Corona Covid-19: Impfen wichtig, obwohl Delta der Antikörperantwort ausweicht

Die Covid-19 Varianten Delta und Delta-Plus infizieren Lungenzellen effektiver und werden schlechter durch Antikörper gehemmt. Das fanden deutsche Forscherinnen und Forscher in zwei neuen Studien heraus. Trotzdem schütze eine Impfung gegen eine schwere Erkrankung mit Covid-19.

Symbolfoto - Blutprobe mit Coronavirus Delta-Variante
Dominiert die Krankheit: Die Covid-19-Deltavariante. Bildrechte: imago images/Christian Ohde

Mehr als 99 Prozent der SARS-CoV-2 Infektionen gehen laut Robert-Koch-Institut derzeit auf die Delta-Variante zurück. Forschende des Deutschen Primatenzentrum (DPZ) – Leibniz-Institut für Primatenforschung in Göttingen, der Medizinischen Hochschule Hannover, der Universitätsmedizin Göttingen und der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg haben nun erklärt, warum diese Virus-Variante so erfolgreich ist.

Verschmelzung von Zellen

Mit Hilfe von Zellkulturen konnten sie zeigen, dass es der Delta-Variante (B.1.617.2) und der Variante Delta-Plus besser gelingt, in die Lungenzellen einzudringen und infizierte Lungenzellen mit nicht infizierten Zellen zu verschmelzen.

"Es ist denkbar, dass sich die Delta-Variante durch die Verschmelzung von Zellen in den Atemwegen besser ausbreiten und größeren Schaden anrichten kann. Das könnte zu schwereren COVID-19-Verläufen beitragen“, vermutet Prerna Arora, Wissenschaftlerin am Deutschen Primatenzentrum und Erstautorin zweier Studien, die sich speziell mit der Delta- und Delta Plus-Variante befassen.

Die Forschenden haben dabei getestet, wie die Varianten auf Antikörper reagieren. Dafür benutzten sie monoklonale Antikörper, die bei der Behandlung von Covid-19 eingesetzt werden. Dabei handelt es sich um Proteine, die gentechnisch hergestellt werden. Im Gegensatz zum Immunsystem, das eine Vielzahl von unterschiedlichen Antikörpern bildet, werden bei der Covid-19-Therapie ganz gezielt isolierte Antikörper oder bestimmte Kombinationen dieser Antikörper eingesetzt. Die Forschenden haben vier dieser Antikörper unter die Lupe genommen und festgestellt, dass Delta weitgehend resistent gegen diese ist. Genauer gesagt ist die Variante resistent gegen den Antikörper Bamlanivimab. Delta-Plus ist sogar resistent gegen Bamlanivimab und Etesevimab, die in Kombination eingesetzt werden. Diese Resistenz hat wahrscheinlich dazu beigetragen, dass sich die Delta-Variante so rasch und erfolgreich ausgebreitet hat.

Impfung wirkungslos?

Nun könnte man denken, dass eine Impfung gegen Covid-19 mit der Delta-Variante nichts ausrichten kann, vor allem weil es zu immer mehr Impfdurchbrüchen kommt. Dem ist aber nicht so, sagen die Forschenden. Die Infektionen können zwar häufig nicht vollständig unterdrückt werden, doch die Impfungen schützen effizient vor einer schweren Erkrankung mit Delta und Delta-Plus, so Stefan Pöhlmann vom DPZ. Die hemmende Wirksamkeit der Impfstoffe unterscheide sich bei beiden Delta-Varianten nicht.

Die Ergebnisse der Studien bestätigte außerdem die Annahme, dass die Kombination von Impfstoffen in Bezug auf Delta und Delta-Plus eine gute Idee ist. In Europa wird der Impfstoff von Biontech-Pfizer und Oxford-Astrazeneca am häufigsten eingesetzt. Wegen seltener Nebenwirkungen bei Oxford-Astrazeneca ist man dazu übergegangen, die Zweitimpfung mit einem anderen Impfstoff durchzuführen. "Unsere Studien zeigen, dass die Kreuzimpfung deutlich mehr neutralisierende Antikörper gegen Delta induziert als zwei Impfungen mit Oxford-AstraZeneca. Personen, die eine solche Kreuzimpfungen erhalten haben, könnte daher besonders gut vor Delta und Delta-Plus geschützt sein“, sagt Markus Hoffmann vom DPZ.

Eine hohe Impfquote ist nach wie vor das vorrangige Ziel, so Stefan Pöhlmann, um vor schweren Erkrankungen zu schützen und zu verhindern, dass das Gesundheitssystem bei einer starken Ausbreitung von Delta in den vor uns liegenden Wintermonaten überlastet wird.

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