Mehr Mut zum Kind Deutschland wird kinderfreundlicher

In Deutschland werden wieder mehr Kinder geboren. 2020 erblickten 773.200 Babys das Licht der Welt, 2010 waren es mit 677.947 fast 100.000 weniger. Es gibt aber immer noch Vorbehalte gegen die Familiengründung wie die Angst vor den Kosten, den beruflichen Einschränkungen und einer möglichen Trennung. Aber sie werden leiser. Wie sehr und warum, hat eine Studie der Stiftung für Zukunftsfragen genauer untersucht.

Ein lachendes Baby
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Es gibt viele Gründe, sich gegen ein eigenes Kind zu entscheiden. In einer Befragung der Stiftung für Zukunftsfragen ist mit 52 Prozent das häufigste Argument, dass eigener Nachwuchs Geld kostet. Vor zehn Jahren noch war der Spitzenreiter mit 61 Prozent die Sorge, die eigene Freiheit aufgeben zu müssen. Diese Bedenken haben aktuell nur noch knapp die Hälfte der Befragten. Ebenso viele Befragte sehen ihre Karriere gefährdet oder können sich nicht vorstellen, wie Beruf und Familie miteinander zu vereinbaren sind. Die persönliche Freiheit ist 45 Prozent der Befragten wichtiger als ein Kind. Vor allem Männer möchten finanzielle und persönlich frei sein.

Argumente gegen ein eigenes Kind werden leiser, Unterstützung dafür größer

Sorgen bleiben der Hauptgrund dafür, kein Kind haben zu wollen: Die Sorge ums Geld und die Arbeit, Bedenken, den richtigen Partner zu finden und sich möglicherweise zu trennen, die Frage, ob man dem Nachwuchs eine gesicherte Zukunft bieten kann. Doch in allen Bereichen nimmt die Angst messbar ab, denn es gibt heute weit mehr Angebote für Familien als 2010. Die Kinderbetreuung wurde ausgebaut und erfährt mehr Akzeptanz. Außerdem bieten viele Unternehmen selbst Kinderbetreuung an. Es gibt flexible Arbeitszeitmodelle und sogar Führungspositionen werden in Teilzeit ermöglicht. Staatliche Unterstützungsangebote wie Elterngeld, Zuschuss zu den Kita-Gebühren und das Kindergeld wurden angepasst. Die Studie führt auch die Verfügbarkeit von digitalen Partnerbörsen ins Feld, die den Weg zur Familiengründung zusätzlich ebnen.

Familie erlebt Renaissance

Seit 2010 ist die Zahl der Scheidungen pro Jahr von 187.640 auf 149.010 gefallen. Dafür stieg die Zahl der Heiratswilligen in diesem Zeitraum von 187.027 auf 373.300. Die Wahrscheinlichkeit, dass eine Ehe scheitert, sank damit von 50 auf 36 Prozent. Kinder und Familie sind für die meisten von uns ein besonders wichtiger Bestandteil unserer Lebensqualität. Das bestätigten 84 Prozent der Befragten.

Wird Deutschland kinderfreundlicher?

An dieser Frage scheiden sich die Geister nach wie vor. 47 Prozent der Studienteilnehmer halten unser Land durchaus für kinderfreundlich. Nur jeder zweite, aber eine deutliche Entwicklung zur Befragung im Jahr 2010. Damals stimmten nur 21 Prozent der Befragten dieser Aussage zu. Geblieben sind die Differenzen zwischen den Geschlechtern. Männer empfinden mehr Kinderfreundlichkeit hierzulande (49 Prozent), Frauen etwas weniger (45 Prozent). Auch soziodemographische Gegebenheiten spielen bei der Beurteilung eine Rolle. So sieht die Lage für Großstadtbewohner und Besserverdienende leicht rosiger aus als für Menschen auf dem Land und mit weniger Einkommen.

Martina Klein und Thomas Scheidemann beim Spazierengehen. 29 min
Martina Klein und Thomas Scheidemann beim Spazierengehen. Bildrechte: MDR/Schmidtfilm

25 Kommentare

Erichs Rache vor 9 Wochen

@liebe MDR-Redaktion,

es gibt sogar eine im AUFTRAG vom Bundesministerium der Finanzen und Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend erstellte "Gesamtevaluation der ehe-und familienbezogenen Maßnahmen und Leistungen in Deutschland"!

In dieser wissenschaftlichen Arbeit haben Wissenschaftler diverser Professionen über 4 Jahre Erkenntnisse aus Befragungen und Daten zusammengetragen.

Das sollte Ihnen bekannt sein.

MDR-Team vor 9 Wochen

@Erichs Rache,
das ist korrekt, jedoch kein Grund an der Studie zu zweifeln: Die Tatsache, dass die Deutschen mehr Kinder bekommen, ist belegt. Die Zahlen stammen vom statistischen Bundesamt. Die Befragung ist zudem repräsentativ und einen Zusammenhang zur Nutzung von Tabakprodukten gibt es auch nicht. Im Gegensatz zu vielen anderen Untersuchungen, die es regelmäßig in die Berichterstattung schaffen, bei denen ganz klar ein Zusammenhang zwischen dem Produkt und dem Thema besteht. Wenn etwa eine Bank eine Umfrage zum Thema Trinkgeld macht, oder eine Partnervermittlung zum Thema Beziehungen.

MDR-Team vor 9 Wochen

@Kritische,
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