Studie Diabetes verhindern: Vier Wege zum Vorbeugen der Krankheit

Die Diagnose Prädiabetes heißt nicht zwangsläufig, später mit Diabetes Typ 2 zu leben. Das zeigt eine Studie aus den USA, die 1996 begonnen wurde. Die Ergebnisse sind aber nicht auf jeden Prädiabetiker übertragbar.

Gemüse
Langfristige Ernährungsumstellung ist eine der Zutaten gegen einen Diabetes Typ 2 Bildrechte: Colourbox.de

Es gibt offenbar ein Rezept für manche Erwachsene mit einem Prädiabetes, die einen Diabetes Typ 2 verhindern oder verzögern kann. Die vier Zutaten: Eine veränderte Lebensweise mit mehr körperlicher Bewegung, gesunder Ernährung, Gewichtsabnahme von mindestens sieben Prozent und Unterstützung durch Medikamente, im Fall der Untersuchung die Einnahme von Metformin. Das jedenfalls schildert die Studie "Diabetes Prevention Program Outcomes Study (DPPOS)", die jetzt im Fachmagazin Circulation, das zur US-amerikanischen Herzgesellschaft gehört, veröffentlicht wurde.

Wie wurde das untersucht?

Im Rahmen einer Studie waren zunächst 3.234 Personen verschiedenster ethnischer Herkunft, mit Prädiabetes, durchschnittlich 51 Jahre alt, 70 Prozent von ihnen weiblich, über drei Jahre lang begleitet worden.

Mann und Frau auf Waldweg bei Spaziergang mit Hund
Wer mit Hund lebt, hat automatisch mehr Bewegung in den Alltag eingebaut. Bildrechte: imago images/Westend61

Sie wurden in drei Gruppen eingeteilt: solche, die ihren Lebensstil stark veränderten mit mehr Bewegung, gesunder Ernährung und sieben Prozent Gewichtsreduktion; eine Gruppe, die zweimal täglich das Medikament Metformin, einen Blutzuckersenker, einnahm und eine Gruppe, die ein Placebo und Standartbetreuung (Informationen zur Krankheit und zum Handling) bei Diabetes-2-Diagnose erhielt. Bei der ersten Gruppe zeigte sich nach den drei Jahren, dass sich die Häufigkeit, einen Diabetes 2 zu entwickeln, um 58 Prozent und bei der zweiten Gruppe um 31 Prozent reduziert hatte.

Zwei Jahrzehnte später: Wie geht es den Probanden?

21 Jahre später wurden fast alle der ursprünglichen Studienteilnehmer erneut gesundheitlich untersucht. Diese Nachfolge-Untersuchung konzentrierte sich vor allem auf die Frage, ob das Medikament Metformin oder eine Lebensstilintervention das Risiko von Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder die Rate schwerer Herzprobleme wie Infarkt, Schlaganfall oder Tod aufgrund von Herz-Kreislauf-Erkrankungen verringern könnte. Gerade die gelten neben anderen Erkrankungen als Folgeerscheinung von Diabetes Typ 2.

Diabetes lässt sich um 15 Jahre verzögern

Dabei zeigte sich: Die Entwicklung von Diabetes Typ 2 konnte bis zu 15 Jahre lang reduziert oder verzögert werden. Die Zahl nicht tödlicher Herzinfarkte dagegen war in jeder Gruppe ähnlich: 35 Herzinfarkte in der Lebensstil-Interventions-, 46 in der Metformin- und 43 in der Placebo-Gruppe. Ähnlich sah es aus bei den nicht tödlichen Schlaganfällen: 39 Schlaganfälle in der Lebensstil-Interventionsgruppe, 16 in der reinen Metformingruppe und 28 in der Placebogruppe. Die Zahl der Todesfälle aufgrund von kardiovaskulären Ereignissen war niedrig: 37 Todesfälle in der ersten, 39 in der Metformin-Gruppe und 27 in der Placebo-Gruppe, während der ursprünglichen Drei-Jahresstudie.

Für Studienmitautor Dr. Ronald B. Goldberg von der Medizin-Universität in Miami ist damit zweierlei belegt. Zum einen, dass die Medikamentengabe zwar dabei hilft, den Diabetes Typ 2 zu verzögern oder verhindern. Zum anderen zeigten die Untersuchungsergebnisse aber nicht, welche Rolle Metformin-Einnahme und Lebensstil-Veränderungen spielten, wenn es um Herzerkrankungen im Zusammenhang mit Prädiabetes oder Diabetes Typ 2 geht. Hier brauche es weitere Forschungen, sagt der Biochemiker.

Allerdings wies die Forschungsgruppe in ihrer Arbeit darauf hin, dass sich die Ergebnisse nicht auf alle Menschen mit Prädiabetes übertragen ließen. Außerdem seien die Lebensstil-Veränderungen nach Ablauf der Studie verschieden stark modifiziert worden, ebenso wie die Medikamenten-Dosierung.

(lfw)