Münze des Münzherren Konrad Markgraf von Meißen, Prägedatum um 1150 – Kombininierte Darstellung der Grundfarbe und Oberfläche: Die Darstellung auf der Münze ist deutlich zu erkennen.
Bildrechte: Fraunhofer IFF

Digitalisierung von Kulturgütern Historische Münzen bekommen digitalen Fingerabdruck

Das Landesamt für Denkmalpflege Sachsen-Anhalt hat 20.000 Münzen. Und bei vielen ist es schwer, sie auseinanderzuhalten. Die Idee: Die Sammlung soll digitalisiert werden. Das Problem: Es gab weder ein Gerät, noch eine Software dafür. Mithilfe des Fraunhofer Instituts in Magdeburg wurde deshalb ein Prototyp entwickelt, der jetzt fertig ist.

von Karolin Dörner

Münze des Münzherren Konrad Markgraf von Meißen, Prägedatum um 1150 – Kombininierte Darstellung der Grundfarbe und Oberfläche: Die Darstellung auf der Münze ist deutlich zu erkennen.
Bildrechte: Fraunhofer IFF

Stellen Sie sich folgende Szene vor: Sie haben eine Münze. Die Münze steckt in einer Tüte und auf der Tüte steht: Wurde da und da gefunden, zu diesem Zeitpunkt, hat diese Macke und gehört jenem Museum. Jetzt aber fällt die Münze aus der Tüte. Oder jemand packt eine falsche Münze in die Tüte. Das Ergebnis ist ein heilloses Durcheinander und die Informationen sind für immer verloren. Veit Dresely vom Landesamt für Denkmalpflege Sachsen Anhalt kennt das Problem: "Wir haben Münzfunde, da sind nahezu 500 gleiche Stücke drin. Die kriegen sie so optisch kaum individualisiert. Und darum ging es unter anderem auch."

Fingeabdruck für Münzen gesucht

Individualisiert: Das heißt man braucht eine Art Fingerabdruck der Münze, etwas was sie einzigartig macht. Meist ist das eine Kombination von vielen Merkmalen - zum Beispiel wie groß die Münze ist und welche Macken sie hat. Wie tief ist der Kratzer, welche Form hat das Loch? Für diesen Fingerabdruck braucht es zwei Dinge: Erst einmal einen sehr genauen Scanner. Entwickelt hat den das Fraunhofer Institut für Fabrikbetrieb und -automatisierung (IFF) in Magdeburg. Der Scanner besteht aus mehreren Kameras und Lichtquellen und erfasst 1.000 optische Merkmale pro Münze.

Ein schwarzes technisches Gerät, mit dem die Münzen gescannt werden. Das Komplettsystem erfasst nicht nur die optischen Merkmale der Münzen, sondern zudem feinste Gebrauchsspuren.
Der neu entwickelte Münzen-Scanner Bildrechte: Fraunhofer IFF

Das ist ein Gerät etwa 70 Zentimeter hoch, 40 auf 40 Zentimeter. Da macht man eine Tür auf. Macht die Münze rein, platziert die richtig, macht die Tür zu, drückt auf einen Knopf. Dann finden da die Aufnahmeserien statt. Das wird gespeichert im Rechner. Dann macht man wieder auf, die zweite Seite und so Stück für Stück.

Veit Dresely, Landesamt für Denkmalpflege Sachsen Anhalt

Jetzt kommt der zweite wichtige Faktor ins Spiel: eine Software. Die nimmt alle Merkmale und berechnet daraus den individuellen Fingerabdruck. Geht von dieser Münze also Mal die Tüte verloren, muss sie nur gescannt werden. Der Rechner erkennt dann den Fingerabdruck und liefert alle wichtigen Informationen. Im Vergleich zu vorher, eine echte Verbesserung, gerade wenn man Münzen verleiht.

Was wir vorher gemacht haben, ist aufwändige Dokumentationstechnik mit Fotos. Da hat man Ausgangsfotos gemacht, hat die Fotos verglichen mit dem wieder reingekommenen Stück. Da kommen sie bis zu einer gewissen Feinheit, aber nicht bis zum individuellen Stück.

Veit Dresely, Landesamt für Denkmalpflege Sachsen Anhalt

Der Scanner ist momentan noch einzigartig. Es gibt ein Gerät und das steht im Landesamt für Denkmalpflege in Halle. Wie Veit Dresely MDR Wissen verrät, haben Kollegen schon Interesse angemeldet - nicht nur aus anderen Bundesländern, auch aus anderen Disziplinen. Schließlich kann man alles scannen, worauf man nicht schreiben kann und möchte, etwa archäologische Funde wie Knochen oder Schmuck.

Digitaler Fingerabdruck für Münzen Münze des Münzherren Konrad Markgraf von Meissen

Münze des Münzherren Konrad Markgraf von Meißen, Prägedatum um 1150 – Darstellung der Grundfarbe: Auf der Münze sind noch wenige Reliefs auf grau-bräunlichem Grund zu erkennen.
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Münze des Münzherren Konrad Markgraf von Meißen, Prägedatum um 1150 – Darstellung der Grundfarbe: Auf der Münze sind noch wenige Reliefs auf grau-bräunlichem Grund zu erkennen.
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Münze des Münzherren Konrad Markgraf von Meißen, Prägedatum um 1150 – Darstellung der Oberfläche. Auf der Münze ist deutlich ein Relief in blauem Lichtschein zu erkennen.
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Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL | 05. Februar 2019 | 09:52 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 11. Februar 2019, 12:54 Uhr