Paläontologie Neue Saurier aus Thüringen? In Bromacker wird wieder gegraben

Eine junge Frau mit schulterlangen dunkelblonden Haaren in einer schwarzen Bluse mit rot-braun-weißen Ornamenten. Sie lächelt freundlich und hält die Arme locker verschränkt.
Bildrechte: Tobias Thiergen

Anfang der 1990er-Jahre war in Bromacker im Thüringer Wald ein Ursaurier entdeckt worden, seitdem teils komplett erhaltene Skelette - einzigartig in Europa. Jetzt soll die Fundstelle wiederbelebt werden. Und wir können den Forschenden dabei live zusehen.

Ausgrabungsstätte Bromacker in Thüringen
Ausgrabungsstätte Bromacker in Thüringen Bildrechte: Thomas Martens

Mitten im Thüringer Wald nahe des idyllischen Touristenstädtchens Thambach-Dietharz klaffen braune Löcher im Grünen. Darin und drum herum liegen Steinplatten. Sie verraten, was Bromacker einst war: Ein Steinbruch.

290 Millionen Jahre alte Funde

Heute werden hier keine Steine, sondern Knochen ans Tageslicht gebracht. Bromacker ist ein Kleinod für Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen. Die Funde sind bis zu 290 Millionen Jahre alt, erklärt Professor Jörg Fröbisch vom Leibniz-Institut für Evolutions- und Biodiversitätsforschung des Naturkundemuseum Berlin. "Es handelt sich hierbei um eine Fundstelle, die insbesondere für die Wirbeltierfauna bekannt ist, aber sie beinhaltet sowohl Amphibien als auch frühe Reptilien, also auch Verwandte von den heutigen Reptilien und aber auch Vorfahren von uns Säugetieren, die sogenannten Synapsiden."

Wie diese Wirbeltiere in einer von Flüssen und Seen durchzogenen Landschaft lebten, sollen neben paläontologischen Untersuchungen auch geologische Forschungen zeigen. Kartierungen, Flach- und Tiefenbohrungen geben Aufschluss über den Lebensraum und damit über die Nahrung und klimatischen Bedingungen der Perm-Bewohner.

Öffentlichkeit und Besucher sollen Dinoforschung live erleben

Um diesem vielfältigen Forschungsinteresse gerecht zu werden, widmet sich ein Forschungsverbund der Fundstelle. Dabei sind neben dem Leibniz-Institut für Biodiversitätsforschung auch die Universität Jena, die Stiftung Schloss Friedenstein Gotha, und der Nationale GeoPark Thüringen beteiligt. Das Projekt startete mit einem Monat Verspätung, Fröbisch zeigt sich dennoch optimistisch für den weiteren Verlauf: "Wir wissen alle, was Corona für einen Einfluss auf unser Leben im Jahr 2020 gehabt hat. Und das betrifft uns Wissenschaftler auch in verzögerten Einstellungsverfahren und derartigen Sachen. Und daher wollen wir jetzt natürlich Vollgas geben. Und hoffentlich können wir in diesem Jahr noch eine zumindest kurzzeitige Grabung durchführen."

Im nächsten Jahr solle das Projekt dann richtig durchstarten. Und das mit einem besonderen neuen Ansatz, der Wissenschaft und Öffentlichkeit vernetzten soll. "Man muss sich das so vorstellen, dass wir natürlich nicht jeden Interessierten mit in die Grabungsstelle einladen können. Dafür ist sie leider zu klein. Aber wir wollen eine sogenannte Besucherplattform direkt an der Grabungsstelle aufbauen und dort den Interessierten die Möglichkeit geben zuzugucken", sagt Fröbisch.

Bromacker-Lab startet 2021

Ein eigenes Bromacker Lab soll es dafür geben. Dazu sollen digitale Medien und Führungen eine stärkere Vernetzung mit Besuchern schaffen. Sie sollen nicht nur zuschauen dürfen, wie Fossilien präpariert und über Computertomographie analysiert werden, sondern sogar am Forschungsprozess beteiligt werden.

Wissenschaft aus dem Elfenbeinturm führen und gleichzeitig um 290 Millionen Jahre in der Zeit zurückreisen - mit diesen beiden Vorhaben soll das Projekt Bromacker starten. Die Fundstelle, die Forschende schon seit mehr als hundert Jahren fasziniert, wieder zur Schatzgrube werden.

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