Kooperation Uni Leipzig - MDR Wissen 30 Jahre deutsche Einheit - das Deutschland-Doppel zeigt, wo wir uns nah sind

Anlass des Deutschland-Doppels ist der 30. Jahrestag der Wiedervereinigung. In der Bundesrepublik Deutschland leben Menschen in 401 verschiedenen Landkreisen und kreisfreien Städten: von der Städteregion Aachen bis zum Landkreis Zwickau. Doch welche Gemeinsamkeiten gibt es im Leben der Menschen im niedersächsischen Landkreis Leer und in der Stadt Dessau-Roßlau? Wie sehr gleichen sich die Lebensbedingungen in der Stadt Kaiserslautern und des Landkreis Schmalkalden Meiningen?

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Daten, Zahlen, Garfiken - und Studierende, die auf Monitore schauen. Das war der größte Teil des Projektes. Bildrechte: Panther Media/Uni Leipzig

30 Jahre Wiedervereinigung - 30 Jahre Geschichten erzählen aus Ost und West. Manchmal scheint es, als wären schon alle Geschichten erzählt. Geschichten der Trennung und der Unterschiede, dabei muss es doch in 30 Jahren gemeinsamer Geschichte auch viele Gemeinsamkeiten geben. Wir, also Studierende des M.Sc. Journalismus der Universität Leipzig, haben uns in einer einzigartigen Kooperation mit MDR Wissen daran gesetzt, diese Gemeinsamkeiten unter dem Namen Deutschland-Doppel zu finden.

Man nehme 401 Landkreise und kreisfreie Städte und untersuche anhand von 40 verschiedenen Kategorien, wie sehr sich das Leben gleicht. Denn das Deutschland-Doppel zeigt nicht die Unterschiede, sondern die Gemeinsamkeiten im Leben und den Lebensgewohnheiten der Menschen in Deutschland. Machen wir uns frei von Ost und West, Nord und Süd, sondern denken in Kreisen und Städten. Ein spielerisches Tool ermöglicht uns, einen Kreis oder eine kreisfreie Stadt auszuwählen und dann zu sehen, mit welchen anderen Kreisen oder Städten Gemeinsamkeiten vorliegen. Wir erwecken das Deutschland-Doppel zum Leben.

Quellen der Gemeinsamkeit

Um herauszufinden, wo Gemeinsamkeiten vorliegen, haben wir eine Vielzahl von Datenquellen angezapft. Der Bundeswahlleiter kennt die offiziellen Wahlergebnisse der letzten Bundestags- und Europawahl. Die Deutsche Bahn verrät, wie viele Bahnhöfe es gibt. Das Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung weiß, wie weit es von der eigenen Haustür bis zum nächsten internationalen Flughafen ist. Aber auch Open-Source-Projekte bieten spannende Einblicke, wie beispielsweise die Anzahl der Biergärten.

Deutschland-Doppel-Präsentation
Hinter dem innovativen Projekt stecken unzählige Stunden Arbeit. Am 30. Januar 2020 wurden die Ergebnisse zum ersten Mal den Mitstudenten präsentiert. Auf große Aufregung folgte Applaus. Bildrechte: Daniel Vogelsberg

Viele Datensätze werden von staatlichen Institutionen zur Verfügung gestellt. Der Staat weiß, wie hoch die Betreuungsquote ist, wie viele Menschen heiraten, aber auch wie viele von ihnen die Scheidung einreichen. Ebenso erheben Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler Daten: Wie hoch ist eigentlich die Lichtverschmutzung? Wie viele Ärztinnen und Ärzte in Deutschlands Landkreisen und kreisfreien Städten tätig sind, weiß hingegen die Kassenärztliche Bundesvereinigung.

Die Daten machen uns vergleichbar

Problematisch ist, dass viele Datensätze nur in Rohform vorliegen. Um eine Vergleichbarkeit zwischen den Landkreisen und kreisfreien Städten zu ermöglichen, haben die Studierenden mit den Daten gerechnet und sie in einer greifbaren Größenordnungen dargestellt. Wird beispielsweise die Anzahl der Rinder verglichen, wären die absoluten Zahlen wenig aussagekräftig. Deswegen wurde berechnet, wie viele Rinder es pro 1.000 Einwohner gibt. Hierzu wurde die aktuelle Einwohnerzahl der Landkreise herangezogen.

Entstanden ist ein Projekt, welches uns zwei Dinge zeigt: Wie ähnlich wir uns in den verschiedenen Kreisen sind und gleichzeitig wie individuell sich die Besonderheiten auf lokaler Ebene zeigen. Dabei fördert das Deutschland-Doppel auch Überraschendes zutage. Oder hätten Sie gedacht, dass es von München und Meißen genauso weit zum nächsten internationalen Flughafen ist? Und so wurde aus den Daten eine Geschichten-Maschine.

Semesterübergreifendes Projekt

Welche Geschichten das sind, das fanden die Studierenden des 2. Semesters des Master Journalismus der Uni Leipzig im Frühjahr 2020 heraus. Denn sie bekamen den Staffelstab weitergereicht, durften als erste das Tool nutzen - so begann eine semesterübergreifenden Zusammenarbeit. Sie schauten auf Tabellen und Zahlen und fanden die Menschen dahinter. Sie telefonierten, recherchierten, fuhren durch das Land, um diese Menschen zu treffen und über das Leben hinter den Daten zu erzählen. Im Herbst 2020 werden diese Geschichten nach und nach auf MDR Wissen veröffentlicht. Hier können Sie sie dann finden.

(tg)

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