Wer stößt am meisten aus? Die Top 5 der CO2-Verursacher Deutschlands nach Sektoren

Immer mehr Menschen fragen sich: Was können sie gegen die Klimakrise tun? Dabei sind Privathaushalte nicht die größten CO2-Verursacher. Aber wer denn dann? MDR Wissen zeigt die Top 5 der Klimagas-Produzenten.

von Kristin Kielon

Das Kraftwerk Niederauߟem von der RWE Power. 3 min
Bildrechte: imago/Future Image

Kohlendioxid ist wohl das bekannteste Treibhausgas. Es wird weltweit am meisten freigesetzt, auch in Deutschland. Von insgeamt 907 Millionen Tonnen Treibhausgas-Emissionen im Jahr 2017 entfielen 88 Prozent auf CO2, also 798 Millionen Tonnen.

Platz 1: Die Energieerzeugung

Die Grafik zeigt die Zusammensetzung der klimaschädlichen Emissionen Deutschlands im Verlauf seit 1990, unterteil nach Sektoren. Die Emissionen sind insgesamt leicht gesunken.
Die Entwicklung von Deutschlands-Klimaemissionen seit 1990. Bildrechte: Umweltbundesamt

Wenn man wissen will, woher das alles kommt, muss man Deutschlands obersten Treibhausgas-Zähler fragen. Der heißt Michael Strogies und ist beim Umweltbundesamt (UBA) für das nationale Treibhausgas-Inventar zuständig. Die Emissionen werden dort detailliert erfasst und lassen sich unter anderem in sogenannte Sektoren einteilen. "Die Energiewirtschaft ist der wichtigste Bereich. Sie allein produziert schon 312 Millionen Tonnen CO2", sagt Strogies.

Diese Menge entspricht 39 Prozent des gesamten deutschen CO2-Ausstoßes. Dabei spielen vor allem die Kohlekraftwerke eine große Rolle, sagt Christoph Kühleis. Er ist beim Bundesamt zuständig für die Berichterstattung über den Emissionshandel. An dem müssen sich die Kraftwerks- und Industrie-Anlagen beteiligen, die am meisten Emissionen verursachen. Jedes Jahr führt Kühleis die zehn größten dieser Anlagen auf.

Platz 2: Die Industrie

Da finden Sie alle großen Braunkohlekraftwerke bei den Energieanlagen: Kraftwerk Neurath, Niederaußem, Jänschwalde, Boxberg, Weißweiler, Schwarze Pumpe, Lippendorf, Großkraftwerk Mannheim, Heizkraftwerk Moorburg und Kraftwerk Schkopau. Die größten Industrieanlagen in Deutschland sind Stahlwerke und Raffinerien. Und da ist es so, dass das größte Stahlwerk in Duisburg, das integrierte Hüttenwerk von ThyssenKrupp, acht Millionen Tonnen emittiert und damit mehr, als die letzten drei der zehn größten Kraftwerke.

Christoph Kühleis, UBA

Das macht schon deutlich, wer auf Platz zwei der größten CO2-Verursacher folgt: Es ist die Industrie mit 181 Millionen Tonnen im Jahr 2017 und da vor allem die Bereiche, die auf Verbrennungsprozesse angewiesen sind, so Kühleis. Dort führt die Stahlproduktion die Liste an, gefolgt von Raffinerien, der Zement- und der Chemie-Industrie.

Platz 3: Der Verkehr

Die Grafik zeigt die Zusammensetzung der klimaschädlichen Emissionen Deutschlands. Kohlendioxid hat einen Anteil von 85 Prozent daran.
Die Zusammensetzung der deutschen Klimaemissionen. Bildrechte: Umweltbundesamt

Auf Platz drei der größten CO2-Verursacher kommt dann auch schon der Verkehr mit 165 Millionen Tonnen, sagt Michael Strogies. "Beim Verkehr ist das große Problem, dass wir in der Vergangenheit nicht genug getan haben. Alle Bemühungen haben letzten Endes dazu geführt, dass die Emissionen nicht gestiegen sind. Aber im Grunde sind sie noch genauso hoch wie 1990."

Und den Löwenanteil davon mache der Individualverkehr auf den Straßen aus. Der Flugverkehr bringt es gerade einmal auf zwei Millionen Tonnen CO2-Emissionen. Allerdings erfasst die Statistik nur Inlandsflüge. Alle anderen Flüge verursachten noch weitere 29 Millionen Tonnen, erklärt Strogies. Energie, Industrie und Verkehr sorgten 2017 also schon für rund 80 Prozent des CO2-Ausstoßes.

Platz 4: Gebäudewirtschaft

Der Sektor Gebäude meint alles, was eben zum Betrieb von Gebäuden gehört. Hierzu zählen private Haushalte sowie Gewerbe, Handel und Dienstleistungen. Dort wurden 130 Millionen Tonnen CO2 verursacht.

Platz 5: Die Landwirtschaft.

"Die Landwirtschaft sind nur neun Millionen CO2", sagt Strogies. Nur, weil bei der Landwirtschaft das Treibhausgas Methan eine größere Rolle als CO2 spielt.

2018: Leichter Rückgang

Im vergangenen Jahr ist der Kohlendioxid-Ausstoß in Deutschland insgesamt etwas zurückgegangen, schätzt das Umweltbundesamt, und zwar um 41 Millionen Tonnen. Vor allem die Energiewirtschaft und die Verbraucher hätten CO2 eingespart.

Die Auflistung zeigt, dass an bestimmten Stellen größere Einsparungen viel leichter möglich sind, als an anderen. Würde man alle Braunkohlekraftwerke abschalten, würde das 150 Millionen Tonnen CO2 einsparen, sagt Strogies. Ein Ausstieg aus dem Kohlestrom würde also erhebliche Einsparungen von CO2 bewirken.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL | 19. Juli 2019 | 18:49 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 13. August 2019, 11:19 Uhr