Paar auf Parkbank im Herbst
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Depression in der Partnerschaft Der Trennungsgrund, über den keiner redet

Depression ist eine schwere Krankheit, die das Leben der Betroffenen und der nahen Verwandten grundlegend verändert. Eine neue Studie zeigt nun, wie stark Beziehungen durch Depressionen gefährdet sind, wenn die Krankheit nicht erkannt und behandelt wird.

von Annegret Faber

Paar auf Parkbank im Herbst
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Fast die Hälfte aller Beziehungen zerbrechen, wenn ein Partner Depressionen hat. Das besagt eine neue Studie für den Deutschland Barometer Depression 2018. Uwe und Sibylle Hauck können das verstehen. Sie  kennen sich seit über zwanzig Jahren. An Trennung haben sie nie gedacht, bis Uwe Hauck selbst schwere Depressionen bekam: "Zum einen hatte ich Phasen, wo ich nix gefühlt hatte, gar nichts, das war einfach leer, maximal Angst, das war für mich das beherrschende Moment.“

Uwe Hauck zog sich zurück. Statt Hilfe zu suchen, wendete er sich von seiner Familie ab, wurde immer launischer. Seine Selbstzweifel nahmen von Tag zu Tag zu. Schließlich wollte er sich das Leben nehmen. "Davor war es immer noch dieses Wir kriegen es irgendwie schon wieder hin, der beruhigt sich schon wieder. Aber da hab ich bemerkt: Jetzt rutsche ich ab, kann mich nicht mehr halten, kann mich nicht mehr bremsen, es wird irgendwo im Dilemma enden."

Aufklärung. Immer wieder.

Er versuchte sich das Leben zu nehmen, seine Frau fand ihn rechtzeitig. Danach musste sich Uwe Hauck der Diagnose Depression stellen. Bis dahin hatte er es abgelehnt. Heute spricht er darüber, gemeinsam mit seiner Frau. Ein Buch hat er schon veröffentlicht und regelmäßig hält er Vorträge. Aufklärung sei so wichtig, sagt er immer wieder. Viele Menschen wüssten immer noch nicht, was Depressionen wirklich sind. Prof. Ulrich Hegerl, der Vorsitzende der Stiftung Deutsche Depressionshilfe: 

Prof. Dr. Ulrich Hegerl
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Die Menschen sagen, sie fühlen sich wie hinter einer Milchglasscheibe. Und besonders schmerzlich ist, wenn man plötzlich das Gefühl hat, gar keine Gefühle mehr gegenüber den eigenen Kindern, gegenüber dem Partner zu haben, sondern alles gleichgültig ist.

Prof. Ulrich Hegerl, Vorsitzender Stiftung Deutsche Depressionshilfe

Über 80 Prozent der befragten kranken Menschen fühlen sich in ihrer Partnerschaft nicht verstanden, sind Vorwürfen und Streit ausgesetzt, zeigt die Studie. Auf der anderen Seite fühlen sich über 70 Prozent der gesunden Partner für die Situation verantwortlich. So ging es auch Sibylle Hauck. Irgendwann konnte sie den Druck nicht mehr aushalten und wollte sich von ihrem Mann trennen: "Ich wollte es auch nicht, aber irgendwann dachte ich, ich muss, wenn sich nichts ändert. Der Kinder wegen, damit des denen gut gehen kann."

Gesunde Partner fühlen sich schuldig

Nachdem sie erfuhr, dass ihr Mann krank ist, war das Thema für sie vom Tisch. Das ist nicht bei allen so: 30 Prozent der Deutschen glauben immer noch, Depression sei eine Charakterschwäche – auch das ein Ergebnis der Studie. Sibylle Hauck möchte an diesen Menschen rütteln und ihnen sagen, dass man Depressionen genauso wenig mit gutem Willen heilen kann wie ein gebrochenes Bein oder Demenz. "Was ich ganz wichtig finde, ist Aufklärung. Dass man ganz offen darüber reden könnte. Das würde so viel helfen, wie bei jeder anderen Krankheit auch. Warum muss man sich da verstecken, obwohl das eine ganz normale Krankheit ist?"

Nicht nur in der Familie sei das Reden wichtig, sondern auch in der Öffentlichkeit. Im Gegensatz zu einem Herzinfarkt, bei dem die Menschen an Stärke und Leistung denken, sei Depression nach wie vor ein Stigma. Eine Krankheit der Schwachen.

Sie haben Selbsttötungsgedanken oder eine persönliche Krise? Die Telefonseelsorge hilft Ihnen rund um die Uhr: 0800 111 0 111 und 0800 111 0 222. Der Anruf ist anonym und taucht nicht im Einzelverbindungsnachweis auf. Auf der Internetseite telefonseelsorge.de finden Sie weitere Hilfsangebote, zum Beispiel per E-Mail oder im Chat.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL | 27. November 2018 | 13:50 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 27. November 2018, 15:14 Uhr