Stress für den Körper Warum Diäten dick machen können

Die Feiertage mit üppigem Essen sind vorbei, ein neues Jahr hat begonnen. Das ist der perfekte Zeitpunkt, dem eigenen Gewicht zu Leibe zu rücken. Doch wer das zu radikal angeht, erreicht schnell das Gegenteil. Dann schaltet unser Körper auf den Modus "Stress!" und fährt die Verbrennung zurück.

Leerer Teller mit Besteck und Maßband.
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Cortisolmolekül
Ein Cortisol-Molekül Bildrechte: Colourbox.de

Eine Diät, die dick macht? Das hört sich an wie ein Widerspruch in sich, ist aber so. Fahren wir bei einer Diät die Nahrungszufuhr zu schnell zu stark runter, gerät unser Körper unter Stress. Denn für ihn bedeutet das zunächst, dass sich eine lebensbedrohliche Situation einstellen könnte: Wir könnten verhungern. Also reagiert er rechtzeitig mit der Ausschüttung des Hormons Cortisol. Es sorgt zum einen dafür, dass der Stoffwechsel verlangsamt wird. Wir nehmen zwar weniger Essen zu uns, verbrennen aber auch bedeutend weniger. Die Energiebilanz bleibt positiv, unser Gewicht stagniert trotz Diät oder wir nehmen sogar noch zu. Das variiert von Mensch zu Mensch. Hinzu kommt, dass das Stresshormon Cortisol auch Wassereinlagerungen veranlasst, ebenfalls um einer lebensbedrohlichen Situation vorzubeugen. Und auch das Wasser sehen wir leider auf der Wage!

Insulin hemmt Fettverbrennung

Steht der Körper durch Nahrungsmangel unter Stress, schüttet er also das Stresshormon Cortisol aus. Wird dann Nahrung zugeführt, kommt Insulin ins Spiel.

Insulin ist der hormonelle Gegenspieler des Cortisols. Je mehr Cortisol im Umlauf ist, desto mehr Insulin schütten wir aus, wenn wir dann endlich etwas zu Essen bekommen. Ein erhöhter Insulinpegel hemmt jedoch die Umwandlung von Fett in Energie. Folglich wird viel mehr Fett im Gewebe eingelagert und man nimmt zu.

Uwe von Renteln, Ernährungsberater

Diplom-Ernährungsberater Uwe von Renteln betreut unter anderem unsere Leichtathletik- und Schwimmnationalmannschaft. Gerade für Leistungssportler ist ein optimales Gewicht entscheidend für ihren Erfolg. Das mit einer ausgewogenen Ernährung zu erreichen und auch bei Stress durch Leistungsdruck zu halten, ist nicht einfach.

Auch Stress macht dick!

Ein Grund dafür ist natürlich, dass wir uns unter Zeit- und Leistungsdruck oft nicht ausgewogen ernähren. Nach einem anstrengenden Tag hat man meist weder Zeit noch Nerven, um in aller Ruhe gesunde Lebensmittel einzukaufen. Und manch einer greift unter Druck gern zu besonders üppigen Naschereien wie Schokolade oder Erdnüssen, um sich einen Ausgleich zu verschaffen und sich in gewisser Weise für das Geleistete zu belohnen. Aber das allein ist nicht der Grund für stressbedingtes Übergewicht.

Studie der Ohio State University erklärt, warum

Beobachtet wurden dafür gesunde Frauen, die unter Aufsicht speziell zusammengestellte, fettreiche Mahlzeiten zu sich nahmen. Vor und nach dem Essen kontrollierten die Forscher, wie schnell die Kalorien im Körper der Frauen verbrannt wurden und wie sich die Blutzucker- und Insulinspiegel, die Blutfettwerte sowie der Cortisolspiegel veränderten. Die Probandinnen, die am Vortag eine oder mehrere Stresssituationen erlebt hatten, verbrannten deutlich weniger Kalorien als diejenigen, die keinen Stress hatten. Im Durchschnitt waren es innerhalb von 7 Stunden 104 Kalorien weniger.

verschiedenes Obst und Gemüse.
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Gesund bleiben und sich wohl fühlen trotz Stress

Stress lässt sich in unserem Alltag leider nicht ganz vermeiden. Aber wir können ihm so begegnen, dass er uns nicht schadet. Bewegung, frische Luft und eine ausgewogene Ernährung können uns dabei helfen:

Regelmäßige gesunde Snacks können den Stoffwechsel in stressigen Zeiten zwar nicht aufhalten, aber wir nehmen durch sie zunächst weniger Kalorien auf. Damit aktivieren wir den Insulinspiegel nicht noch zusätzlich. Wir können so die Blutfettwerte senken der Blutfettwerte. Die Fülle an Vitalstoffen in ausgewogenem Essen helfen unserem Organismus außerdem, besser mit Stress zurecht zu kommen.

Uwe von Renteln, Ernährungsberater

10 Regeln gegen den Stress 1. Mindestens 10 Minuten pro Tag für mich!
2. Mindestens 10 Minuten pro Tag für meine Familie!
3. Mindestens 10 Minuten pro Tag für meine Freunde!
4. Zeitmanagement – keine Hektik!
5. Lieber Weniges gut machen als Vieles mäßig!
6. Mindestens ein Mal pro Tag lachen!
7. Entspannung, mindestens einmal pro Woche!
8. Sieben Stunden Schlaf pro Nacht!
9. Rauchen ist Stress für die Gefäße!
10. Alkohol ist Stress für das Gehirn!

Über das Thema berichtet LexiTV im Fernsehen | 12.01.2017 | 15:00