden vermieden und Kinder mussten betreut und beschult werden. Hinzu kam das Arbeiten von zu Hause aus, mit den digitalen Möglichkeiten mittlerweile kaum ein Problem. Für viele wurde die Pandemie zu einer Art Experimentierfeld, wie und wie umfassend Homeoffice möglich ist. So beziffert das ifo Institut das theoretische Potenzial auf 56 Prozent der Erwerbstätigen.

Abhängig von vielen Faktoren

Doch die Chance auf Homeoffice hängt von vielen Faktoren ab, die auch regional unterschiedlich sein können. Das zeigen Mobilitätsdaten aus Handys und Navigationssystemen, die für die vier Großstädte Dresden, Leipzig, Düsseldorf und Frankfurt am Main untersucht wurden. Ein Vergleich der Verkehrsbelastung zwischen 2019 und 2020 zeigt deutlich, dass der Rückgang ab März 2020 in den beiden westdeutschen Metropolen weit stärker war als in den beiden ostdeutschen Städten.

Nicht jeder Job funktioniert im Homeoffice

Düsseldorf und Frankfurt am Main sind Städte mit einem hohen Anteil an Jobs in Versicherungs- und Finanzdienstleistungen oder ähnlichen Bereichen. Hier sind digitale Tätigkeiten am heimischen Arbeitsplatz viel besser möglich als in der Industrie, im Handwerk oder im Baugewerbe. Das ist aber nur eine mögliche Erklärung. Eine andere liegt in den unterschiedlichen Lohnniveaus. Gerade diese beiden Städte gehören zu den einkommensstärksten in Deutschland, weswegen die Angestellten hier wahrscheinlich häufiger zusätzliche Arbeitsräume zu Hause haben, oder zumindest einen eingerichteten Arbeitsplatz.

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Leipzig: Rückgang des Berufsverkehrs

Der Zusammenhang, der im regionalen Ost-West-Vergleich erkennbar wird, lässt sich sogar auf lokaler Ebene nachvollziehen. Am Beispiel Leipzigs lässt sich für alle 63 Ortsteile errechnen, inwieweit der Berufsverkehr zurückgegangen ist. Hierfür wurden im Rahmen einer Start-Ziel-Analyse die morgendlichen Abfahrten von zu Hause zwischen 6 und 9 Uhr gemessen. Dabei wurden jeweils die Zeiträume von März bis Dezember in den Jahren 2019 und 2020 miteinander verglichen. Zunächst zeigen auch diese Daten über die gesamte Stadt gesehen einen Rückgang des morgendlichen Berufsverkehrs – allerdings nicht überall.

Mehr Homeoffice in wohlhabenden Stadtteilen

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Bei der Tiefenanalyse für jeden einzelnen Stadtteil gibt es deutliche Unterschiede. Wenn man diese mit dem jeweiligen Einkommen vergleicht, zeigt sich: In den einkommensstarken Stadtteilen blieben viel mehr Menschen zu Hause und damit im Homeoffice, als in den einkommensschwachen Stadtteilen. Betrachtet man allein die Stadtteile mit einem für Leipziger Verhältnisse überdurchschnittlichem Einkommen, gab es einen Rückgang der Fahrten um rund fünf Prozent. In den Stadtteilen mit einem unterdurchschnittlichen Einkommen gab es keinen Rückgang, sondern sogar einen leichten Anstieg von 0,2 Prozent.

Einkommensschwächere fahren weiter zur Arbeit

Menschen mit geringeren Einkommen sind also weiterhin zur Arbeit gefahren. Es ist davon auszugehen, dass es sich hierbei auch um systemrelevante Jobs handelt, also Tätigkeiten in Supermärkten, Krankenhäusern oder Pflegeheimen. Es ist klar, dass diese Berufe mit Homeoffice nicht umsetzbar sind. Umgekehrt heißt das aber auch, dass diese Jobs offenbar nicht sehr hohe Einkommen einbringen, wenn die Menschen in den vermeintlich "ärmeren" Stadtteilen wohnen. Dahingegend geht die Debatte um mehr Homeoffice an den Berufstätigen in diesen Stadtteilen möglicherweise vorbei.

Methode der DatenanalyseGrundlage der Analyse sind Echtzeit-Daten des Navigationsdienstleisters TomTom, die die örtliche Verkehrsbelastung nach Wochen, Tagen oder auch Stunden auswertbar machen. Dabei wird die jeweilige Staubelastung (congestion level) in Prozent gemessen. Das heißt, es wird berechnet, um wie viel Prozent die Autofahrer für eine Strecke länger unterwegs sind, als sie ohne jegliche Behinderung benötigt hätten. Wo zum Beispiel statt 20 Minuten für eine Strecke 30 Minuten benötigt werden, liegt die Staubelastung bei 50 Prozent. Die Staubelastung drückt also den Zeitverlust durch Verkehrsbehinderungen aus.

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Bremst Corona den Verkehr aus?

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