Projekt aus Dänemark Das Dorf der Dementen

Fast 1,6 Millionen Demenzkranke leben in Deutschland. Der Umgang mit der Krankheit ist eine große Herausforderung für die Gesellschaft – nicht nur bei uns. Dänemark hat am Montag ein Demenzdorf eröffnet. Eine Idee, die auch in Deutschland funktionieren könnte?

Die dänische Kleinstadt Svendborg wirbt bisher mit einer tollen Landschaft, den kleinen vorgelagerten Inseln, dem maritimen Flair. Doch in Zukunft könnte es eine ganz neue Klientel anziehen: Pflegefachleute, Gesundheitspolitiker, Ärzte. Denn das 27.000-Einwohner-Städtchen hat heute mitten im Ort ein Dorf eröffnet, das speziell auf die Bedürfnisse von Demenzkranken zugeschnitten ist.

"Die Bewohner können hier fast so leben wie vor ihrer Erkrankung“, sagt Bürgermeister Lars Erik Hornemann. Das Areal sei so groß, dass sie sich nicht eingesperrt fühlen müssten. Außerdem seien sie hier sicher. Die Patienten leben in 125 Wohnungen und werden je nach Bedarf betreut. Zur Anlage gehören ein großer Park, eine Musikbibliothek, ein Restaurant, Läden, ein Wellness-Salon und andere Beschäftigungsmöglichkeiten. Forscher des University College Lillebælt und einer Sozial- und Gesundheitsschule begleiten das Projekt. Die Erfahrungen sollen bei der Entwicklung weiterer Demenzdörfer in Dänemark helfen.

Die Bewohner müssen in die Gemeinde integriert werden.

Susanna Saxl, Deutsche Alzheimer-Gesellschaft
Eine Seniorin und ein Kind stehen zusammen auf einem Fitnessgerät
Ein Mehrgenerationenspielplatz in Dessau. Intergration ist auch bei Demenzkranken eine der wichtigsten Fragen. Bildrechte: MDR/Tino Wiemeier

Ähnliche Projekte in Holland haben die Gemeinde auf die Idee gebracht, so der Bürgermeister. Rund 20 Kilometer vor Amsterdam entstand dort 2011 De Hogeweyk - ein Dorf für Demenzkranke, mit Supermarkt, Theater, Frisör, Café, Clubraum. Kann das auch in Deutschland funktionieren? Bisher gibt es hier noch nichts vergleichbares. Die Idee sei grundsätzlich nicht schlecht, meint Susanna Saxl von der Deutschen Alzheimer-Gesellschaft. Aber so eine große Einrichtung in einer Kleinstadt, da hat sie Zweifel. "Die Einrichtung muss zur Gemeinde passen“, sagt sie, "und die Bewohner müssen in die Kommune integriert werden.“ Denn ansonsten wäre es auch nur eine andere Art von Pflegeheim.

Im ländlichen Raum sieht Saxl daher keine Möglichkeit für ein derart großes Projekt mit 125 Wohnungen. Da kämen eher kleinere Siedlungen oder Mehrgenerationenhäuser in Frage. Derartige Projekte gibt es bereits in Deutschland, wenn auch bisher sehr wenige. Neben den Kosten für die Unterbringung ist auch die Entfernung zu den Verwandten ein wichtiges Thema. Und das sei eben schwierig bei so einer zentralen Einrichtung, in die Kranke aus einem großen Einzugsgebiet kämen, so Saxl. "Für die Angehörigen ist es dann nicht einfach, bei jedem Besuch so weit zu fahren.“