Forschung in Magdeburg Kribbeln und Schmerzen: Diabetes-Symptomen auf der Spur

Eine Diabetes-Erkrankung zeigt sich nicht nur durch Auffälligkeiten im Blutzuckerspiegel – sondern auch durch Fehlfunktionen des Nervensystems. Forschende aus Magdeburg wollen die Symptome jetzt besser verstehen und suchen dafür noch Teilnehmende.

Mann sitzt an gedecktem Tisch und misst mit einem Gerät Blutzucker durch Einstechen an der Fingerkuppe. Blickt konzentriert auf Finger. Ansicht von vorn. Im Hintergrund unscharf Wohnung und eine stehende Frau.
Die Messung des Blutzuckerspiegels gehört bei Diabetes-Pantient*innen zum Alltag. Bildrechte: imago images/MASKOT

Dass Diabetes zur chronischen Überzuckerung betroffener Patient*innen führt, steht im Vordergrund der Krankheit, klar. Das führt aber vielleicht auch dazu, dass Folgesymptome weniger Aufmerksamkeit bekommen als sie sollten. Denn die können weitere negative Folgen mit sich bringen. In Magdeburg sollen sie jetzt mithilfe eines Spiels systematisch erfasst werden.

Mehr als nur Blutzuckerspiegel

Zu typischen Diabetes-Symptomen gehören vermehrtes Wasserlassen, Mundtrockenheit, Sehstörungen und Abgeschlagenheit. Diabetes verändert aber auch Empfindungen durch den Nervenapparat. So können an den Füßen Missempfindungen oder Wahrnehmungsverluste entstehen – und das bringt Gefahren mit sich.

"Zirka jeder dritte Patient mit Diabetes leidet an einer Nervenschädigung. Gut die Hälfte dieser Patienten weiß dies jedoch nicht und läuft somit Gefahr für eine ernsthafte Fußverletzung, wie etwa Verbrennungen." Das sagt Peter Mertens, Direktor der Klinik für Nieren- und Hochdruckkrankheiten, Diabetologie und Endokrinologie der Universitätsmedizin Magdeburg. "Verletzungen werden dadurch unbemerkt verschleppt und weiten sich leichter aus."

Ameisenkribbeln und Schmerzen

Mann sitzt mit Rücken zur Kamera an Tisch und trägt spezielle Birkenstock-ähnliche Sandalen. Auf Tisch Tablet-Computer mit Videospiel.
Wissenschaftlicher Mitarbeiter Antao Ming demonstriert die Funktionsweise der Schuhe mit speziellen Einlegesohlen in Verbindung mit dem Spiel. Bildrechte: Sarah Kossmann/Universitätsmedizin Magdeburg

Nerven sind u.a. eigentlich dazu da, uns zu erzählen, dass irgendwas los ist: Schmerzen sind unangenehm, weil sie signalisieren, dass das nicht gut ist, was da grade passiert - und sei es ein Piekser mit einer Reißzwecke. Erhöhte Blutzuckerwerte können dazu führen, dass Nerven aktiviert werden, ohne dass es sinnvoll wäre. Stichwort: Ameisenkribbeln, aber auch Ziehen, brennende Schmerzen, Bein- und Fingerkrämpfe. Um die Symptome besser erkennen zu können, nehmen Proband*innen der jetzt neu angelegten Studie an einem zwanzigminütigen Bewegungsspiel auf einem Tablet-Computer teil - mit besonderer Ausstattung: "Unsere Probandinnen und Probanden tragen Schuhe mit speziellen Einlegesohlen, die mit Hilfe von Drucksensoren die Nervenfunktion bei bestimmten Bewegungsübungen messen können", so Peter Mertens. "Sind die Wahrnehmungen vermindert, spricht man von einer Polyneuropathie."

Neuropath iA, so heißt das Forschungsprojekt von Mertens und seinem Team. 200 Proband*innen haben schon teilgenommen. Ziel ist es, Nervenschäden zu erfassen und damit einen frühzeitigen Nachweis einer Nervenschädigung oder einer kognitiven Einschränkung zu erbringen.

Proband*innen gesucht

Für das Forschungsprojekt Neuropath iA werden noch 300 Teilnehmende gesucht. Interessierte sollten im Alter von 18 bis 80 Jahren sein, eine Schuhgröße von 36 bis 46 tragen und nicht an Fußveränderungen und akuten Erkrankungen leiden. Die Untersuchungen finden an der Universitätsmedizin in Magdeburg statt. Die Fahrtkosten können erstattet werden.

Neben dem Bewegungsspiel erfolgen eine ärztliche Untersuchung aller Nervenfunktionen sowie eine Testung der kognitiven Funktionen. Ein Fragebogen ist ebenfalls auszufüllen. Die Auswertung der Spielergebnisse wird den Studienteilnehmenden unmittelbar mitgeteilt und mit Untersuchungsbefunden der Ärzt*innen verglichen.

Kontakt:
Claudia Piehler
Studienzentrum der Klinik für Nieren- und Hochdruckkrankheiten, Diabetologie und Endokrinologie am Universitätsklinikum Magdeburg

Telefon: 0391 67 21745
E-Mail: claudia.piehler@med.ovgu.de

flo

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