Olaf Schubert
Bildrechte: MDR/Andreas Wünschirs

Sprachforscher: Lokale Sprache gleicht sich immer mehr an Deutschlands Dialekte sterben aus

"Elsterglanz“ oder Olaf Schubert beweisen es seit Jahren. Dialekte feiern Erfolge – sogar kommerziell. Trotzdem ist die Mundart bedroht, sagen Sprachforscher. Viele Dialekte werden einfach verloren gehen

Olaf Schubert
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Die gute Nachricht zuerst. Sächsisch, Thüringisch oder Plattdeutsch werden nicht aussterben. Aber „Machteburjisch“ oder „Hallisch“ sind schon bedrohter. Und viele regionale oder lokale Dialekte werden ganz verloren gehen. Solche lokalen Dialekte, die sich oft schon von einem zum anderen Ort unterschieden, würden sich nämlich immer mehr angleichen, sagte der Erlanger Dialektforscher Sebastian Kürschner im Vorfeld einer internationalen Dialektologen-Tagung. Bei der von kommendem Mittwoch bis Samstag dauernden Konferenz in Erlangen wollen 90 Fachleute unter anderem die Entwicklung von Dialekten erörtern.

Elsterglanz im Kino bei der Premiere ihres neuen Films.
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Gesamtdeutsches Problem

Und das ist ein gesamtdeutsches Problem. “Wir haben beispielsweise bei Untersuchungen in Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg festgestellt: Statt der früher häufig lokalen Dialekte gibt es dort fast nur noch zwei großräumige Dialekte: das im Westen von Rheinland-Pfalz und Luxemburg gesprochene Moselfränkisch und das eher im Süden und Osten gesprochene Rheinfränkisch“, berichtete der Professor für Variationslinguistik und Sprachkontaktforschung an der Universität Erlangen-Nürnberg. Neben der Aussprache gleiche sich dort zunehmend auch der Wortschatz an.

Bei den jungen Leuten nimmt die Zahl der Dialektsprecher ab - in der Stadt noch stärker als auf dem Land.

Dialektforscher Prof. Sebastian Kürschner

Den Grund sieht der Forscher zum Beispiel in der heute längeren Schulzeit. Dort spiele die standardisierte Schriftsprache eine große Rolle, dadurch würden immer mehr junge Leute nur noch Hochdeutsch sprechen statt ihre regionale Heimatmundart zu pflegen. “Wir konnten feststellen: Bei den jungen Leuten nimmt die Zahl der Dialektsprecher ab - in der Stadt noch stärker als auf dem Land“, erläuterte der Sprachforscher.

Hoffnung 2.0

Aber es gibt auch Hoffnungen. Denn gerade die sozialen Medien bieten Möglichkeiten, den gefährdeten Dialekten eine neue Heimat zu geben. So hat zum Beispiel die Facebookseite "So sprechen die Machteburjer“ fast 14.000 Fans (Stand 26.09.2016.) und arbeitet inzwischen schon am zweiten Band des Machteburjisch-Buches. In Chemnitz geht man im wahrsten Sinne des Wortes einen anderen Weg. Als Teil einer Image-Kampagne ist die App „Chemnitz to go“ entwickelt worden. Sie bietet Stadtführungen in Englisch, Deutsch und Sächsisch.

Zuletzt aktualisiert: 11. September 2017, 10:02 Uhr