Diabetes-Forschung Neues Insulin - stabiler, schneller und auch besser?

Neue Forschungen haben ergeben, dass Insulin anders aufbereitet nach der Spritze schneller wirken kann. Bisher allerdings nur im Tierversuch. Untersuchungen am Menschen stehen noch aus und könnten bahnbrechende Auswirkungen haben.

Ein Senior setzt sich eine  Insulinspritze in den Bauch.
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Wer mit Diabetes lebt, kennt das: Herkömmliches Insulin wirkt meistens nach etwa zwanzig Minuten und entfaltet seine stärkste Wirkung ungefähr eine Stunde nach der Spritze. Bis das Hormon abgebaut ist, kann es drei bis vier Stunden dauern. Ein Forschungsteam um Joseph Mann, Doktorand an der Uni Stanford, hat an einem neuen und schnellwirksamen Insulin geforscht, welches an Schweinen getestet wurde. Es wirkt bereits wenige Minuten nach dem Einstich, hat den größten Effekt nach dreißig bis vierzig Minuten und ist nach zwei bis drei Stunden abgebaut.

Stimmen aus der Diabetes-Praxis zu dieser Entwicklung

Wie werten Menschen aus der Diabetes-Praxis diese Entwicklung aus den USA? Dr. Astrid Pertermann ist praktizierende Diabetologin in Leipzig. Sie sagt: "Durch die kurzkettigen und schnellwirksamen Insulinmoleküle kommt man näher an die physiologischen Eigenschaften des körpereigenen Insulins heran." Das könne dazu führen, dass der Blutzuckerspiegel besser reguliert werden kann. Auch Ralf Tetzner vom Verein Diabetiker Sachsen ist erfreut über die mögliche Wirkungsbeschleunigung. Im Gespräch mit MDR Wissen sagte er: "Vor allem beim Sport würde es für Kinder und Jugendliche, die an Diabetes leiden, einen Durchbruch bedeuten."

Durch das schnell wirksame Insulin könnte der Blutzuckerspiegel leichter ausbalanciert und gezielter angepasst werden, insbesondere in heikleren Situationen, wie körperlicher Betätigung, bei der es zu starken Schwankungen kommen kann. Denn bei Bewegung wirkt Insulin stärker, wird also weniger vom Körper benötigt. Die Gefahr dabei ist aber, dass dadurch der Blutzuckerspiegel so stark absinkt, dass die Muskeln nur noch Fett verbrennen, was zu einer kritischen Unterzuckerung und einer Ketoazidose führen kann, die sich durch Übelkeit, Atembeschwerden und starken Durst äußert.

Und genau hier könnten die kurzkettigen Insulinmoleküle wirken, für die es bislang nicht gelungen ist, sie derart zu konservieren, dass sie zur Behandlung eingesetzt werden können. Eric Appel, der ebenfalls an der US-Studie mitgewirkt hat, geht von einer bis zu vierfach schnelleren Wirkung aus, die einen "game changer" für Diabetesbehandlungen bedeuten kann. Langzeituntersuchungen werden zeigen, ob sich diese Annahme bewahrheitet.

Leben mit Diabetes - was bedeutet das für den Alltag?

Menschen, die mit Diabetes Typ I oder II leben, spritzen sich regelmäßig Insulin. Das ist für die Behandlung von Diabetes lebensnotwendig, weil es den Blutzuckerspiegel reguliert und die Aufnahme von Kohlenhydraten ermöglicht. Seit rund 100 Jahren wird Insulin zur Diabetes-Therapie verwendet. Früher wurden Bauchspeicheldrüsen von Schlachtvieh zur Gewinnung extrahiert, heutzutage gelingt die Herstellung mittels gentechnischer Verfahren an E.-coli Bakterien.

Wie viele Menschen in Deutschland mit Diabetes leben

In Deutschland gehen aktuelle Schätzungen des Robert Koch-Instituts von etwa 4,6 Millionen Menschen aus, die ihre Erkrankung medikamentös behandeln und pro Tag kommen 1.200 dazu. Sachsen, Thüringen und Sachsen-Anhalt weisen im bundesweiten Vergleich die höchsten Fallzahlen auf und liegen rund drei Prozentpunkte über dem gesamtdeutschen Durchschnitt von 8,6 Prozent Erkrankten.

Studie zum Nachlesen

Die Ergebnisse der Studie sind unter dem Titel "An ultrafast insulin formulation enabled by high-throughput screening of engineered polymeric excipients" im Magazin Science Translational Medicine" erschienen. Sie können sie hier nachlesen.

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2 Kommentare

MDR-Team am 05.07.2020

@Strafrechts-Profit-eur, es tut uns leid, dass Ihnen bisher nicht geholfen werden konnte. Ihre persönliche Krankheitsgeschichte hat jedoch nichts mit unserer Berichterstattung zu tun. Bitte verzichten Sie auf Unterstellungen, wir würden lügen oder auf Behauptungen wie "Bei keiner Impfung wurde jemals ein Impfschutz nachgewiesen". Weitere Kommentare in dieser Form werden nicht veröffentlicht.
Zum Impfschutz: "Ausdruck der Wirksamkeit ist nicht zuletzt die Tatsache, dass z.B. die Masern weltweit erfolgreich zurückgedrängt und Todesfälle vermieden werden konnten. Ein weiteres Bsp. ist die Einführung der Schluckimpfung gegen Kinderlähmung (Poliomyelitis) Anfang der 1960er Jahre. Während in der Bundesrepublik 1961 noch fast 4.700 Kinder an Kinderlähmung erkrankten, waren es 1965 bereits weniger als 50 Kinder. Seit 1990 sind in Deutschland keine Erkrankungen durch Wildpolioviren mehr aufgetreten." Quelle: https://www.rki.de/DE/Content/Infekt/Impfen/Bedeutung/Schutzimpfungen_20_Einwaende.html

NeuerHeip am 03.07.2020

Wissen Sie, Berichte über bahnbrechende Forschungen oder angebliche Erkenntnisse in der Medizin gibt es seit Jahren.

Tatsache ist jedoch, dass man mir nicht mal helfen kann, nachdem ich nach Clindamyzineinnahme jetzt schon 13 Jahre mit häufigem Durchfall rumrenne.

Ich habe die Lügen satt, die die Presse bereitwillig verbreitet.

So gut wie nichts stimmt.
Zu Impfungen ist zu sagen. Einen Impfschutz gibt es nicht. Bei keiner Impfung wurde jemals ein Impfschutz nachgewiesen.
Punkt.