Zwei große Kraftwerkstürme bei Sonnenuntergang, viele Schleierwolken, viel wolkiger Ausstoß aus Türmen, tief-rote Stimmung, untergehende Sonne direkt sichtbar. Weitere kleine Schornsteine und kastenförmiger Kraftwerksbau.
Die Industrie ist einer der größten Verursacher klimaschädlicher Treibhausgase, weil sie nach wie vor hauptsächlich fossile Energieträger nutzt. Die Defossilisierung zielt darauf ab diese Energieträger zu ersetzen, durch solche, die auf erneuerbare Energie zurückgehen. Bildrechte: imago/Sven Simon

Klimawandel Dekarbonisierung oder Defossilisierung – was ist eigentlich der Unterschied?

22. Mai 2023, 11:21 Uhr

Weil CO2 als klimaschädliches Treibhausgas ganz oben auf der Feindesliste im Kampf gegen den Klimawandel steht, gibt es mittlerweile zahlreiche Strategien, um dessen Ausstoß zu vermeiden oder zu verringern. Die Begriffe Dekarbonisierung und Defossilisierung sind dabei in der Klimadebatte zentral. Und obwohl sie oft synonym verwendet werden, haben sie doch im Grunde unterschiedliche Bedeutungen.

Um die Pariser Klimaziele zu erreichen und das Voranschreiten der Erderwärmung aufzuhalten, ist es dringend nötig, dass sehr viel weniger klimaschädliches CO2 in die Atmosphäre entlassen wird. Im Moment sind wir davon aber noch weit entfernt und gerade der Energiesektor und die Industrie setzten nach wie vor hauptsächlich auf die Nutzung fossiler Energieträger wie Kohle, Gas und Öl. Um dem entgegenzuwirken werden zahlreiche Strategien erarbeitet und immer wieder fallen die Begriffe Dekarbonisierung und Defossilisierung. Mitunter werden sie sogar synonym verwendet, doch es gibt durchaus einen Unterschied.

Dekarbonisierung vs. Defossilisierung

Im Begriff Dekarbonisierung versteckt sich das Wort carbon – also der Kohlenstoff. Dekarbonisierung bezeichnet also vereinfacht gesagt die Abkehr vom Kohlenstoff. Aber – gestatten Sie mir diesen Einschub – die Abkehr vom Kohlenstoff ist gar nicht möglich und auch nicht nötig. Ebenso wie die Verteufelung des Begriffes. Denn ohne Kohlenstoff gäbe es kein Leben. 90 Prozent aller Verbindungen sind Kohlenstoff-Verbindungen. Zum Beispiel CO2. Und auch dieses Kohlenstoffdioxid darf nicht per se verteufelt werden, denn schließlich ist es in vielen Bereichen unseres Lebens essentiell. Aber, dass wir Menschen es so weit gebracht haben, dass es ein erhebliches Zuviel an CO2 und anderen Treibhausgasen in unserer Atmosphäre gibt, ist natürlich tatsächlich ein großes Problem.

In diesem Sinne bedeutet Dekarbonisierung also, dass CO2-intensive Prozesse durch CO2-arme oder neutrale Prozesse ersetzt werden sollen. Das heißt zum Beispiel, den Strom aus Solar- oder Windenergie zu ziehen und in Häusern strombetriebene Wärmepumpen anstelle von Ölkesseln zu benutzen. Für eine erfolgreiche Dekarbonisierung müssten alle CO2-emittierenden Technologien ersetzt werden.

Energieintensive Industrie mit Einsparungspotenzial

Gerade die energieintensive Industrie gehört zu den Hauptverursachern des CO2-Ausstoßes. Im Jahr 2020 waren es laut Bundesumweltamt mehr als 178 Millionen Tonnen CO2-äquivalenter Treibhausgasemissionen. Ein großer Teil davon entfällt auf die Eisen- und Stahlbereiche, Raffinerien und die Zementbranche. Hier werden sehr hohe Temperaturen benötigt und die lassen sich leider am einfachsten durch die Verbrennung kohlenstoffhaltiger Brennstoffe wie Kohle, Gas und Öl erreichen. Diese fossilen Brennstoffe müssen also ersetzt werden. Zum Beispiel durch die Verwendung von Biomasse. Weil aber auch dabei CO2 freigesetzt wird, kann man strenggenommen nicht von einer Dekarbonisierung sprechen, sondern sollte auf den Begriff Defossilisierung zurückgreifen.

Denn auch in Zukunft wird es Bereiche geben, die nicht CO2-frei sein können, weil sie nur sehr aufwendig oder gar nicht elektrifiziert werden können. Hier zählen zum Beispiel der Flug- und Schiffsverkehr dazu. Aber auch in manchen Industriezweigen ist der Verzicht auf Kohlenstoff schlichtweg nicht möglich, weil er ein wichtiger Rohstoff ist – in der Kunststoffproduktion etwa.

Fossilfreie Energieträger

Das Ziel der Defossilisierung ist es also, die fossilen Energieträger zu ersetzten. Hierfür gibt es viele verschiedene Ansätze. Das geht von der Nutzung von Green Fuels für das Transportwesen, die Elektrifizierung von Wärmeprozessen hin bis zur Sektorenkopplung, bei der überschüssiger Strom aus Solar- und Windenergie in Zeiten hoher Produktion in den Sektoren Wärme und Mobilität genutzt werden kann. Aber auch der Ausbau des Wasserstoffsektors für eine effiziente Zwischen- und Langzeitspeicherung von Strom spielt hier eine Rolle, sowie die Etablierung effizienter Kohlenstoffkreisläufe. Fakt ist, die eine Lösung gibt es nicht und es bedarf vieler verschiedener innovativer Technologien, um die Klimaziele zu erreichen.

JeS

Ein riesiges H und eine riesige 2 schwimmen in einem Meer. 45 min
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Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN | THÜRINGEN-JOURNAL | 16. Mai 2023 | 19:00 Uhr