Zapftisch in einem Brauhaus mit frisch gezapften Kölsch.
Bildrechte: IMAGO

WHO-Gesundheitsstudie Gesünder, aber lasterhaft: Deutsche trinken zu viel Alkohol

Zapftisch in einem Brauhaus mit frisch gezapften Kölsch.
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Gesünder als in den Jahren zuvor, aber immer noch zu viele schlechte Angewohnheiten - das ist das Fazit der Weltgesundheitsorganisation (WHO) über die Bevölkerung in Europa. Aller drei Jahre erstellt die WHO einen Bericht über die Gesundheit der Menschen in der Europäischen Region. Diese ist sehr weit gefasst und beinhaltet unter anderem Tadschikistan, Turkmenistan und Usbekistan, insgesamt 900 Millionen Menschen in 53 Ländern.

Das Positive vorweg...

Ein neugeborenes Baby liegt auf einem weißen Laken
Die Lebenserwartung steigt Im Jahr 2018 geborene Jungen werden im Schnitt 90, Mädchen sogar bis zu 93 Jahre alt. Bildrechte: IMAGO

Der Bericht besagt: Es geht aufwärts. Innerhalb der vergangenen fünf Jahre ist die Lebenserwartung um ein Jahr gestiegen. Das heißt, in Deutschland liegt die Lebenserwartung nun bei durchschnittlich 81 Jahren. Damit bewegen wir uns im obersten Viertel der Statistik, die die Schweiz und Luxemburg mit 83 Jahren anführen. Das liegt laut Bericht unter anderem an dem guten Zugang zum Gesundheitssystem. Außerdem sind die sogenannten verfrühten Todesfälle durch nichtübertragbare Krankheiten zurückgegangen. Darunter fallen zum Beispiel Krebs, Herzleiden, Diabetes und chronische Atemwegserkrankungen. Sie sind zuletzt um zwei Prozent pro Jahr gesunken. Zum dritten haben sich die Impfraten - auch in Deutschland - deutlich verbessert. Laut WHO sind in Deutschland 97 Prozent der Menschen gegen Masern geimpft. Schlusslicht bei der Impfung gegen die potentiell tödliche Krankheit ist die vom Krieg gebeutelte Ukraine mit 42 Prozent.

Und nun die Laster...

Aber obwohl wir länger und anscheinend auch gesünder leben, gibt es Probleme. So liegt vor allem der Alkoholkonsum in Deutschland eindeutig über dem Durchschnitt. Trinken in der europäischen Region die Menschen im Schnitt 8,6 Liter reinen Alkohol pro Jahr, sind es in Deutschland ganze 11,0 Liter. Damit liegen wir zwar hinter dem Spitzenreiter Litauen (15,2 Liter), aber noch vor Russland (10,1 Liter). Und was wie eine Binsenweisheit klingt, wird von den Experten immer wieder betont: Vor allem während der Schwangerschaft ist Alkohol hochgefährlich. Schätzungen zufolge kommen jedes Jahr 10.000 Neugeborene mit alkoholbedingten Schäden zur Welt, wobei die Dunkelziffer vermutlich deutlich höher liegt.

Rückenansicht einer dicken Frau in einer grauen Hose und einem blauen Sport-BH
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Außerdem ist die Zahl der Übergewichtigen weiter hoch. Laut Bericht bringt mehr als die Hälfte der Bevölkerung in der Europäischen Region - das heißt 450 Millionen Menschen - zu viele Kilos auf die Waage. Und die Tendenz ist steigend. In Deutschland sorgen sich die Experten vor allem um die Zunahme des Übergewichts bei Kindern. In der sogenannten KIGGS-Studie hat das Robert-Koch-Institut festgestellt, dass 15 Prozent der Kinder und Jugendlichen zwischen drei und 17 Jahren zu dick sind. Rund sechs Prozent der Kinder und Jugendlichen sind sogar adipös. Das bedeutet, dass rund 800.000 Mädchen und Jungen krankhaft übergewichtig sind. Im Vergleich zu den Vergleichswerten aus dem Zeitraum zwischen 1985 und 1999 sind das doppelt so viele.

Aktuelle Forschungen aber haben gezeigt: Bei den positiven wie negativen Änderungen ist noch lange nicht das Ende der Fahnenstange erreicht. Mit einer gesunden Lebensweise könnte die Lebenserwartung in den Industrieländern auf über 90 Jahre ansteigen. Ob man das Alter dann noch genießen kann, hängt dann natürlich von der genetischen Veranlagung ab - aber auch vom Zugang zu guter gesundheitlicher Versorgung und Faktoren wie Alkoholkonsum und Übergewicht.

Dieses Thema im Programm: MDR SPUTNIK | SPUTNIK Tagesupdate | 28. März 2018 | 18:55 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 12. September 2018, 01:01 Uhr